Sammelfieber 25.000 Porsche unter dem Hammer


Für Porsche-Enthusiasten wurde Stuttgart zur Pilgerstätte. Auf der weltgrößten Porsche-Modellbörse gab es alles, was das Sammler-Herz begehrt.

Porsche total: Von detailgetreuen Automodellen über nostalgische Zeitschriften und Bücher bis hin zum Handtuch mit Wappen der Sportwagenbauer aus Zuffenhausen.

Samstagmorgen, acht Uhr. Langsam füllt sich die Halle Veranstaltungszentrum Waldaupark im Naherholungsgebiet am Fuße des Stuttgarter Fernsehturms. Für sechs Stunden wird hier auf 2500 Quadratmetern in einer schlichten Tagungshalle der Mittelpunkt der großen, kleinen Porsche-Welt liegen. Beim 9. Internationalen Porsche Modell Club Winter Swap treffen sich jährlich Sammler, Liebhaber und Aussteller aus ganz Europa und Übersee um ihre gemeinsame Leidenschaft das Sammeln und Tauschen von Porsche-Modellen und Accessoires zu teilen.

"It is the best in the world"

Wie ein unsichtbarer Fokus wandert der gründliche Blick von Albert Lo nach rechts und links, während er durch die Tischreihen flaniert. Tische, die sich langsam mit Modellautos der unterschiedlichsten Größen von Maßstab 1:5 bis 1:160 füllen. Ein Abbild der wirklichen Firmengeschichte der Sportwagenschmiede. Vom ersten 356/1 Roadster bis zum gerade in Genf vorgestellten aktuellen Porsche 911 997 Turbo, es gibt alles "en miniature". Aus Blech, Metall, Kunstharz, Holz, Keramik, jedes material ist vertreten. Insgesamt 25.000 Modell-Vehikel stehen zum Verkauf. Nichts entgeht dem Mann in der blau-orange gestreiften Retro-Rennsport Jacke, mit der einst Leinwand-Star Steve McQueen 1971 im Rennfilm "Le Mans" durch das Fahrerlager beim französischen 24-Stunden-Klassiker schlenderte. Eigentlich ist Mr. Lo viel zu früh dran, eigentlich. Die Messe beginnt offiziell erst um 10 Uhr, bis dahin haben nur Aussteller zum Aufbau Einlass, eigentlich. 25 Auserlesene konnten sich im Internet streng limitierte sogenannte "Early Bird"-Eintrittskarten sichern, Einlass schon um acht Uhr ins Porsche-Modell-Mekka. Ungestört durch die Reihen mit den Tausenden Flitzern im Miniaturformat wandern und dann dem verführerischsten Schnäppchen erliegen. Der Traum für Jeden, der der Sammel-Leidenschaft und dem Mythos Porsche verfallen ist. Mr. Lo ist einer davon. "It is the best in the world", strahlt der 40-jährige mit glänzenden Augen. Der Modellwagen-Liebhaber und selbst Besitzer eines echten 911er GT2 von 2002 ist aus der kleinen amerikanischen Universitätsstadt Champaign, 250 Kilometer südlich von Chicago, zur Modellbörse nach Stuttgart-Degerloch gereist. Ein Kleinigkeit, um "schöne Porsche-Sachen zu finden". Nein, etwas Spezielles suche er nicht.

"Am Design-Modell kam ich nicht vorbei"

Alles zum letzten luftgekühlten Porsche 911, Typ 993, sucht Jan Hennen. Er ist zum ersten Mal beim Swap dabei, als Aussteller und als Sammler. "Bis zu meinem 50. Geburtstag wollte ich unbedingt einen Porsche fahren und das habe ich knapp geschafft", erzählt der Besitzer eines roten 94er 993 Carrera 4 Coupé stolz, den er unter anderem durch den Verkauf von Modellautos finanziert hat. Eine über zehn Jahre aufgebaute Opel-Sammlung mit unzähligen Miniatur-Kutschen musste für den Stuttgarter Sportwagen weichen. Der Startschuss für die Jagd nach 993-Accessoires. Der Ausflug nach Degerloch hat sich, für den im echten Leben als Pressesprecher von Reifenhersteller Michelin tätigen Hennen, gelohnt. "Am 993 Design-Modell im Maßstab 1:5 kam ich nicht vorbei."

Sammlung im Wert eines Supersportwagens

Auch der Preis von 350 Euro hat nicht gestört, der ideelle Wert ist um ein Vielfaches höher. Für den Laien sind es Schwindel erregende, nicht nachvollziehbare Summen, für den Sammler Liebhaberpreise, die den Wert einer besonders exklusiven Rarität unterstreichen. "Unter einem Porsche Carrera GT würde ich meine Sammlung niemals hergeben", beschreibt Ekkehard Diez die Größe und den Wert seiner Sammlung. Nur zur Erinnerung, das Exklusivste, was es von Porsche derzeit für die Straße gibt, ist der Carrera GT, reine straßentaugliche Renntechnik für 390.000 Euro exklusive Mehrwertsteuer. Bei dieser Sammlung ist Diez zumindest eines sicher, der Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde. Der Kaufmann aus Ammerbuch bei Tübingen hat mit über 1600 Anstecknadeln die umfangreichste Sammlung an Porsche-Pins der Welt. Aber auch sonst sammeln Diez und seine Frau neben drei echten Porsche und vier Porsche Traktoren alles was mit dem Mythos der Sportboliden zu tun hat. Bilder, Bücher, Zeitschriften, Wimpel, Münzen, Werbe-Prospekte und Pressemappen. Natürlich mit dem Streben nach Vollständigkeit, ein typisches Sammlermerkmal. "Die letzten Pins aus Genf und die Pressemappe zum Modelljahr 2006 fehlen mir noch", erzählt Diez, während seine Frau einen Ventildeckel auf den Verkaufstisch legt. Auf einen Footwork-Porsche Zwölfzylinder-Motor geschraubt, drehte er einst seine Runden über die Formel 1-Pisten dieser Welt.

"Wie e-bay live, nur man kann alles anfassen"

Für Henk H. Koop, den Veranstalter des Spektakels, war Porsche eine Liebe auf den ersten Zeh. Im Urlaub am Wörthersee im Jahr 1978 ist ihm ein schwarzer Turbo fast über den Fuß gefahren. "Das Motorengeräusch werde ich nie vergessen", erzählt der Niederländer aus Emmen über die Entfachung seiner Leidenschaft strahlend. Heute besitzt der Marketing-Spezialist die größte Porsche Buch-Sammlung der Welt mit über 450 Titeln und um die 1000 zumeist handgefertigten Modell-Sportwagen. Seit 1993 ist Koop Vorsitzender des Porsche Modell Club (PMC), der 1978 gegründet wurde. Im Jahr 1994 fand die erste Modell-Börse statt, die seitdem wachsende Besucherzahlen zu verzeichnen hat. Für den Porsche-Enthusiasten hat dies, neben dem geselligen Treffen von Fans der Sportwagen aus Zuffenhausen, vor allem einen Grund: "Der Swap hier ist praktisch e-bay live und es ist doch viel schöner, wenn man alles anfassen kann."

Von Christian Gebhardt

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