Computerpanne Als der Lufthansa-Rechner nix mehr checkte


Hunderttausend Passagiere mussten per Hand abgefertigt, die Luftfracht auf LKW umgeladen werden - eine Computerpanne im Check-in-System der Lufthansa sorgte für stundenlanges Warten. Nun läuft das System wieder.

Ein Computerproblem bei der Deutschen Lufthansa hat am Donnerstag den Flugverkehr der Fluggesellschaft und mehrere Partner erheblich gestört. Bis zum Nachmittag wurden 33 Flüge gestrichen, andere wurden mit bis zu zwei Stunden Verspätung abgefertigt, wie die Fluggesellschaft mitteilte. Das System laufe seit 12.30 Uhr wieder normal.

Weltweit kam es zu Verspätungen von rund eineinhalb Stunden. Der Grund war ein Totalausfall des Check-In-System der Lufthansa, an das auch mehrere regionale und internationale Partner angeschlossen sind.

Bordkartendrucker und Check-in-Stationen sollten demnach schrittweise wieder in Betrieb genommen werden. Die Verspätungen sollen im Laufe des Tages abgebaut werden. Von den Streichungen waren innereuropäische Flüge betroffen, jedoch keine Langstreckenflüge. Beeinträchtigungen gab es auch bei den Lufthansa-Partnern British Midland, Austrian Airlines und der polnischen LOT.

Hundertausend per Hand eingecheckt

Das Einchecken von mehr als hunderttausend Fluggästen musste weltweit von Hand ausgeführt werden. Lufthansa zeigte sich am Mittag aber weiterhin zuversichtlich, dass der Fehler noch im Laufe des Tages wieder behoben werden könne.

Auf den Flughäfen bildeten sich nicht nur an den Lufthansa-Schaltern lange Schlangen. Auch bei der österreichischen Austrian Airlines, British Midland und der polnischen Lot fiel das Check-In-System aus. Hier blieb es nach Angaben von Sprechern allerdings bei Verspätungen. Die drei Fluggesellschaften sind Mitglieder des von Lufthansa geführten Bündnisses Star Alliance und arbeiten auf der gleichen technischen Basis wie Lufthansa. Ebenso fiel bei den regionalen Flugpartnern der Lufthansa wie Eurowings, Lufthansa City Line, Augsburg Airlines oder der italienischen Air Dolomiti das Check-In-System aus.

Lufthansa Cargo stellte auf LKW um

Die Frachttochter Lufthansa Cargo stellte den Transport innerhalb Europas auf Lkw um. "Von dem Systemausfall bei der Passage sind auch unsere Ladeplanung und die Ladelisten betroffen“, sagte ein Cargo-Sprecher. Dies gelte für die Fracht, die zu den Passagiermaschinen zugeladen werde. Die reinen Frachtmaschinen seien nicht von dem Systemausfall betroffen.

Wie Lufthansa mitteilte, streikte am Morgen das Computersystem von Unisys, mit dem Lufthansa arbeitet, aus zunächst ungeklärter Ursache. "Die Bildschirme an den Check-In-Terminals auf den Flughäfen sind schwarz. Wir müssen die Bordkarten von Hand ausstellen", sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Anfangs hieß es, auch das Buchungssystem sei betroffen, was sich jedoch als falsch herausstellte. Unisys Deutschland lehnte am Mittag einen Kommentar zu der Computerpanne ab.

Eventuell war Update schuld

Am Flughafen Berlin-Tegel wurden Passagiere aufgefordert, sich mangels Reservierungsmöglichkeiten selbst einen Sitzplatz im Flugzeug zu suchen. In München erklärte ein Lufthansa-Mitarbeiter, möglicherweise sei das Aufspielen eines Software-Updates in der Nacht zum Donnerstag an dem Systemausfall schuld.

Die Lufthansa-Aktie weitete nach der Mitteilung ihre Verluste am Vormittag auf drei Prozent aus und notierte bei 9,24 Euro. "Ich halte die Kursreaktion für übertrieben. Die wirtschaftlichen Auswirkungen dürften sehr überschaubar sein", sagte allerdings Jan Herbst, Analyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim.

Reuters/AP AP Reuters

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