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Manipulationsaffäre: Staatsanwalt prüft Ermittlungen gegen ADAC

Die Manipulationsaffäre beim ADAC hat womöglich juristische Folgen. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob sie Ermittlungen aufnehmen muss. ADAC-Präsident Peter Meyer lehnt unterdessen einen Rücktritt ab.

Der ADAC hat nach der Manipulationsaffäre noch keine Zahlen zu Austritten von Mitgliedern vorliegen. "Es sind definitiv da noch keine Bilanzen möglich," sagte ein ADAC-Sprecher am Dienstag in München auf Anfrage. Ein Vereinsaustritt sei ein formaler Akt, der schriftlich erfolgen müsse. Da die Vorwürfe von Manipulationen bei der Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen sich erst am Wochenende bestätigt hätten, könnten die Schreiben erst jetzt allmählich eingehen.

Die Staatsanwaltschaft München I hat derweilen einen Zeitungsbericht zu möglichen Ermittlungen gegen den Automobilclub relativiert. Es sei kein formales Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, sagte ein Behördensprecher. Die Staatsanwaltschaft untersuche im Rahmen eines sogenannten Vorprüfungsvorgangs von Amts wegen, ob eine Straftat vorliegen könne. Von der Einleitung eines Verfahrens sei die Behörde aber "meilenweit" entfernt. Der Sprecher äußerte sich zurückhaltend, ob überhaupt strafbares Verhalten vorliegen könne. Da der ADAC nicht selbst Autos verkaufe, könne er auch keinen finanziellen Profit aus einem manipulierten Test ziehen.

Autohöfe-Verband kritisiert Raststättentest

Der inzwischen zurückgetretene ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter hatte zugegeben, bei der Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen die Teilnehmerzahlen deutlich nach oben geschönt zu haben. Dies soll nach Angaben von ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair über mehrere Jahre geschehen sein. In einem Bericht der "Bild"-Zeitung hatte ADAC-Präsident Peter Meyer zudem einen Rücktritt in Folge des Skandals abgelehnt. Wenn der Wind von vorn komme, "muss man das auch mal aushalten können", sagte er.

Präsident Meyer sagte der "Bild"-Zeitung, er sei in dem Fall "der Garant für die Aufklärung in der Sache". Er warnte zudem vor einem "Generalverdacht" gegen den ADAC. Das sei all jenen gegenüber unfair, die "jeden Tag mit größtem Engagement" arbeiteten. Nach den Manipulationsvorwürfen waren auch Zweifel in anderen Bereichen des Clubs laut geworden. Der Leiter der Abteilung Test und Technik sagte dazu der "Westfalenpost", alle ADAC-Tests seien "sachlich nachvollziehbar, fundiert und überprüfbar". Kein Test sei manipuliert worden.

Die Vereinigung Deutscher Autohöfe (Veda) zweifelte dagegen die Neutralität des ADAC an: Die Vereinigung bemängele "schon seit Jahren", dass der Raststättenvergleich "nicht neutral" sei, wodurch die Autohöfe benachteiligt würden, erklärte Veda-Vorstand Alexander Ruscheinsky. Der ADAC stehe in weitreichenden geschäftlichen Beziehungen mit dem Raststättenbetreiber Tank & Rast, bemängelt die Vereingung Deutscher Autohöfe.

VW wirbt nicht mehr mit "Gelbem Engel"

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer fordert in der "Passauer Neuen Presse" eine Neuausrichtung des ADAC. Der Autoclub müsse "vom Kopf auf die Füße gestellt werden". Das heutige System neige dazu, dass Manipulationen passierten. Dudenhöffer schlug vor, den ADAC in zwei Gesellschaften aufzuspalten - in die Pannenhilfe und das Wirtschaftsunternehmen.

Zuletzt hatte der VW-Golf die Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen beim "Gelben Engel" gewonnen. Ein Sprecher des Volkswagen-Konzerns sagte der "Bild"-Zeitung vor dem Hintergrund des Skandals, VW wolle "nicht mit dem Gelben Engel für den VW-Golf werben". Zugleich forderte er von dem Club eine "lückenlose Aufklärung" der Vorgänge.

Dobrindt: "Der ADAC ist nicht Hollywood!"

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) forderte die ADAC-Führung auf, das verlorene Vertrauen von Mitgliedern und Öffentlichkeit zurückzugewinnen. Der "Bild"-Zeitung sagte der Minister: "Es muss radikal aufgeklärt werden. Alle Vorgänge der Vergangenheit müssen offengelegt werden." Der ADAC solle sich künftig auf seine Kernkompetenz besinnen, " den Service der Mitglieder und die Interessenvertretung der deutschen Autofahrer: Mehr um den einzelnen Autofahrer kümmern, weniger Show und Glitzer - der ADAC ist doch nicht Hollywood!"

dho/AFP/DPA / DPA

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