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Manipulation bei Autopreis: Autoexperte fordert Aufspaltung des ADAC

Die Mauscheleien beim Automobilpreis "Gelber Engel" stürzen den ADAC in eine schwere Glaubwürdigkeitskrise. In der Kritik steht insbesondere die Organisationsstruktur des Vereins.

Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer hält den ADAC mit seiner derzeitigen Organisationsstruktur für gescheitert. "Es gibt keine Kontrolle beim ADAC. Man schottet sich ab", sagte Dudenhöffer am Montag im Bayerischen Rundfunk und warf dem Verein Arroganz und Selbstherrlichkeit vor. "Offensichtlich ist das System ein Nährboden dafür, dass sich Dinge entwickeln, die sich in Unternehmen nicht entwickeln dürfen."

Kosmetische Änderungen genügten nicht mehr, der ADAC brauche "eine völlig neue Struktur". Sonst werde er seine Glaubwürdigkeit verlieren. Nach Ansicht des Experten, der Professor an der Universität Duisburg-Essen ist, sollte der ADAC in einen Pannenservice und ein Wirtschaftsunternehmen aufgeteilt werden. Denn es gebe Verflechtungen, die mit der Unabhängigkeit von einer Testorganisation nichts zu tun hätten.

Nach seiner Ansicht wirft der Skandal ebenfalls in Schlaglicht auf andere Tests und Statistiken des ADAC. "Auch die Pannen- und Tunnelstatistik müsste man jetzt untersuchen", sagte Dudenhöffer. Wenn beim Gelben Engel gelogen worden sei, könne man das für andere Bereiche nicht ausschließen.

Frühere Abstimmungen ebenfalls geschönt?

Am Sonntag hatte der Automobilclub zugegeben, dass es im Zuge des Autopreises "Gelber Engel" Manipulationen gegeben hat. ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter soll die Teilnehmerzahlen zu der Umfrage zum "Lieblingsauto der Deutschen" über Jahre hinweg nach oben geschönt haben, gab ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair in der "Süddeutschen Zeitung" zu und kündigte eine umfassende Aufklärung an. Die Zahlen für den ADAC-Autopreis könnten womöglich schon seit Jahren manipuliert worden sein.

Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, haben erste interne Untersuchungen von Dokumenten beim ADAC ergeben, dass auch in den vergangenen Jahren, mindestens aber 2013 und 2012, die Zahl der abgegebenen Stimmen künstlich erhöht wurden. Dies hatte laut der ADAC-Prüfer aber keinen Einfluss auf die Platzierungen der Autos. Die Prüfung stütze sich auf frühere Aufzeichnungen, die Stimmzettel (Coupons) seien laut ADAC aus datenschutzrechtlichen Gründen vernichtet worden.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte am vergangenen Dienstag als erstes Blatt über Mauscheleien beim Preis "Gelber Engel" berichtet. Nach ihren Informationen soll es nur 3409 Stimmen für das Siegerauto VW Golf gegeben haben, ein ADAC-Papier vom Dezember 2013 habe dagegen als offizielles Ergebnis 34.299 Stimmen genannt.

"Ich habe Scheiße gebaut"

Kommunikationschef Ramstetter, der seit Jahren auch Chefredakteur der Mitgliederzeitschrift "Motorwelt" war, habe - so der ADAC in einer Mitteilung vom Sonntag - "die alleinige persönliche Verantwortung" übernommen und alle Funktionen beim ADAC niedergelegt. Die "Süddeutsche Zeitung" zitiert ihn mit den Worten "Ich habe Scheiße gebaut und die Zahlen geschönt. Daraus ziehe ich die Konsequenzen und übernehme die Verantwortung."

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) dringt auf eine weitere Klärung: "Der ADAC hat jetzt die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Karten auf den Tisch gelegt werden." Die Vorgänge zeigten, dass "großen Verbänden manchmal etwas mehr Bescheidenheit im Auftreten gut täte", sagte der Minister in München, der wegen der geplanten Einführung einer Pkw-Maut für Ausländer mit dem ADAC im Streit liegt. Kein harmloser Gegner: Der ADAC ist mit rund 19 Millionen Mitgliedern größter Autoclub in Europa und größter Verein in Deutschland.

Desaströses Krisenmanagement

ADAC-Geschäftsführer Obermair hatte am Donnerstag bei der offiziellen Feier zur Auszeichnung des VW Golf mit dem "Gelben Engel" vor Gästen noch von "Unterstellungen und Unwahrheiten" gesprochen. Er hatte gespottet, immerhin seien die vier Buchstaben des ADAC richtig abgedruckt worden. Im Übrigen sei nichts älter als die Tageszeitung von gestern: "Mit der packt man den Fisch ein."

Noch vor Abschluss der internen Prüfung habe Ramstetter am Freitag seinen Fehler eingeräumt. Weder Geschäftsführung noch Präsidium seien zuvor "über diese Unregelmäßigkeiten bei der Leserwahl" unterrichtet gewesen, erklärte der Automobilclub.

Die anderen Kategorien beim Preis "Gelber Engel" seien von den Vorgängen nicht betroffen, betonte der Autoclub. Er will Vertrauen zurückgewinnen und kündigte an, bis 2015 für die Abstimmung zum Lieblingsauto ein notariell überwachtes Verfahren zu entwickeln, das über jeden Zweifel erhaben sei.

kng/DPA / DPA

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.