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stern-Reporter testet So sicher fährt Audis selbstfahrendes Auto

"Das ist Jack, eines der ersten selbstfahrenden Autos der Welt und ob die Intelligenz dieser Kisten ausreicht, um uns bis Hannover zu bringen, das wollen wir uns jetzt mal angucken."
Fürs Erste lassen mich die Techniker noch nicht hinters Steuer. Denn es gibt ein paar Dinge zu beachten, wenn man mit einem autonomen Fahrzeug auf der Autobahn unterwegs sein will. Jack gibt selber Gas, lenkt und bremst eigenständig. Und angeblich kann er sogar langsamere Autos überholen. Jetzt muss ich all mein Vertrauen in die Technik aufbringen. Ich sitze hinter dem Steuer, aber Jack soll fahren. Mal sehen, ob er das packt.
"Jetzt ist er bereit, dass ich übergeben kann das Fahrzeug. Jack fordert mich also auf, ihm die Kontrolle zu überlassen. Und indem ich diese beiden Knöpfe hier drücke auf dem Lenkrad tu ich das auch. Und der grüne Streifen zeigt an: Jetzt fährt Jack.
Etwas komisch ist es schon, sein Leben einer Maschine anzuvertrauen. Zum Glück glaube ich an Technik.
"Und ich kann derweil ein bisschen was in der Zeitung lesen. Was auch nicht schlecht ist. Ich könnte hier jetzt zum Beispiel meine Drohnen-Geschichte lesen. In aller Ruhe nochmal Korrekturlesen, was ich letzte Woche geschrieben habe.
Jack ist ein System aus Computern und Sensoren, die in einem Audi A7 stecken, die gemeinsam von Volkswagen und Audi entwickelt wurden und Anfang des Jahres auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas gezeigt gezeigt. Da sorgte er für Aufsehen, weil er über 100 Kilometer auf eigene Faust quer durch die Wüste anreiste. Mit mir fährt Jack erstmals auf einer deutschen Autobahn. So sieht es übrigens aus meiner Perspektive aus.
"Wenn man drüber nachdenkt, dann hat man doch manchmal den Eindruck, man müsste nochmal eingreifen. Aber auch solche Situationen jetzt, wir sind ein bisschen eingeklemmt, wir sind ein bisschen eingeklemmt im Verkehr. Jack bremst stark ab, hinter dem LKW, weil er doch nicht rauszieht. Entscheidet sich jetzt nochmal um. Das Auto hinter uns hat auch gebremst und zieht raus. Perfekt gemeistert die Situation. Viele Fahranfänger würden das nicht so gut hinkriegen."
Jack kann übrigens noch nicht überall komplett automatisch fahren. Bislang funktioniert das System nur auf der Autobahn, wo es keinen Gegenverkehr gibt. Aber da klappt es schon erstaunlich gut. Nur einmal schert knapp vor uns ein LKW ein, da bin ich dann doch ganz kurz nervös.
"Da wäre ich aber schon. Der war aber nah dran."
Meine Testfahrt mit Jack nähert sich ihrem Ende. Auf der Landstraße muss ich das Steuer wieder übernehmen.
"Jetzt ist die Ansage 15 Sekunden. Dann wird es deaktiviert. Ich will jetzt hier gleich rausfahren. Ich trete jetzt auf die Bremse ein bisschen, nehme das Lenkrad. Das Lenkrad kommt mir wieder ein bisschen entgegen. Und ich fahr raus und wir sind wieder in Wolfsburg."
Unsicher habe ich mich mit Jack nie gefühlt. Irgendwann im nächsten Jahrzehnt soll das System serienreif sein und dann auch in normalen Golfs und Polos eingebaut werden, nicht nur in teuren Audis.
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stern-Reporter Jan Boris Wintzenburg vertraut sein Leben "Jack" an - einem selbstfahrenden Auto, das eigenständig Gas gibt, bremst und lenkt. Als erster Journalist auf deutschen Autobahnen.
Von Boris Wintzenburg und Philipp Weber

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