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Spritverbrauch: Eiskalt zum Sparen gezwungen

Der Fahrer kann viel zum Spritsparen beitragen, doch häufig will er nicht. Um den Unsicherheitsfaktor Mensch zu umgehen, rüsten Autohersteller auf: Immer mehr Systeme sollen Spritverschwendern auf die Finger klopfen.

Von Sebastian Viehmann

"Vor dem Hintergrund begrenzter Rohölreserven, in einer Zeit der Kraftstoff-Preiserhöhungen, hat das Volkswagenwerk eine Antwort parat." Dieses Zitat stammt nicht etwa aus einer aktuellen Broschüre für den Golf BlueMotion: Im Januar 1981 bewarb VW mit diesen Worten seine Formel E-Sondermodelle. Mit einem lang übersetzten E-Gang, der Schalt- und Verbrauchsanzeige sowie einer Start-Stopp-Funktion per Knopfdruck versprach VW je nach Modell und Fahrsituation zwischen 10 und 27 Prozent Kraftstoffersparnis. "Der E-Gang verlangt eine neue Einstellung vom Fahrer. Er ist nicht auf starkes Beschleunigungsvermögen ausgelegt, sondern auf verbrauchsgünstiges, gleichmäßiges Fahren im mittleren und oberen Geschwindigkeitsbereich", schickte Wolfsburg mahnend hinterher. Und umriss damit das Problem, an dem viele Spritsparmaßnahmen damals wie heute kranken: Sie bringen wenig, wenn der Fahrer nicht mitspielt.

Spar unwilligen Fahrern soll die Technik daher auf die Finger klopfen. Nissan will ab 2009 ein System anbieten, das Bleifuß-Fans aktiv bremsen soll. Das "ECO-Pedal" reagiert mit einem leichten Gegendruck am Gaspedal, wenn der Fahrer nach Meinung der Elektronik zuviel Gas gibt und damit Sprit verschwendet. "Das System wird laufend mit aktuellen Daten zum Kraftstoffverbrauch und zur Getriebeeffizienz gefüttert. Hieraus berechnet der Assistent den bestmöglichen Beschleunigungswert", heißt es bei Nissan. Als optischer Hinweis des jederzeit abschaltbaren Assistenten dient eine grüne Leuchtdiode am Instrumentenbrett, die bei zu starkem Gasgeben blinkt. Ob Autofahrer ein solches System als willkommene Unterstützung oder überflüssige Gängelung empfinden, bleibt abzuwarten.

Sparen beginnt schon vor dem Losfahren

Mit dem widerstrebenden Pedal geht Nissan nur einen Schritt weiter, mit mahnenden Anzeigen arbeiten auch andere Fabrikate. Weil das Fahren mit möglichst niedriger Drehzahl immer noch zu den einfachsten Sparmaßnahmen zählt, setzen viele Hersteller auf digitale Schaltanzeigen am Instrumentenbrett. Durch kleine Zahlen oder Pfeile teilt die Elektronik auch einem nicht mitdenkenden Piloten mit, wann er den nächsten Gang einlegen kann. Gerade bei drehmomentstarken Motoren kann man oft problemlos im fünften oder gar sechsten Gang durch die Stadt gleiten. Ob man es denn auch will, ist eine andere Frage. Letzten Endes muss man sich fragen, warum man zuerst einen bullenstarken Motor haben will, wenn man ihn dann nur im Schongang durch die Stadt gleiten lässt.

Undisziplinierten Fahrern muss man nur den Schalthebel wegnehmen, schon bewegen sie sich automatisch im optimalen Bereich. Dann muss der Fahrer die Gänge nicht selbst sortieren, wenn er sparen will. Doppelkupplungsgetriebe locken mit kaum noch spürbaren Zugkraftunterbrechungen und verursachen einen geringeren Mehrverbrauch als Wandler-Automatikgetriebe. Die neuesten Getriebe-Generationen können bei der Spritökonomie sogar die Handschaltung schlagen. Für den Golf 1.4 TSI mit 7-Gang DSG zum Beispiel gibt VW einen Durchschnittsverbrauch von 5,9 Litern pro 100 Kilometer an, während sich der Handschalter 6,3 Liter genehmigt. Bei diesem Ergebnis wird natürlich schon best-ökonomisch handgeschaltet, in der Praxis dürfte die Differenz also eher größer ausfallen.

Das Sparen beginnt freilich schon vor dem Losfahren - schon seit Jahren wird das in jedem Spritspar-Training gebetsmühlenartig wiederholt. Werkzeug oder Gerümpel sind spritfressende Begleiter im Kofferraum. Gepäckträger tragen nur zur höheren Benzinrechnung bei, wenn sie unbenutzt auf dem Dach herumlungern. Wer im Hochsommer ins aufgeheizte Auto steigt, sollte erst ein paar Minuten die Türen zum Durchlüften öffnen, bevor er die Klimaanlage anwirft.

Auto der Zukunft stellt sich auf den Piloten ein

Die altbekannten Tipps und Tricks rechnen freilich nicht mit unserer Bequemlichkeit. Moderne Autos unterstützen das noch, indem sie von der Lichtautomatik bis zur automatischen Reifendruckkontrolle dem Fahrer immer mehr Arbeit abnehmen. Das Auto der Zukunft wird sich also auf den Piloten einstellen und nicht umgekehrt. Bei BMW zum Beispiel soll die Technik den Fahrstil beurteilen, Manöver des Fahrers vorausahnen und den Energiehaushalt des Autos darauf abstimmen. Die benötigten Daten für den Blick in die Kristallkugel holt sich das Auto zum Beispiel von den Karten des Navigationssystems, der Motorelektronik, den Radaraugen des Abstandstempomaten oder vom Regensenor. Das setzt freilich voraus, dass der Wagen mit allen erdenklichen Extras voll gestopft ist. Systeme die das Fahrzeuggewicht und damit den Verbrauch auch nicht positiv beeinflussen.

Ob mehr teure Technik am Ende mehr Geld im Verbraucherportemonnaie bedeutet, ist für die Premiumhersteller nicht die entscheidende Frage. Denn auch bei weiter steigenden Benzinpreisen liegen die Extra-Ausgaben für schicke Reifen, überdimensionale Felgen und ein elektronisch angesteuertes Sportfahrwerk weit höher als etwaige Einsparpotenziale. Aber nur mit weiterer Spritspartechnik bleiben die Predatoren der Autobahn einigermaßen sozialverträglich. BMW-Ingenieure demonstrieren an einem Versuchsfahrzeug wie sich der PS-Wolf in ein Öko-Schaf verwandeln lässt. Wenn ein Überholmanöver wahrscheinlich wird, werden Stellhebel aktiviert, um den Fahrer zu unterstützen. "So wird das Brennverfahren im Motor vom Magerbetrieb auf ein homogenes Gemisch umgestellt, die Motoröl- und Kühlmitteltemperatur angepasst, der Klimakompressor und Generator kurzfristig abgekoppelt und das Automatikgetriebe auf den bevorstehenden Schaltvorgang vorbereitet", beschreibt ein BMW-Entwickler. So steht für den Überholvorgang die maximale Kraft zur Verfügung. Wenn dagegen die Überholwahrscheinlichkeit niedrig ist - das merkt der Wagen zum Beispiel an der Fahrweise oder wenn das Kameraauge des BMW ein Ortsschild sieht - werden alle Stellhebel auf Sparflamme umgeschaltet. Im besten Fall merkt der Fahrer nichts, wenn er es wünscht, steht der alte Biss zur Verfügung.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.