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Kostenfalle Reparatur: Erst rechnen, dann reparieren

Anschaffung, Versicherung und Benzin sind kalkulierbare Größen. Gerade bei alten Autos sind Schnäppchen möglich. Aber wie sieht es mit Reparaturen aus? Was lohn sich? Auf jeden Fall hinschauen und nachrechnen.

Von Heiner Walberg

Kfz-Mechaniker bei der Arbeit: Beim Gebrauchtwagen ist nicht jede Reparatur notwendig.

Kfz-Mechaniker bei der Arbeit: Beim Gebrauchtwagen ist nicht jede Reparatur notwendig.

Für Besitzer alter Fahrzeuge ist es der Klassiker – die Hauptuntersuchung vom TÜV steht an und das Auto muss in die Werkstatt. Dort werden diverse "Kleinigkeiten" festgestellt, der Mechaniker verspricht "das lohnt sich noch, der Wagen hat Substanz". Zähneknirschend zahlen wir, freuen uns über die neue Plakette und hoffen, dass unser geliebtes Schätzchen bis zum nächsten TÜV-Termin in zwei Jahren durchhält.

Es lohnt sich, zu hinterfragen, welche Reparaturen wirklich notwendig sind und welche eher der Werkstatt dienen, als dem Autobesitzer. Die folgenden drei Fehler passieren häufig:

1. Unnötige Reparaturen

Muss man die defekte Klimaanlage bei einem alten Auto wirklich für viel Geld austauschen? Ist es notwendig, eine defekte Zentralverriegelung zu reparieren? Wenn es nach der Werkstatt geht, heißt die Antwort wahrscheinlich Ja! Hier lohnt es sich, zu überdenken, ob das eigene Auto zum Fass ohne Boden wird. Wer die eine oder andere altersbedingte Macke an seinem Auto akzeptiert, fährt günstiger. Bei Bremsen und anderen sicherheitsrelevanten Teilen dürfen natürlich keine Kompromisse gemacht werden.

2. Fehldiagnosen

Der Mechaniker wundert sich ebenfalls über die von Ihnen beschriebenen "komischen Geräusche" und schlägt vor, ein Teil zu tauschen, das für das Geräusch "verantwortlich sein müsste". Bei dieser Art von Zweifeln lohnt sich eine zweite Meinung, bevor auf gut Glück herumgebastelt wird.

3. Überteuerte Ersatzteile

Beim Austausch von Teilen gibt es eine große Bandbreite. Originalteile, Teile "in Erstausrüsterqualität" oder günstige Ersatzteile von Drittanbietern.  Welche Option die Beste ist, hängt vom Fahrzeugtyp und der angepeilten Laufleistung ab. Das teure Originalteil muss nicht unbedingt die sinnvollste Wahl sein. Ärgerlich wird es, wenn teure Teile berechnet werden, aber günstige zum Einsatz kommen. Wer auf Nummer sicher gehen will, besorgt die Ersatzteile selbst und lässt sie einbauen. Auch gebrauchte Teile sind dabei eine gute Möglichkeit, Geld zu sparen. Eine vorherige Absprache mit der Werkstatt ist erforderlich, nicht jeder Mechaniker lässt sich auf ein solches Modell ein.

4. Falsche Wahl der Werkstatt

Viele Autofahrer gehen lieber zu einer kleinen, freien Werkstatt. Dabei muss die vermeintlich teure Vertragswerkstatt nicht immer der falsche Ansprechpartner sein. Gerade bei etwas neueren Autos hat teilweise nur die Vertragswerkstatt das richtige Diagnosegerät zur Fehlersuche. Wer sich mit Original-Ersatzteilen in seinem Auto am wohlsten fühlt, ist in der Vertragswerkstatt ebenfalls gut aufgehoben. Eine kleine Hinterhofwerkstatt hat im Normalfall günstigere Stundensätze, dafür aber nicht immer die gleiche Transparenz bei der Abrechnung, wie eine große Vertragswerkstatt.

Nicht alles ist für den Laien kontrollierbar. Wer die Werkstatt seines Vertrauens gefunden hat, kann sich glücklich schätzen.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.