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"Simon The Sorcerer 4": Auch ohne Zopf schön

Auch wenn "Simon the Sorcerer" bei seinem Comeback ein wenig von seinem bissigen Humor eingebüßt hat, ist seine Rätsel-Odysse durchs Zauberreich einer der ersten Höhenpunkte im noch jungen Adventure-Jahr.

"Taataaa! Da bin ich wieder - Euer wohl bekannter und beliebter Held Simon. Angereist aus fernen Dimensionen, um die Zauberwelt aus den Klauen des Bösen zu befreien. Okay, verstehe, Ihr macht auf kritisches Publikum." Machen wir - aber die Skepsis verfliegt nach dem hässlichen Prolog recht schnell. Denn den Entwicklern von Silver Style ist es unter der Mithilfe der "Simon"-Erfinder Simon und Mike Woodroffe gelungen, eine stimmungsvolle Fortsetzung mit moderner Grafik aus dem Hut zu zaubern, die dennoch den Charme alter Tage einfangen kann.

Zauber der Vergangenheit

Dafür scheint in den vergangenen Jahren im Zauberreich so manches schief gelaufen zu sein. Spätestens, als die hübsche Alix mit Simon Schluss macht, obwohl die beiden eigentlich nie etwas miteinander hatten, dämmert's: Ein Doppelgänger treibt hier wohl sein Unwesen. Schlimmer noch: Der ebenso mysteriöse wie pedantisch-spießige Klon ruinierte Simons Ruf als Revoluzzer. Bis der jedoch entlarvt ist, Simon aus der Unterwelt entkommen und einen weitaus fieseren Finsterling das Handwerk legen kann, vergehen zehn bis 15 schöne Adventure-Stunden - je nachdem, wie oft der Spieler die eingebaute, dreistufige Lösungshilfe in Anspruch nimmt. Aber eigentlich braucht die kein Mensch...

Die zahlreichen Knobeleien sind größtenteils logisch aufgebaut - und trotzdem herrlich schräg. Um etwa an das Skateboard vom rotzfrechen Göre Rot-, pardon, Schwarzkäppchen zu bekommen, muss Simon erst einmal einem versoffenen Wolf, der sich als Opfer der Gesellschaft sieht, die Leviten lesen - und ihm anschließend genügend Selbstbewusstsein und Helium einflößen, damit der seinem Job als Fressmaschine wieder nachgehen kann. Etwas bodenständigere Rätsel: Einen Kompass baut der magische Milchbubi mit Hilfe einer Nadel, eines Korkens, eines Magneten und einer Wasserschüssel nach. Bei der Flucht aus dem Knast tut's auch ein Bettvorleger, der mit Stroh gefüllt wird und ein Glaskolben, dem man ein Tuch umwickelt. Fertig ist die Simon-Puppe zur Ablenkung!

Simon The Sorcerer 4 - Chaos ist das halbe Leben

Hersteller/Vertrieb


Silver Style Entertainment/RTL Enterprises

Genre

Adventure

Plattform

PC

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

o.A.

Jede Menge neue seltsame Charaktere

Neben alten Bekannten wie dem Sumpfling (der immer noch seine widerwärtige Suppe kocht), Zauber-Zombie Calypso, dem depressiven Huhn oder dem Brückentroll, der mit seinen Mautstellen im ganzen Märchenreich expandieren will, trifft Simon auch jede Menge neue seltsame Charaktere (etwa ein Yogi auf der Suche nach einer neuen Schmerzerfahrung), mit denen sich ausgiebigst im Multiple-Choice-Verfahren plaudern lässt. Hier liegt auch eine der wenigen Schwächen des Spiels: So witzig, selbstironisch, zynisch und voller Anspielungen manche Dialoge auch sein mögen, so ellenlang und anstrengend sind sie teilweise auch. Weniger wäre hier vermutlich mehr gewesen ...

Der Humor pendelt dabei zwischen Pisspott-Niveau und frechen Seitenhieben auf die Videogames- und Filmbranche, könnte ingesamt aber noch ein bisschen britischer sein. Auch die Synchronsprecher hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck: Manche Rollen sind äußerst gelungen besetzt, anderen merkt man überdeutlich an, dass ein Erwachsener einem Kind die Stimme leiht.

Dafür gibt's an der buchstäblich märchenhaften 3-D-Grafik und der Bedienung nichts auszusetzen. Letztere ist äußerst komfortabel geraten. Alle Gegenstände, die nicht niet- und nagelfest sind, werden am unteren Bildschirmrand verstaut. Dank einer Übersichtskarte kann flugs zwischen den Locations, später auch zwischen Simon und seinem Doppelgänger gewechselt werden. Und auf Tastentruck zeigt das Spiel alle benutzbaren Objekte auf dem Bildschirm an, was die ewige Suche nach der pixelgroßen Nadel im Heuhaufen ein- für allemal beendet.

Gerd Hilber/Teleschau / TELESCHAU
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