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Scheibes Kolumne: Liebe Kinder am PC, ...

Die Kinder von stern.de-Kolumnist Scheibe brauchen ihr kleines Notebook für die Schule. Der Einsatz der Rechner sorgt aber nicht nur für den schnellen Wikipedia-Zugriff, sondern öffnet auch die Büchse der Pandora. Da ist es an der Zeit, einen Brief zu schreiben.

Liebe Kinder,

ihr habt nun ein eigenes kleines Notebook. Das braucht ihr auch. Viele Hausaufgaben bereits in der Grundschule machen es nötig, im Internet nach Wissensbrocken zu suchen. Ich habe euch gezeigt, wie man die Wikipedia bedient und auf verschiedenen Kinder-Suchseiten nach passenden Texten fahndet. Auf dem Gymnasium ist der Rechner sogar Pflicht. Online könnt ihr den Vertretungsplan einsehen und wisst dann ganz genau, welche Stunden ausfallen oder vertreten werden, falls ein Lehrer krank geworden ist.

Trotz aller Vorteile - etwa PC-Spielen, Musik downloaden, Texte schreiben - gibt es am PC auch viele Nachteile. Kommen wir zunächst zu den E-Mails. Klar macht es Spaß, den Freunden lustige Mails mit möglichst vielen Smileys zu senden. Aber ihr werdet auch viele Nachrichten bekommen, die ihr nicht auf Anhieb verstehen werdet. Zunächst einmal: Freut euch nicht zu früh, wenn ihr per Mail auf einmal zu Millionären gemacht werdet. Man kann wirklich nicht Millionen im Lotto gewinnen, wenn man überhaupt gar keinen Tippschein abgegeben hat. Das ist auch in Spanien oder in Alaska nicht anders - auch wenn das in der Mail steht, die ihr bekommen habt. So sehr es auch weh tut: Löscht diese Mails ganz einfach, wenn sie dummerweise einmal den Spam-Filter passieren, den ich euch eingerichtet habe.

Ihr wisst ja, dass die Bank euch kostenlos ein Girokonto eingerichtet hat. Da ist ja nur ein bisschen Taschengeld von Oma drauf. Trotzdem: Bekommt ihr eine Mail von der Bank und sollt eure Bankverbindung und euer Online-Passwort bestätigen, so zeigt dieser Mail den Stinkefinger und löscht sie. Die Banken verschicken solche Mails nicht. Das sind böse Buben mit Bärten und fettigen Haaren, die irgendwo in einem fernen Land in einer staubigen Kneipe sitzen, in Sandalen Bier schlürfen und ab und zu einer Kellnerin in den Hintern zwicken. DENEN verratet ihr eure Bankgeheimnisse. Die kommen dann und heben heimlich euer Geld ab. Wahrscheinlich können sie sich dann noch mehr Bier kaufen.

Nur mit echten Freunden chatten

Ich hab' mitbekommen, dass ihr diese Online-Communities wie SchülerVZ etc. ganz toll findet. Ich weiß, da kann man nur mit seinen echten Freunden chatten. Aber: Das Internet ist gefährlich. Da sind viele alte Männer unterwegs, die wollen kleine Kinder betatschen, sie in den Keller sperren oder vielleicht sogar umbringen. Die tun ganz freundlich und oft so, als ob sie selbst noch Kinder sind. Aus diesem Grund gibt es bei uns im Haus eine wichtige Regel: Ihr gebt NIEMALS eure Adresse, eure E-Mail-Adresse oder eure Telefonnummer im Internet an. Wenn, dann machen wir Eltern das für euch. So wissen die bösen Leute nicht, wo ihr wohnt. Das ist wichtig - für eure Sicherheit.

Es ist auch wichtig für unsere Finanzen. Ihr downloadet ja ganz gern einmal PC-Programme, sucht nach Tierbildern oder schaut auf einem Hausaufgaben-Server nach. Hier gibt es viele Betrüger, die fälschen so eine Seite. Diese Web-Seiten sehen ungeheuer chic und professionell aus. Bevor sie sich allerdings nutzen lassen, muss man sich erst anmelden. Eine reine Formsache. Dazu sollt ihr eure Adresse und eure E-Mail-Adresse angeben. Das Kleingedruckte liest aber niemand. Und schwupps habt ihr "unterschrieben", dass ihr 90 Euro im Jahr ausgebt, um einem ominösen Abodienst beizutreten. Das ist fast euer ganzes Taschengeld fürs Jahr. Und "nebenan" gibt es das auch umsonst. Also: Niemals eure Adresse eingeben!

Peinliches Thema

Kommen wir zu einem für euch sehr peinlichen Thema. Sex. So gut der Jugendschutz in Deutschland auch ist. In Amerika und in vielen anderen Ländern lassen sich Sexseiten ohne Probleme in den Browser laden. Ich hab zwar auch dafür eine Kindersicherung auf eurem Notebook installiert. Aber die kann auch nicht alles wegfiltern. Sicherlich haben wir euch aufgeklärt, die Schule hat euch aufgeklärt, die "Bravo" hat euch aufgeklärt. Im Internet bekommt ihr aber Sachen zu sehen, auf die hat euch niemand vorbereitet. Mein Rat ist: Schaut schnell weg, denn der halbe Spaß am Größerwerden ist es doch, die ganze Sache mit dem Sex selbst zu entdecken. Und da ist es spannender, wenn es noch Geheimnisse gibt und man nicht alles weiß oder schon unter der Lupe gesehen hat. Falls ihr auf dem Schulhof drüber sprecht: Es muss euch nicht peinlich sein, wenn ihr nicht wisst, was ein Gangbang, ein Bukkake-Fest oder eine Shemale sind. Und es ist auch nicht normal, wenn beim Sex ein Esel anwesend ist. Lasst euch nix anderes erzählen.

So, das war's fürs erste. Ich muss euch jetzt noch zeigen, wie ihr eure Fotos in den Rechner holt, eure Texte auf einen USB-Stick sichert und überflüssige Programme löscht. Dann seid ihr sicherlich so weit, am Notebook richtig durchzustarten. Viel Spaß dabei.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania