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"FIFA 08": Das Spielsystem entscheidet

Virtueller Generationenkonflikt: Während Xbox-360- und PS3-Spieler mit "FIFA 08" ein ziemlich rundes Fußballpaket bekommen, werden PC-Bolzer mit einer altbackener Grafik abgespeist, die auf der PS2-Engine basiert.

Dass EA vom Start weg nahezu alle Systeme bedient, erweist sich als Fluch und Segen: Wie bereits bei den aktuellen "Tiger Woods"-, "NBA Live"-, "NHL"- und "Madden NFL"-Titeln gibt es auch bei "FIFA 08" eine Zweiklassengesellschaft, zu deren Verlieren klar die PC-User gehören. Ihre Version fußt auf der veralteten Grafik-Engine der PlayStation2 und sieht trotz einiger zusätzlicher Effekte gegen die Next-Gen-Ausgaben für Xbox 360 und PlayStation3 richtig alt aus.

Dort hetzen die überaus detailgetreu nachempfundenen und erstklassig animierten Akteure aus 30 Ligen und 43 Nationalteams fast schon fernsehgleich über den virtuellen Rasen, während im Hintergrund originalgetreue Schlachtengesänge von den Rängen der wunderschönen Fußballtempel schallen. Keine Übertreibung: Wer eine Dolby-Surround-Anlage und ein HD-TV-Gerät sein Eigen nennt, kann echte Stadionatmosphäre spüren - zumal sich das Geschehen auf dem Rasen authentischer denn je präsentiert.

Zugegeben: EA erweist sich immer noch als ziemlich trickverliebt. Mit der linken Schultertaste und dem rechten Analogstick vollführen Ronaldinho, Ribery und Co. all die Kunststückchen, für die sie das Publikum liebt und wahre Fußballer hassen - vom simplen Übersteiger über die Roulette-Drehung bis hin zum Rainbow-Flick. Zeit zum Ausprobieren bleibt jedoch allenfalls auf dem interaktiven Ladebildschirm, während eines Matchs wird dafür zu eng gedeckt. Ohnehin fällt auf: EA nähert sich der "PES"-Spielart an. Kantersiege gibt es so gut wie keine mehr, Schüsse werden von den Goalies spektakulär pariert, und das Kombinationsspiel ist ein flüssiges geworden, wobei man - die F-Jugend lässt grüßen - dem Ball stets entgegengehen sollte. Gefeilt wurde aber auch an der Steilpass- und Flankenfunktion, die nun mehr Kontrolle erlaubt. Und wer will, kann auch den Keeper übernehmen. Zu empfehlen ist das allerdings nur in den seltensten Fällen.

Zu der bereits vorhandenen Fülle an Modi (vom Freundschaftsspiel bis zur Coop-Saison) gesellt sich die neue "Be A Pro"-Variante, in der die Rolle eines einzelnen Rasenakteurs übernommen und beibehalten wird. Je zuverlässiger der seine offensiven und defensiven Aufgaben erfüllt, desto besser werden seine Leistungswerte. Eigentlich eine gute Idee, die trotz Multiplayer-Möglichkeit aber nicht genügend Zündkraft besitzt, um über weite Strecken zu begeistern. Schließlich ist man in vielen Szenen zum Zuschauen verdammt ...

Auf Kurzweil ist die Wii-Version von "FIFA 08" ausgelegt. Sie ist technisch mit der unspektakulären PS2-Fassung nahezu identisch, wartet aber zusätzlich mit dem "Trickii-Party"-Modus auf. Der bietet drei Party-Spiele ("Ball hochhalten", "Tischfußball" und "Wettschießen") mit Ronaldinho als Gastgeber. Die Steuerung wurde ebenfalls den Fähigkeiten von Nintendos Sensoren-Spielerei angepasst, kann aber letztlich nicht vollends überzeugen. Gamepad-Zocker haben einfach mehr Kontrolle über ihre Rasenakteure.

FIFA 08

Hersteller/Vertrieb

EA/EA

Genre

Sport

Plattform

PlayStation2, PC, PSP, PlayStation3, Wii, Xbox 360

Preis

ca. 40 bis 70 Euro

Altersfreigabe

o.A.

Fazit: Konami muss sich in diesem Jahr wohl mehr denn je ins Zeug legen, um EAs "FIFA"-Reihe zu schlagen. Mit allen nötigen Lizenzen und einer - zumindest bei den Next-Gen-Versionen - sensationellen Aufmachung ausgestattet, macht die "08"-er Version richtig Laune. PC- und PS2-Zocker sollten jedoch die Finger von dem Game lassen und auf die "PES"-Konkurrenz warten. Die greift Ende Oktober in den Kampf um die Meisterkrone im virtuellen Fußball ein.

Gerd Hilber/Teleschau / TELESCHAU
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