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Los Angeles Autoshow 2010 Erste Sonnenstrahlen nach der Finsternis


Heute startet die Los Angeles Auto Show. Unter der kalifornischen Sonne ist zwar nicht allzu viel Neues zu sehen, dafür leiht Hollywood der Veranstaltung den Promiglanz. In Los Angeles macht sich ein verhaltener Optimismus breit - die Auto-Welt könnte bald wieder in Ordnung sein.
Von Helmut Werb, Los Angeles

"Wir verkaufen endlich wieder Autos," freut sich ein lächelnder Mann am Stand von Ford USA. Das könnte durchaus auch als Motto durchgehen für die Los Angeles Auto Show, die am Freitag ihre Tore öffnet. Die deprimierende Zurückhaltung der letzten Jahre ist einem vorsichtigen Optimismus gewichen, einer Vorfreude, die in Los Angeles präsentierten Autos endlich auch an den Mann – oder die Frau –bringen zu können. Kurz vor der Eröffnung der Autoshow in Los Angeles machte noch die Nachricht vom erfolgreichen Börsengang des ehemaligen Sorgenkinds General Motors die Runde. "Good News" wie diese heben die positive Grundstimmung um einiges an. Ein wenig Rest-Skepsis ist allerdings immer noch verblieben. "Das wird ein langer Weg, bis wir wieder da sind, wo wir in den guten Zeiten schon mal waren," sagt ein BMW-Mitarbeiter, und gibt die Vorsicht der meisten Hersteller wieder, aber am Stand der Münchner drängeln sich trotz der bayrischen Zurückhaltung erfreulich viele "Fahrfreude"-Bewunderer. BMW stellt das (schon in Paris gezeigte) neue 6er Coupe vor und überrascht sich dann selber mit der recht plötzlichen Ankündigung des dazu passenden Cabrios, das dann allerdings nur per Foto gezeigt werden kann. Am benachbarten Mercedes Stand bestaunen die mit dem ewigen Verkehrsstau gesegneten Angelenos den prächtigen AMG CLS63, gepowert von einem 518 PS starken Triebwerk, das auf Wunsch auf bis zu 550 PS gesteigert werden kann, was bei einem geschätzten Freeway-Durchschnitt von runden 25 km/h reichlich Potenzial unter der Haube lässt.

Stars statt Messegirls

Näher am kalifornischen Alltag dürften die Mannen von Volkswagen sein, die neben ihrem Touareg Hybrid den neuen Eos vorstellen. Für die ältere Generation präsentiert ihn Heidi Klum im klassischen Kostüm, für die Kunden von morgen wurde "Gossip Girl" Jessica Szohr aufgeboten. Wen stört es, wenn Szohr in dem ewigen Teenie-Herz-Schmerz-Epos die Künstler-Zicke mimt und konsequent Fahrrad fährt. Bei Audi gibt’s die aufregende Audi Quattro Studie und den R8GT zu sehen, obwohl die US-Journalisten sich mehr um den A8 und den A7 drängen. Nur Porsche und Lotus haben echte Neuheiten zu bieten. Die Stuttgarter zeigen den den Cayman R, eine gelungene Hardtop-Variante des Boxster Spyder. Hollywood Star Sharon Stone enthüllt den sensationell designten Lotus Esprit. Stones berüchtigte Schenkelszene ist zwar schon ein paar Jahre her, aber bei ältere Herren, die sich einen neuen Lotus leisten können, weckt der Star noch immer die grundlegende Instinkte. Saab hofft mit dem 9-4X unter dem neuen Eigner Spyker auf den Durchbruch. Die Cabrio-Version des enorm erfolgreichen Camaros dürfte allerdings beim US-Publikum besser ankommen.

Range Rover stellt seinen "Kleinen" vor, den Evoque, der in echt um vieles besser aussieht als auf allen Fotos. Die koreanische Autofirma Hyundai, die in den USA alle Verkaufsrekorde bricht, bringt den Elantra für den Massenmarkt. Chrysler zeigt mit dem neuen Durango was für den Pick-Up Markt und hofft weiterhin auf bessere Zeiten. Um es allen recht zu machen, positioniert der Konzern die Power-Version des Challengers, den Mopar, nicht allzu weit weg vom Fiat 500. Von den US-Verkaufszahlen des kleinen Italieners erwartet man sich Hinweise, ob sich amerikanische Autokäufer vielleicht doch mit Kleinwagen anfreunden können.

Stromer endlich zu kaufen

Das Hauptaugenmerk liegt – wie bei allen anderen internationalen Autoshows der vergangenen Monate – auf Strom in allen seinen Varianten. Kein Stand ohne Hybrid, Wasserstoff-Studie oder Vollelektrik. Aber nur Nissans Leaf und Chevrolets Volt kommen Ende des Jahres – tatsächlich! – in die Verkaufsräume, und der Volt gewinnt deshalb vollkommen überraschungsfrei den Preis des "Green Car of the Year".

Die üblichen Studien dürfen nicht fehlen – Infiniti’s Essence war schon in Genf aufregend genug, Cadillacs Urban Luxury Concept wäre wirklich toll, wenn es dann so käme. Der Gewinner bei den Auto-Träumereien ist jedoch Jaguars C-X75, ein 780PS-starker Elektriker, der schon auf der Autoausstellung in Paris allen Testosteron-Produzenten den Atem raubte.

Renaissance der großen Drei stärkt Detroit

Trotz allem schleicht sich ein wenig Tristesse ein, und das nicht nur, weil ein richtiger Kracher dieses Jahr fehlt. Los Angeles scheint im jahrelangen Kampf mit Detroit wieder ins Hinterfeld zu rücken. Als vor einigen Los Angeles den Show-Termin vom Winter in den Spätherbst verlegte, schien der Kampf um die wichtigste Autoausstellung in den USA zugunsten der Kalifornier entschieden zu sein. Doch mit der Erholung der US-Autoindustrie hat sich das derbe Detroit gegenüber der Glittermetropole wieder behauptet. Viele der Aussteller, die auf L.A. setzten und keine Stände in Detroit mehr buchten, kehren reumütig in die Heimat der großen Drei zurück. Und Los Angeles verliert ausgerechnet die Prestige-trächtigen Sportwagen-Exoten. Wie im letzten Jahr erschien Ferrari erst gar nicht, und Lamborghini enthüllte den neuen Gallardo 570 LP-4 Performante in einem Hollywood-Studio abseits der Ausstellungshallen. Auf der Messe selbst sind die Italiener nicht zu sehen.


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