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Motorrad-Unfälle: Selbstmordkommando mit 200 PS

Kaum Kilometer, aber jede Menge Tote. Nichts ist gefährlicher als ein Bike, sagen die Unfallforscher der Versicherer. Dabei sind Motorradfahrer keineswegs immer das Opfer von unaufmerksamen Autofahrern. Besonders Sportpiloten beherrschen ihre hoch gezüchteten Maschinen nicht.

Motorradfahrer lieben den Thrill. Für das Abenteuer auf zwei Rädern fährt man ein wenig gefährlicher, als wenn man in einer E-Klasse von Mercedes unterwegs ist. Das wusste man schon immer. Unbekannt war aber, um wie viel die Spritztour mit dem Zweirad tatsächlich gefährlicher ist. Das haben die Unfallforscher der Versicherer (UDV) ermittelt. Das Risiko, auf einem Motorrad getötet zu werden, ist demnach 14-mal höher als im Auto. Eine mörderische Rate, die man in anderen Gefahrensituationen kaum akzeptieren würde.

Reines Freizeitgefährt

Wenn man sich des enormen Risikos bewusst wäre, würde vielleicht der eine oder andere Biker ins Grübeln geraten. Die hohe Todesrate versteckt sich jedoch geschickt in der Statistik. Auch beim Motorrad sind die absoluten Zahlen der Getöteten und Verletzten in den letzten Jahren gesunken. Aber heute wird das Motorrad kaum noch benutzt. Früher war das Motorrad ein ganz normales Verkehrsmittel, genutzt für den Weg zur Arbeitsstelle und für tägliche Besorgungen. Entsprechende Kilometerleistungen kamen zusammen. Heute wird das Motorrad als Freizeitgerät nur noch für Sonnenscheinfahrten herausgeholt und auf diesen wenigen Kilometern geschehen dann erschreckend viele Unfälle.

Sicherheitsoffensive im Pkw

Der Stand der Sicherheitstechnik im Auto hat sich enorm verbessert: elektronische Fahrhilfen, Airbags und sichere Fahrzeugzellen haben geholfen, dass sich die die Zahl der Toten auf eine Million gefahrener Kilometer bei den Pkw um zwei Drittel von fast 14 auf knapp 5 von 1991 bis 2005 verringerte. An diesem Sicherheitsfortschritt nehmen die Motorräder nicht teil. Entsprechend verschlechterte sich ihre Risiko-Bilanz gegenüber dem Pkw von achtmal schlechter (1991) auf 14mal (2005). Während der Gesetzgeber Pkw in vieler Hinsicht in die Pflicht nimmt, herrscht angesichts der erschreckenden Entwicklung bei den Motorrädern Desinteresse. "Wenn andere Risikosportarten wie Bergsteigen, Drachenfliegen oder Kite-Surfen diese Getötetenraten hätten, hätte der Gesetzgeber sich längst zum Handeln gezwungen gesehen", sagte der Leiter der Unfallforschung der Versicherer, Siegfried Brockmann.

Falsche Opfermentalität

Laut der Untersuchung ist die unter Motorradfahrern verbreitete Opfermentalität völlig überzogen. "Vor allem sollten Motorradfahrer aufhören, sich als unschuldige Opfer zu sehen. Dann könnten sie auch ihr Verhalten ändern", fordert Siegfried Brockmann. Mehr als die Hälfte der Außerortsunfälle sind selbstverschuldet. Die Auffälligkeit der Sportmotorräder und der vielen Kreuzungsunfälle zeigt auch, dass Motorradfahrer selbst bei unverschuldeten Unfällen durch ihr eigenes Verhalten erheblich zur Abwendung oder zu einem glimpflicheren Unfallverlauf beitragen. "Fahrsicherheitstrainings dürfen nicht nur die Beherrschung der Maschine zum Ziel haben, sondern müssen dem Motorradfahrer auch seine Mitverantwortung aufgrund seiner schmalen Silhouette und seiner für Pkw-Fahrer nicht begreifbare Beschleunigung vermitteln", so Brockmann. Bis in die Sprache hinein verdrängen Motorradfahrer ihre Mitverantwortung. Wenn eine Maschine in der Kurve durch Schlamm, Steine oder Laub auf der Fahrbahn außer Kontrolle gerät, wird das in aller Regel als Schicksalsschlag interpretiert. Von überhöhter Geschwindigkeit ist nur selten die Rede.

An Sicherheit nicht interessiert

Sicherheitsfragen spielen bei den Fahrern offenbar keine große Rolle. Im Pkw-Markt ist ein schlechtes Abschneiden beim Crash-Test ein Todesurteil für das Modell. Ein Wagen ohne den Bremsassistenten ABS wäre praktisch unverkäuflich, beim Motorrad wird dieser Helfer dagegen nur sehr zögerlich eingebaut. Da passt es ins Bild, wenn besonders sportliche Piloten und Maschinen noch häufiger verunglücken als normale Biker. Die Fahrer von Sportmaschinen gaben bei einer Umfrage von "Das Motorrad" offen zu, besonders flott unterwegs zu sein. In der Detailanalyse in der Unfalldatenbank der Versicherer sieht man die Folgen: Je schwerer die Verletzung, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um den Fahrer einer Sportmaschine handelt.

Schnell wird teurer

Die Versicherer werden Konsequenzen aus der Untersuchung ziehen. "Man könnte das Leistungsgewicht, also das Verhältnis von Kilowatt und Gewicht des Motorrads als Kriterium für die Versicherungsprämie nehmen", erläutert Jens Bartenwerfer von den Deutschen Versicherern (GDV). Dann würden "sportliche" Maschinen mit niedrigem Leistungsgewicht in der Versicherung deutlich teurer. Überfällig ist auch der serienmäßige Einbau eines Antiblockiersysteme. Die Unfallfallforscher fordern die Industrie auf, die alte freiwillige Selbstbeschränkung von 100 PS wieder zu beachten. Ein frommer Wunsch, zur Zeit arbeiten viele Maschinen an der 200-PS-Marke.

Kra/MID

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.