Cebit-Abschluss Die digitale Revolution kommt - langsam


Weniger Besucher, aber mehr gute Geschäftskontakte - die Cebit-Macher zeigen sich zufrieden. Die Messe zeigte, dass sich High-Tech in alle Lebensbereiche unaufhörlich ausbreitet - und das Deutschland teilweise deutlich hinterher hinkt.

High-Tech in allen Lebenslagen, das digitale Zeitalter hat begonnen. Die Cebit 2006, die am Mittwoch zu Ende ging, hat gezeigt: Der rasante technologische Wandel hat sich noch einmal beschleunigt. In der Welt von morgen gibt es fast keine Bereiche mehr, die nicht hoch technisiert sind. Der Alltag der Menschen wird sich dadurch verändern. Alte und neue Unternehmen kämpfen erbittert um ihren Platz in dieser neuen Ära.

Ob Musik und Filme oder Telefonate - digital lässt sich alles Mögliche in Datenpaketen beliebig versenden oder verarbeiten. Leitungen mit immer höherer Kapazität und neue clevere Geräte liefern die Infrastruktur dazu. Fast nichts ist künftig mehr voneinander zu trennen. Internet, Telefon, E-Mail, Fernsehen, alles wächst zusammen.

Zu den Schwerpunkten der CeBIT 2006 in Hannover, die erneut einen Besucherrückgang verzeichnete, gehörten denn auch "Alleskönner"-Geräte sowie schnelle Breitband-Internetzugänge, neue Handys und MP3-Player, Flachbildfernseher oder dem "Triple play"-Netz, das in einer Leitung Internet, Telefonie und Medieninhalte vereint.

Zauberwort Konvergenz

Die Cebit 2006 hat zudem gezeigt, dass die Trennung von Computerindustrie und Unterhaltungselektronik aufgehoben ist. Das Zauberwort heißt "Konvergenz". "Es wächst zusammen, was zusammengehört", sagte der Vizepräsident des Branchenverbandes Bitkom, Heinz-Paul Bonn.

Die Deutsche Messe AG gar sieht die CeBIT angesichts des Marktwandels vor dem größtem Umbruch ihrer 20-jährigen Geschichte. "Die digitale Revolution schreitet zunehmend voran und geht in alle Lebensbereiche hinein", sagte Messe-Vorstandsmitglied Ernst Raue. "Die Zukunft der Branche liegt neben den Business-Anwendungen im Lifestyle-Bereich."

Zwiespältige Premiere für "digital living"

Die Messe reagierte darauf mit der neuen Sonderschau "digital living", die in einer eigenen Halle und parallel zur Cebit stattfand. Die Schau war als "Erlebniswelt mit Eventcharakter" angekündigt, doch geriet sie eher zu einer Computerspiele-Welt - auch wenn Spiele aus Sicht Raues wichtiger Technologie- und Marktantreiber sind. Das tatsächliche digitale Leben wurde sowieso mitten auf der Cebit vorgestellt, nämlich an den Ständen der großen Elektronik-Konzerne, die fast geschlossen auf der "digital living" fehlten. Im nächsten Jahr soll die "digital living" fester Teilbereich der Cebit sein.

Messe-Vorstand Raue aber betonte zugleich, die Cebit bleibe grundsätzlich eine "Businessmesse". Sonst überlebe sie nicht. Die Firmen gäben nur Geld für ihre Stände aus, wenn Geschäftskunden kämen. Bitkom-Präsidiumsmitglied und Arcor-Vorstandschef Harald Stöber sagte, zwar seien Spiele ein Teil der Cebit. Die Spieler aber wolle die Branche "nicht unbedingt" auf der Messe haben.

Digitale Revolution noch am Anfang

Die digitale Revolution indes steht noch am Anfang. In den meisten Wohnzimmern flimmern noch analoge Röhrenfernseher, der neue HDTV- Standard für ultra-scharfe Bilder wird erst von wenigen Sendern genutzt. Musik wird immer noch vor allem auf CDs gekauft. Bei schnellen Internet-Breitbandzuhängen hinkt Deutschland im internationalen Vergleich weit hinterher. Fachverbände sehen darin eine Gefahr für den Standort Deutschland, wie auch durch einen drohenden IT-Fachkräftemangel.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte auf der CeBIT ein milliardenschweres Programm und einen nationalen "IT-Gipfel" an, um die Innovationskraft Deutschlands zu stärken. Die ITK-Branche mit Zuwachsraten auf vergleichsweise hohem Niveau sei ein "Wachstumsmotor", sagte Merkel. Eine Branche aber, in der aus Sicht von Kritikern in wichtigen Bereichen zu wenig Wettbewerb herrscht und Branchenriesen wie die Deutsche Telekom ihren Platz zäh verteidigen.

Andreas Hoenig/DPA DPA

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