Apple Macworld Expo Chip, Chip, hurra!


Apples Firmenchef Steve Jobs hat die Macworld Expo mit einer Überraschung eingeleitet: Früher als angekündigt enthüllt Apple die ersten Macs mit Intel-Prozessoren - die Fangemeinde feiert.
Von Karsten Lemm

Der Heilsbringer kam mit Knall und Rauch. Es zischte und qualmte, und dann stand er da: Ein Mann, der aussah, als sei er gerade von einer Reise aus der Zukunft gelandet, von Kopf bis Fuß in einen weißen Reinraum-Anzug gehüllt, wie ihn Chip-Ingenieure tragen. Den Anbruch einer neuen Ära sollte das signalisieren, denn der Mann war kein anderer als Intel-Boss Paul Otellini, der ein paar Schritte auf Apple-Chef Steve Jobs zuging, um dann die vielsagenden Worte zu sprechen: "Steve, ich wollte Bericht erstatten, dass Intel bereit ist."

Die Halle bebte

Ein Jubelsturm mit Böen der Stärke zwölf brach da los im Konferenzzentrum in San Francisco, wo Steve Jobs am Dienstag seine traditionelle Auftaktrede zur "Macworld"-Messe hielt, denn alle wussten, was jetzt kommen würde: die Bestätigung, dass Apple an diesem Morgen tatsächlich die ersten Rechner mit Intel-Prozessoren vorstellen würde, so wie es die Gerüchte-Websites im Internet seit Wochen gestreut hatten. "Ich kann dir berichten, dass Apple ebenfalls bereit ist", antwortete Jobs, und das war's dann, der Anfang vom Ende des PowerPC.

Seit 1994 hatte Apple versucht, dem Standard-Prozessor der Computerwelt etwas Eigenes, Besseres entgegenzusetzen - statt Chips der so genannten x86-Norm, gebaut von Intel und AMD, werkelten bisher PowerPCs von IBM und Motorola als Rechenhirne in den Macintosh-Computern. Ursprünglich begründete Apple das mit der überlegenen Geschwindigkeit der PowerPCs, doch mit der Zeit drehte sich das Kräfteverhältnis um: Intel zog davon, und Apple hatte das Nachsehen, bis Steve Jobs beschloss, lieber die Seiten zu wechseln, statt sich abhängen zu lassen. So kündigte er im vorigen Sommer an, Apple werde sich dem Rest der Computerwelt anschließen und künftig ebenfalls Intel-Chips verwenden.

Warum der schnelle Umstieg?

Dass es mit dem Umstieg nun so flink geht, dürfte auch damit zu tun haben, dass der PowerPC dort besonders schwächelt, wo es Apple am meisten schmerzt: bei den Laptops, der am schnellsten wachsenden Produktkategorie. Während Notebooks mit Intel-Chips eine Gigahertz-Hürde nach der anderen übersprangen, traten Apple-Powerbooks mit ihrem alternden G4-Chip auf der Stelle. "Wir haben alles versucht", klagte Jobs, "und jeden gefragt" - Gelächter kam da auf, weil ein Bild des Papstes auf der Leinwand erschien - und doch fand Apple keinen Weg, die Laptops schneller zu machen.

Intels brandneuer "Core Duo"-Prozessor soll nun die Rettung bringen. Er steckt im neuen "MacBook Pro", das im Februar auf den Markt kommen soll, und liefert bei gleichem Energiehunger deutlich mehr Leistung: "Es ist kaum zu glauben", schwärmte Jobs, aber der Intel-Chip sei "vier bis fünfmal schneller als das Powerbook G4". Deshalb hat Apple ihn auch gleich noch in seinen Bestseller eingebaut, den iMac.

Der Preis bleibt heiß

Billiger werden Macintosh-Rechner allerdings auch künftig nicht, Intel-Chips hin oder her: Der iMac kostet wie bisher 1348 Euro für die Version mit 17-Zoll-Flachbildschirm und 1749 Euro für die größere Variante mit 20-Zoll-Display. Das "MacBook Pro" mit 15,4-Zoll-Breitbild-LCD kommt ebenfalls in zwei Varianten auf den Markt, einmal mit 1,67 Gigahertz-Chip für 2100 Euro und zum anderen mit 1,83 Gigahertz-Prozessor für 2600 Euro.

"Intel-Chips sind teuer", sagt Tim Bajarin, Präsident der Unternehmensberatung Creative Strategies. "Der 'Core Duo' ist kein Prozessor für den Massenmarkt, und Intel gibt keinen Rabatt, bloß weil ein Kunde Apple heißt oder Dell." Trotzdem glaubt Bajarin, dass der Umstieg auf Intel für den Nischenhersteller der richtige Schritt ist, denn weltweit liegt Apples Marktanteil noch immer unter fünf Prozent. "Der Wechsel verspricht Apple eine bessere Zukunft", urteilt Bajarin. "Er gibt der Firma die Chance, ihren Marktanteil auszubauen."

Umstieg aufgrund neuer Intel-Prozessoren?

Gerade wenn es darum geht, Windows-Nutzer ins Macintosh-Lager zu locken, könnte der Markenname Intel eine Rolle spielen, glaubt Archibald Horlitz, Geschäftsführer der Handelskette Gravis, die auf Apple spezialisiert ist: "Wir versprechen uns, dass ein Umstieg auf den Macintosh vielen Leuten jetzt leichter fallen wird", sagt er. "So nach dem Motto: 'Das ist ja auch ein Intel-PC.' Man kauft nichts Super-Exotisches." Zumal sich auf den "Macintel"-Rechnern neben Apples eigenem Betriebssystem OS X auch Windows installieren lässt - wer will, kann je nach Bedarf das eine oder andere nutzen.

Im Gegenzug verlangen die Intel-Macs allerdings auch neue Software. OS X hat Apple zwar schon komplett umgestellt, sodass das Betriebssystem sich klaglos mit x86-Prozessoren versteht; die meisten Programme anderer Hersteller allerdings müssen erst noch umgeschrieben werden. Damit die Käufer der ersten Intel-Macs darauf nicht monatelang warten müssen, liefert Apple ein Dolmetscher-Programm namens "Rosetta" mit, das die bisherige PowerPC-Software auf den neuen Rechnern laufen lässt - wenn auch mit Geschwindigkeitseinbußen. Die populäre Bildbearbeitung Photoshop etwa sei dadurch "für Profis, die den ganzen Tag damit arbeiten müssen, zu langsam", gibt Jobs zu. Weniger anspruchsvolle Programme, etwa Microsoft Office, werden von "Rosetta" dagegen nicht so stark ausgebremst. "Wenn man mit den neuen Rechnern arbeitet, spürt man kaum, ob ein Programm eigens für die Intel-Chips geschrieben wurde oder noch für den PowerPC", lobt Tim Bajarin.

iPod bleibt der Umsatzbringer

Und während sich erst zeigen muss, ob die "Macintel"-Rechner ein Hit werden, gibt es da beim iPod keinerlei Zweifel: Angefeuert vom Weihnachtsgeschäft, verkaufte Apple allein in den vergangenen drei Monaten 14 Millionen Musikspieler - dreimal so viele wie noch vor einem Jahr. Das ließ den Umsatz auf 5,7 Milliarden Dollar klettern. "Das ist ein Rekord", jubelt Jobs, und Gravis-Geschäftsführer Horlitz freut sich mit: "Apple hat noch nie so viel richtig gemacht wie in den vergangenen drei Jahren", sagt er. "Es passt alles." 40 Prozent Umsatzwachstum hat ihm das beschert, 2004 genauso wie 2005, und fürs neue Jahr rechnet die Kette, die derzeit 24 Filialen hat, mit einem noch besseren Geschäft. "Wir werden bis zu zwölf neue Shops aufmachen", kündigt Horwitz an. Dass eingefleischte Mac-Fans abspringen könnten, jetzt, da Apple ins Intel-Lager übergelaufen ist, sorgt ihn nicht: "Für die Nutzer ist es doch ganz egal, was unter der Haube läuft", sagt er. Hauptsache, wo Apple draufsteht, ist noch ein Macintosh drin.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker