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Intellektuellen-Streit: Wie böse ist PowerPoint?

US-Intellektuelle haben ein neues Streitthema: Microsofts Präsentationssoftware "PowerPoint." Die einen sehen sie als ein Werkzeug für Kunst, die anderen halten das Programm für eine Ausgeburt des Bösen.

Der Komponist und Talking-Heads-Sänger David Byrne hat in den USA eine Debatte über den Wert oder Unwert von PowerPoint ausgelöst. Eigentlich wollte sich der engagierte Künstler über die bei Vortragsveranstaltungen aller Art omnipräsente Präsentationssoftware von Microsoft lustig machen. Dann aber entdeckte er PowerPoint als künstlerische Ausdrucksform. Das Ergebnis seiner Experimente hat er im September als Buch mit DVD festgehalten: "Envisioning Emotional Epistemological Information".

Darin demonstriert Byrne, wie die PowerPoint-Slides mit ihren Pfeilen und Hervorhebungen die Kommunikation verändern. "Das Geniale daran besteht darin, dass es von jedem Dummkopf bedient werden kann. Ich habe es in ein paar Stunden gelernt." Die Startauflage von 1.500 Stück des für 80 Dollar verkauften Büchleins war schon Mitte Dezember ausverkauft.

Stich ins Wespennest

Der 51-jährige Byrne versichert, dass seine Sammlung keineswegs einen "ernsthaften Beitrag über irgendetwas" darstellen soll. Aber mit der Thematisierung von PowerPoint stieß der als Rockstar für Intellektuelle geltende Sänger in ein Wespennest.

So gehört es bei kritischen Geistern fast zum guten Ton, PowerPoint nicht zu mögen. Internet-Pionier Vint Cerf hat die Lacher auf seiner Seite, wenn er bei Vorträgen spottet: "Die Macht (Power) korrumpiert und PowerPoint korrumpiert absolut." Bei einem Verzicht auf die Slides sei das Vortragspublikum gezwungen, dem Referenten aufmerksam zuzuhören anstatt sich von bunten Bildern ablenken zu lassen.

"PowerPoint ist böse"

Einer der heftigsten PowerPoint-Hasser ist Edward Tufte, der als Professor an der Universität Yale mehrere Bücher über Grafikdesign geschrieben hat. Er findet, dass bei PowerPoint die Form zu Lasten des Inhalts geht. „PowerPoint ist böse“, lautete denn auch der Titel eines Editorials, den Tufte im September im Magazin "Wired" veröffentlicht hat. Darin verglich er PowerPoint-Präsentationen mit Aufführungen von Schultheatergruppen: "sehr laut, sehr langsam und sehr schlicht".

"Als ob man AK-47 auf den Tisch lege"

Auch Google-Manager Peter Norvig, Autor einer der ersten PowerPoint-Parodien, will Byrne in seiner Begeisterung nicht folgen. Die Frage laute letztlich, "ob uns PowerPoint dumm macht oder ob es uns hilft, unsere Gedanken zu ordnen". Zwar entscheide immer der Mensch und nicht eine Software über die Qualität einer öffentlichen Veranstaltung. "Aber wenn man PowerPoint verwendet, ist das so, als ob man ein geladenes AK-47-Gewehr auf dem Tisch liegen hat: Man kann sehr böse Dinge damit anrichten."

Microsoft hält sich aus dem Kulturstreit heraus. Firmensprecher Simon Marks bekräftigt nur, PowerPoint solle es den Kunden einfacher machen, "ihre Informationen in dem Stil zu präsentieren, der am besten zum Inhalt wie zum Publikum passt".

Rachel Konrad, AP / AP / DPA
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