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Winterreifen: Mit beschränkter Haftung

Sommerreifen im Winter? Der Gesetzgeber plant ein Verbot. Der Streit um die Sicherheit war Anlass für einen stern-Reifentest.

Ausrutscher können bald teuer werden. Wer auf winterlichen Straßen mit falschen Reifen unterwegs ist, dem drohen demnächst mindestens 20 Euro Bußgeld. Wer bei Glätte stecken bleibt, durch Schlitterpartien oder Dreher andere behindert, muss sogar 40 Euro zahlen. "Bei Kraftfahrzeugen ist die Ausrüstung an die Wetterverhältnisse anzupassen. Hierzu gehören insbesondere eine geeignete Bereifung und Frostschutzmittel in der Scheibenwaschanlage." So steht es in einem Vorschlag, mit dem Ex-Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe die Straßenverkehrsordnung (StVO) ändern wollte. Fehlt nur noch die Zustimmung des Bundesrates. Die gilt als sicher und steht für den 16. Dezember auf der Tagesordnung.

Tritt sie in Kraft, endet die Schonfrist für Winterreifen-Muffel. Scheint zumindest so. In Wirklichkeit brächte die geplante Vorschrift aber keine Klarheit. "Denn", so der Verkehrsminister, "die Änderung bedeutet keine generelle Winterreifenpflicht." Vorgeschrieben sollen die Reifen nur bei kritischer Wetterlage sein. Doch was heißt das? Nur wenn Schnee und Eis die Fahrbahn bedecken? Oder auch bei feuchter Piste knapp über dem Gefrierpunkt? Oder reicht schon trockene Kälte? Völlig ungeklärt ist auch, welche Reifen als "geeignet" gelten. Darüber steht nichts in der Verordnung. Reichen Ganzjahresreifen, oder muss das Schneekristall-Zeichen als Indikator für Winterreifen an der Seite eingeprägt sein? Denn nur diese Pneus erfüllen die technische Mindestanforderung an Winterqualitäten. Einfache M+S-Reifen nicht.

Rutschgefahr auch ohne Eis und Schnee

Wenn die Temperaturen sinken, so erklärten der Deutsche Verkehrssicherheitsrat und Pneu-Fabrikanten noch im Oktober, werde ein Sommerreifen hart und könne nicht mehr sicher auf Asphalt greifen. Spätestens unterhalb von plus sieben Grad drohe deshalb Rutschgefahr - auch ohne Eis und Schnee. Genau das Gegenteil sei der Fall, behaupten Skeptiker. Die Sieben-Grad-Regel sei nur eine Parole der Reifenhersteller zur gewinnträchtigen Angstmache. Denn selbst bei Kälte oder Nässe biete ein Sommerreifen deutlich kürzere Bremswege als ein Winterreifen.

Der stern wollte es bei einer Stichprobe mit einem VW Golf 1.6 und einem BMW 530i genau wissen. Versuchsgelände war der Flugplatz Dahlemer Binz in der Eifel, an einem kühlen Herbstmorgen, bei Boden- und Lufttemperaturen zwischen 4,0 und 6,3 Grad. Die Wagen wurden abwechselnd mit anonym gekauften Winter- und Sommerreifen bestückt. Der Test sollte klären: Stoppen Autos mit Sommerreifen auf kaltem oder nassem Asphalt knapp über dem Gefrierpunkt bei einer Vollbremsung tatsächlich früher als mit Wintergummis auf derselben Strecke?

Überraschendes Ergebnis

Das Testergebnis fiel ebenso überraschend wie eindeutig aus: Ja. Bis zu 3,30 Meter betrug der Unterschied der Bremswege zugunsten des Sommerreifens. Damit ist die Sieben-Grad-Regel als Marketing-Märchen geplatzt. Reifenhersteller bemühen sich seit kurzem um mehr Ehrlichkeit. Etwa Stefan Küster, Manager der Testabteilung bei Pirelli: "Technisch gibt es keinen einheitlichen Grenzwert, ab dem der Winterreifen besser haftet als der Sommerreifen." Helge Hoffmann, Leiter Test und Technik bei Michelin, bestätigt: "Einen konkreten Grenzwert gibt es definitiv nicht."

Aber einen fließenden "Übergangsbereich", wie Peter Schmidt von Dunlop betont, in dem sich die Hafteigenschaften spürbar verschlechtern. Das hänge von Reifengröße und Bauart ab und könne auch mal zufällig bei sieben Grad geschehen. Für alle Fälle gilt aber die Faustformel: Je schneller ein Sommerreifen laut jeweiligem Geschwindigkeitsindex gefahren werden darf, desto schlechter ist seine Kältetauglichkeit. Bedeutet: Ein dicker Schlitten mit W-Reifen (bis 270 km/h) wird bei entsprechend tiefen Temperaturen früher ins Seitenaus rutschen als ein Kleinwagen mit T-Reifen, die höchstens Tempo 190 laufen dürfen.

Letzte Hilfe Winterreifen

Bei Eis und Schnee jedoch helfen nur noch Winterreifen. Die krallen sich mit ihren beweglichen und scharfen Einschnitten auf der Profiloberseite (Lamellen) fester in den glatten und matschigen Untergrund, als es der beste Sommerreifen kann. Der Bremsweg auf Schnee ist dafür ein eindrucksvoller Beweis. Aus Tempo 50 steht ein Auto bei einer Notbremsung mit guten Winterreifen nach etwa 25 Metern. Mit Sommerreifen erst knapp 20 Meter später. Anders ausgedrückt: Dort, wo das winterbereifte Fahrzeug schon steht, rutscht das gleiche Auto auf Sommerreifen noch mit 35 km/h unkontrollierbar in ein Stauende oder gar gegen Fußgänger.

Auch wenn der Bundesrat wie geplant im Dezember der StVO-Änderung zustimmt, wird sie in dieser Schlittersaison kaum noch verbindlich, weil die neue Bestimmung nicht schnell genug in den Bußgeldkatalog einfließen kann. Sobald jedoch die Verordnung gilt, kann es an Tagen mit eisfreier Fahrbahn zu aberwitzigen Situationen kommen. Gerät dann ein Fahrer, dessen Auto auf Winterreifen umgerüstet ist, in eine Polizeikontrolle, könnte ihm ein übereifriger Ordnungshüter ein Strafmandat verpassen. Denn nach kleinlicher Auslegung der neuen Vorschrift sind Winterreifen wegen ihres längeren Bremsweges auf eisfreiem Asphalt ungeeignet.

Albert Königshausen/Peter Weyer / print

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.