Weihnachtsurlaub Sicher durch Stau und Schneesturm


Der Urlaub beginnt bereits zu Hause: Wer die Feiertage entspannt im Skiurlaub verbringen will, sollte sich bereits vor der Abfahrt einige Gedanken machen. stern.de verrät, wie man stressfrei und sicher ans Ziel kommt.
Von Axel Busse

Alle Jahre wieder kommt mit dem Weihnachtsfest auch die große Reisewelle. Dieses Jahr ist der Reiz, die Feiertage für einen Ausflug in die Wintersportgebiete zu nutzen, besonders groß, denn der Kalender meint es gut mit den Arbeitnehmern: Das Wochenende vor den Festtagen erlaubt es, mit geringem Einsatz vom Urlaubskonto viel Freizeit zu bekommen. Damit die Ferienfreude nicht im Staufrust versiegt, hier einige Tipps für entspanntes Fahren und sicheres Ankommen.

Hotelreservierung

Dass Millionen Autofahrer stets zugleich Autobahnen und Fernstraßen bevölkern, liegt nicht nur daran, dass alle maximale Freizeitausbeute aus den zur Verfügung stehenden Tagen schöpfen wollen. In den Zielgebieten ist es üblich, die Unterkünfte jeweils von Samstag zu Samstag zu vergeben, so dass sich zum bevorstehenden Zimmerwechsel alles auf den Weg macht. Wer mit Hotel oder Pension andere An- oder Abreisetage aushandeln kann, ist gut beraten und hat einen Stressfaktor von vornherein ausgeschlossen.

Winterfestes Auto

Für eine Reise, die Freude machen soll, ist die Vorbereitung besonders wichtig. Vorausschauende Autofahrer haben schon jetzt ihr Auto winterfest gemacht, spätestens vor Antritt der großen Fahrt sollten aber folgende Punkte abgehakt sein:
1.) Winterreifen montiert und mit den korrekten Luftdruck befüllt
2.) Kühler und Waschanlage auf ausreichenden Frostschutz überprüft
3.) Sämtliche Beleuchtungen auf einwandfreie Funktion getestet
4.) Eiskratzer, Enteiserspray und eventuell Schneeketten gehören in die Bordausrüstung
5.) auch die Wischblätter sollten geprüft und ausgetauscht werden, wenn sie schon vor der Fahrt Schlieren auf der Scheibe hinterlassen
6.) Türgummis und Dichtungen mit Talkum oder einem speziellen Fettstift vor dem Anfrieren zu schützen, kann ebenfalls nützlich sein

Ladung sorgfältig verstauen

Diese Empfehlungen zu beherzigen, schützt außerdem den Geldbeutel. "Wer ohne wintertaugliche Ausrüstung in einen Unfall verwickelt oder durch eine Panne zum Verkehrshindernis wird, muss mit einem Bußgeld rechnen", weist Jürgen Grieving vom ADAC auf die geltende Gesetzeslage hin. Zusätzlich rät er, alles, was nicht für die Reise benötigt wird, aus dem Auto zu entfernen und die Ladung - nicht nur auf dem Dachgepäckträger - sorgfältig zu verstauen. "Unnötiger Ballast kostet Sprit und Skier, die sich selbstständig machen, gefährden andere", so der Experte.

Wettervorhersage

Kurz vor dem Start sollte sich der Fahrer über die zu erwartenden Wetterbedingungen auf der anvisierten Route informieren. Dazu kann die Wettervorhersage im Radio ebenso dienen wie die Prognosen, die von den Automobilclubs und anderen Dienstleistern im Internet angeboten werden. Wer zur Abfahrt ein zugefrorenes Auto vorfindet, muss unbedingt alle Scheiben frei kratzen, denn: "Mit dem berühmten Guckloch in der Windschutzscheibe loszufahren, kann als grobe Fahrlässigkeit ausgelegt werden", so Grieving.

Erholung unterwegs

Da unter winterlichen Bedingungen, bei Schneegestöber oder Dunkelheit das Fahren anstrengender ist als im Sommer, rät der ADAC-Sprecher, häufig genug Pausen einzulegen. "Alle zwei Stunden sollte man die Fahrt unterbrechen." Ebenso wichtig wie die Erholungsphasen ist die richtige Ernährung unterwegs. Das kalte Schnitzel vom Vorabend ist vielleicht herzhaft und lecker, Ernährungsexperten raten aber zu leichterer Kost, Müsliriegel und eine Scheibe Vollkornbrot sind bekömmlicher. Je nach Anzahl der Insassen sollte man auch genügend Getränke einpacken. Für den Fall, dass es ganz dicke kommt und außerplanmäßiger Stillstand auf der Autobahn an den Nerven zehrt, kann eine Thermoskanne heißer Tee die Gemüter beruhigen. Das Eisbein mit Sauerkraut im Gasthof an der Strecke mag eine Gaumenfreude sein, belastet den Körper aber unnötig. Völlegefühl fördert bekanntlich Trägheit und Müdigkeit - schlechte Voraussetzungen für eine sichere Autofahrt.

Stau "aussitzen"

Für alle, die ihre Route und deren Umgebung genau kennen, kann es hilfreich sein, bei Stau die Autobahn zu verlassen. Doch Verkehrsexperte Grieving warnt vor der Suche nach Alternativen um jeden Preis: "Ehe man zeitraubend in fremder Umgebung herumsucht, kann es besser sein, einen Stau auszusitzen. Außerdem sind beschilderte Umfahrungen nicht selten auch überlastet, weil zu viele die Autobahn verlassen haben." Dazu kommt, dass Nebenstrecken bei Eis und Schnee nicht immer so zügig präpariert werden, wie das auf Autobahnen geschieht.

Strom sparen

Mit dem richtigen Verhalten im Stau hat man sich beim Automobilclub von Deutschland (AvD) intensiv beschäftigt. Dessen Sprecher Johannes Hübner hat den Energieaspekt im Blick: "Das wichtigste ist: Strom sparen. Das Gebläse auf niedrige Stufe, heizbare Heckscheibe und sonstige, nicht unbedingt nötige Verbraucher ausschalten." Als Beleuchtung reiche im Stau die Warnblickanlage. Das Päckchen für alle Fälle, so rät der Experte, sollte eine Wolldecke, ein Feuerzeug und eine Taschenlampe beinhalten. "Die kann man immer im Handschuhfach haben." Der Trick des Fachmannes bei Glätte und Anfahrschwierigkeiten: "Mit der Hülle vom Warndreieck lässt sich Streusand aus den Boxen am Straßenrand schöpfen, ohne sich die Hände schmutzig zu machen."

Baustellenbedingte Behinderungen

Die größte Blechlawine wird sich nach den Erfahrungen der Verkehrsbeobachter wegen der hohen Bevölkerungsdichte aus dem Westen der Republik nach Süden in Bewegung setzen. Die A3 von Köln aus in Richtung Frankfurt und weiter nach Basel, Würzburg und München sind bekannte Problemzonen, in denen Reisenden immer wieder viel Geduld abverlangt wird. Auch die A7 und die A61 tauchen regelmäßig in den Staumeldungen auf. Nach jetziger Kenntnis wird auch der Ausbau der A8 zwischen Stuttgart und München bis über Weihnachten andauern, so dass es dort zu baustellenbedingten Behinderungen kommen kann. Dass die Erschließung östlich gelegener Zielgebiete wie Riesengebirge, Niedere und Hohe Tatra oder Karpaten zu einer Entzerrung der Verkehrsströme geführt hätte, kann vom ADAC nicht bestätigt werden. "Die Leute wollen in die Alpen", sagt Grieving.

Streckenreduzierung "ein schwerer Fehler"

Obwohl aus Umwelt- und Sicherheitsgründen durchaus als Alternative anzusehen, dürften Autoreisezüge in diesem Jahr kaum zur Stauentlastung beitragen. Im Winterfahrplan 2007/2008 der deutschen Bahn sind im Vergleich zum Vorjahr vier von neun Verladebahnhöfen gestrichen. Auch die Zahl der Verbindungen wurde von zehn auf fünf reduziert und von den 1200 Zügen des Vorjahres bleiben in diesem Winter nur 920 übrig - ein Rückgang von knapp 25 Prozent. Aus Sicht des ADAC ist die Streckenreduzierung "ein schwerer Fehler".


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