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Koei-Chef Kenji Matsubara: "Microsoft missachtet Bedürfnisse japanischer Spieler"

Das japanische Unternehmen Koei ist bekannt für seine "Dynasty Warriors"-Computerspielserie - vor allem in Japan. Das soll sich in Kürze ändern, wie Koei-Chef Kenji Matsubara im stern.de-Interview verrät.

Herr Matsubara, was unterscheidet Koei von renommierten japanischen Spieleherstellern wie Sega, Bandai oder Konami?

Die meisten anderen japanischen Unternehmen sind sehr stark im Spielhallensegment engagiert. Die Wurzel vieler Hersteller liegt hier. Koei ist dagegen ein reiner Videospielhersteller - und das seit fast 30 Jahren. Inhaltlich unterscheidet uns die Thematik der Games von der Konkurrenz. Wir legen großen Wert auf den geschichtlichen Aspekt in unseren Spieleserien. Auf die japanische Geschichte wie in der "Dynasty Warriors"-Reihe. Aber auch auf die europäische Vergangenheit, die wir nun erstmals in unserer Firmenhistorie mit dem Videospiel "Bladestorm: The Hundred Years' War" thematisieren.

Warum gerade Europa? Eine neue strategische Ausrichtung ihres Unternehmens?

Europa ist ein extrem wichtiger Markt für uns. Hier generiert die gesamte Industrie mittlerweile ein Drittel ihrer Umsätze - Tendenz steigend. Unser Entwicklerstudio in Kanada arbeitet gerade an neuen Spielkonzepten für den westlichen Markt. Wir haben zudem Büros in London und Paris eröffnet und möchten kurz- bis mittelfristig auch in Deutschland aktiver werden. Schließlich ist das ein sehr großer Markt für Strategiespiele. Eine weitere Erweiterung unserer Geschäftsfelder werden PC-Spiele sein, die wir speziell für den asiatischen Raum entwickeln. Aktuell arbeiten wir an drei neuen Online-Titeln, unter anderem an "Dynasty Warriors Online".

Die Ausrichtung auf Europa steht in direktem Zusammenhang mit der schwachen Marktsituation in Japan, oder?

So schlecht sieht es derzeit nicht aus in Japan. Vor allem Nintendo feiert mit seinen beiden Konsolen Wii und DS riesige Erfolge. Es gibt Wochen, da sind in den Top 30 der bestverkauften Games keine Spiele für andere Konsolen zu finden. Aber auch die Playstation 2 funktioniert noch sehr gut. Problematisch stellt sich die Situation derzeit dagegen für die Xbox 360 und die Playstation 3 dar. Aber Sonys Konsole wird nach einer in Kürze zu erwartenden Preissenkung wieder ganz oben mitspielen und den Markt in Japan beleben. Dessen bin ich mir sicher.

Warum kommt die Playstation 3 so schleppend aus den Startlöchern?

Die PS3 ist momentan schon sehr teuer im direkten Vergleich zur Wii-Konsole von Nintendo. Der Spieler ist einfach nicht bereit, so viel für eine Konsole auszugeben.

Die Kosten sind nicht nur für den Nutzer hoch, auch für Entwickler sollen sie mit der neuen, komplexen Technologie extrem gestiegen sein. Ist das richtig?

Ja, das ist richtig. Aber war das nicht bei jedem Generationswechsel so? Die Kosten steigen zunächst etwas an. Sobald man aber die neue Technik der Plattform im Griff hat, macht das unter dem Strich nicht mehr viel aus. Ich sehe darin kein Problem.

Und was macht Microsoft falsch?

Die Charakteristik eines Spielers ist von Region zu Region sehr unterschiedlich. Microsoft scheint nicht auf die konkreten Bedürfnisse japanischer Spieler einzugehen. Man bietet vereinfacht gesagt die falschen Spiele an. Was allerdings andererseits sehr gut funktioniert ist das Online-System Xbox Live. Hierin sehe ich ganz große Chancen für Microsoft.

Warum?

Ein wesentlicher Bestandteil der Videospielzukunft liegt im vernetzten Spielen und in der Online-Kommunikation. Hier hat Microsoft bereits viele Erfahrungen sammeln können.

Sie sind Chef eines global operierenden Unternehmens mit 790 Mitarbeitern. Bleibt Ihnen überhaupt noch Zeit dafür, sich mit Ihren "Produkten" auseinanderzusetzen?

Ja, klar kenne ich unsere Spiele. Das ist in meinen Augen auch extrem wichtig. Ich bin ein leidenschaftlicher Spieler, der jeden Tag zockt. Ich gehe häufig rüber zu unseren Entwicklern und schaue mir die gerade in der Entwicklung befindlichen Games an.

Aber Sie spielen nicht nur Koei-Titel, oder?

Nein, natürlich nicht. Ich habe schon während der Schulzeit damit begonnen. Auslöser war damals das Spielhallenspiel "Space Invaders". Heute spiele ich am liebsten Nintendo DS-Games. Aktuell ist "Phoenix Wright" meine erste Wahl.

Also haben Sie ihr Hobby zum Beruf gemacht. War das schon immer ihr Traum?

Es war immer mein Traum an der Entwicklung von irgendetwas zu arbeiten. Aber es muss nicht unbedingt etwas mit Spielen zu tun haben. Zuvor habe ich als Computer-Ingenieur gearbeitet und war da auch an der Entwicklung einzelner Bauteile beteiligt.

Interview: Udo Lewalter