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Das neue iPad im Test: Grafikwunder mit Schönheitsfehlern

Darauf haben Apple-Fans gewartet: Das neue iPad steht in den Regalen. Der Ansturm ist riesig. Doch was kann das Apple-Tablet der dritten Generation? Und lohnt sich der Umstieg für Besitzer des iPad 2?

Von Christoph Fröhlich

Auf den ersten Blick ist das neue iPad von seinem Vorgänger kaum zu unterscheiden: 24,1 Zentimeter lang, 18,6 Zentimeter breit, erhältlich in den Farben schwarz und weiß. Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass das neue iPad ein wenig dicker ist, genauer gesagt 0,6 Millimeter. Auch die Kamera auf der Rückseite ist etwas größer als beim iPad 2, der Gewichtsunterschied beträgt je nach Modell 50 bis 60 Gramm im Vergleich zum Vorgänger. Wer auf ein grundsätzliches neues Design gehofft hat, dürfte enttäuscht werden.

Positiver Nebeneffekt: Das meiste Zubehör für das iPad 2 passt auch beim neuen Apple-Tablet, Schutzhüllen wie die beliebten "Smart Cover" oder externe DVB-T-Empfänger funktionieren weiterhin. Doch was hat sich dann verändert?

Bye bye Pixel

Die auffälligste Änderung ist der neue, hochauflösende Retina-Bildschirm. Die Auflösung beträgt 2048 mal 1536 Bildpunkte, mehr als jeder Full-HD-Fernseher darstellt. Es ist das derzeit schärfste Display auf einem Mobilgerät. Zum Vergleich: Die beiden iPad-Vorgänger schafften 1024 x 768 Bildpunkte, also nur ein Viertel der neuen Auflösung. 3,1 Millionen Pixel werden auf dem 9,7-Zoll-Bildschirm (24,6 Zentimeter) untergebracht. Die Schrift im Browser und in E-Books erscheint gestochen scharf, hochauflösende Fotos zeigen jedes Detail. Obwohl das Display des Vorgängers schon gut war, ist das neue iPad noch beeindruckender.

Ein großes Aber: Die meisten Apps sind noch nicht für die hohe Auflösung optimiert und werden lediglich hochskaliert. So wirken beispielsweise die Grafiken des Disney-Spiels "Where's My Water" teilweise sehr pixelig und unscharf und schmälern ein wenig das Spielvergnügen. Neben den Apple-eigenen Programmen wie der Textverarbeitung Pages oder der Fotobearbeitungssoftware iPhoto gibt es bislang nur wenige Apps externer Entwickler, die die neue Auflösung auch unterstützen, beispielsweise das Rennspiel "Real Racing 2 HD" oder die iPad-Ausgabe der "New York Times". Eine Liste der derzeit verfügbaren Apps finden Sie hier. In den kommenden Wochen werden allerdings auch andere Hersteller nachrüsten.

Die speziell für das Retina-Display angepassten Apps sehen schön aus, benötigen aber häufig auch mehr Speicherplatz als früher: Das Word-Pendant Pages belegte zuvor 95 Megabyte Speicherplatz, jetzt ist es mehr als doppelt soviel (269 Megabyte). Doch nur die wenigsten Apps verzeichnen derart große Sprünge.

Allerdings sollte der steigende Datenhunger bei der Kaufentscheidung berücksichtigt werden: Wer viele Apps nutzt, Musik hört und vielleicht auch noch den einen oder anderen HD-Film anschauen möchte, dürfte mit der kleinsten 16-Gigabyte-Version schnell an Grenzen stoßen. Auf unserem Testgerät befinden sich nur 1,5 Gigabyte Musik und rund 50 Apps, die größte ist "Fifa 12 HD" mit 1,4 Gigabyte, zwei Drittel der Anwendungen verbrauchen weniger als 50 Megabyte. In der Gesamtmenge sind fast 12 Gigabyte belegt - das 16-Gigabyte-Tablet würde jetzt schon ächzen.

Mächtig was unter der Haube

So ein scharfes Display benötigt auch jede Menge Rechenpower. Die liefert der neue A5X-Prozessor mit einem Vierkern-Grafikchip. Während im Normalbetrieb nicht viel von dem neuen Rechenknecht zu spüren ist - denn das iPad 2 war bereits sehr schnell -, zeigt er vor allem bei Spielen und Full-HD-Filmen seine Stärke. Das von uns getestete Rennspiel "Real Racing 2 HD", das speziell für das neue Retina-Display optimiert wurde, lief ohne Ruckler und war grafisch auf Xbox-Niveau.

Wie Spiele in Zukunft aussehen können, war bereits auf der Apple-Präsentation vergangene Woche zu sehen: Das Rollenspiel "Infinity Blade Dungeons" überzeugte mit einer für Tablet-Verhältnisse bombastischen Grafik. Einige Experten sehen im iPad bereits die Spielekonsole der Zukunft. Ob diese Prognose stimmt, wird sich zeigen.

Überarbeitet wurde auch die Kamera an der Rückseite: Wie bereits erwähnt, ist sie rund einen Millimeter größer als beim iPad 2, was auf das neue Linsensystem zurückzuführen ist, dass bereits beim iPhone 4S verwendet wird. Die Bildauflösung beträgt fünf Megapixel, Videoaufnahmen sind in Full-HD (1080p) möglich, eine Gesichtserkennung ist ebenfalls mit an Bord. Im Gegensatz zum Smartphone gibt es aber keinen Blitz. Die Kamera auf der Vorderseite, die hauptsächlich für Videochats verwendet wird, wurde nicht überarbeitet und bietet eine magere VGA-Auflösung von 640 x 480 Bildpunkten.

Bei schlechten Lichtverhältnissen wird das Bild sehr körnig und unscharf. Trotz der Verbesserungen fühlt sich das Fotografieren mit dem iPad immer noch sperrig an, da das Gerät wesentlich größer ist als herkömmliche Digitalkameras oder Handys. Allerdings ist die Kamera auch eher eine nette Beigabe und nicht der Sinn und Zweck eines Tablets. Für einen Schnappschuss im Urlaub reicht es aber allemal.

Volle Bandbreite voraus - nur nicht in Deutschland

Das neue iPad unterstützt auch den ultraschnellen Funkstandard LTE ("Long Term Evolution") - leider nur in den USA und Kanada. Obwohl das Highspeed-Netz teilweise auch hierzulande unterstützt wird, müssen sich Nutzer mit geringeren Datenraten zufriedengeben. Der Grund: Das von Apple verbaute LTE-Modul unterstützt nur Frequenzen von 700 und 2100 Megahertz, nicht die hierzulande üblichen 800, 1800 und 2600 Megahertz. Auf der Apple-Homepage heißt es dazu, kaum sichtbar am Ende der Infoseite: "4G LTE wird nur in den Netzen von AT&T und Verizon in den USA und in den Netzen von Bell, Rogers und Telus in Kanada unterstützt."

In Ländern ohne kompatible LTE-Netze greift das iPad auf Doppelkanal-HSPA+ zurück, das ebenfalls sehr schnelle Datenraten liefert. Beide Funkstandards konnten wir allerdings nicht testen, da die verwendeten SIM-Karten auf maximal 7,2 Megabit pro Sekunde gedrosselt sind und somit gleich schnell sind wie bei anderen Geräten. Im Wlan funktionierte das neue iPad allerdings ohne merkliche Verzögerungen.

Besser über Nacht laden

Mehr Grafikpower, ein LTE-Modul, ein hochauflösendes Display - das alles zieht mächtig Strom. Um die Nutzungsdauer nicht massiv einzuschränken, musste Apple den Akku deutlich überarbeiten. Mit Erfolg: Statt 25 fasst die neue Batterie 42,5 Wattstunden, ein Plus von 70 Prozent. Der Akku übertrifft sogar noch die Kapazität des Macbook Air mit 11-Zoll-Bildschirmdiagonale (25 Wattstunden).

Trotz der besseren Leistung geht dem Tablet nicht so schnell die Puste aus: Je nach aktivierten Einstellungen sind zwischen sieben und zehn Stunden Filmgenuss drin. Allerdings macht sich die größere Akkukapazität auch negativ bemerkbar: Das Aufladen dauert jetzt länger als vorher, am besten sollte das Gerät also über Nacht geladen werden.

Fazit:

Wer noch kein Tablet hat, kann beim neuen iPad bedenkenlos zuschlagen. Da sowohl Apps, Filme und Serien immer hochauflösender werden, sollte man über den Kauf eines 32- oder 64-Gigabyte-Modells nachdenken. Der neue Retina-Bildschirm ist beeindruckend, Fotos und Spiele wirken sehr scharf. In Zukunft werden auch mehr Apps an die neue Auflösung angepasst sein. Besitzer eines iPad 2 müssen aber nicht unbedingt umsteigen, da auch dieses Modell bereits sehr gut funktioniert. Um nicht doch noch in Versuchung zu geraten, sollte man das Retina-Display aber lieber nicht ausprobieren und die dritte Generation links liegen lassen.

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