scheibe Shareware braucht keine PR!?


So ein Shareware-Experte, der hat wirklich einen harten Stand. Aus mehreren tausend Neuheiten pro Monat muss der Fachjournalist die wenigen Programme ausfiltern, die eine Besprechung wert sind. »/ANRISS«

So ein Shareware-Experte, der hat wirklich einen harten Stand. Aus mehreren tausend Neuheiten pro Monat muss der Fachjournalist die wenigen Programme ausfiltern, die eine Besprechung wert sind. Etwa für den Shareware-Überblick bei stern.de. Doch welche Programme sind gut, welche kann man getrost ignorieren? Die Programmierer unternehmen leider überhaupt gar nichts, um die Journalisten bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

Eine Sache ist doch ganz klar: Eine Shareware verkauft sich nur dann, wenn die Anwender wissen, dass sie überhaupt existiert. Jeden einzelnen Tag werden aber mehrere hundert Neuerscheinungen und Updates im Shareware-Bereich veröffentlicht. Da sich die Anwender daheim wohl kaum alle Programme anschauen, die in den großen Shareware-Depots mit einer ultrakurzen Beschreibung abgefeiert werden, sind sie auf zusätzliche Informationen angewiesen. Deswegen sind ausführliche Besprechungen der Programme in den Printund Online-Medien so wichtig: Sie lenken das Interesse der Kundschaft auf ganz bestimmte Anwendungen.

Man sollte meinen, dass die Herren und Damen Programmierer sich inzwischen zu PR-Experten gemausert haben, die alle wichtigen Medien und Journalisten automatisch mit Pressemitteilungen versorgen. Weit gefehlt. Unsere Redaktion fischt derzeit eigenverantwortlich etwa 50 bis 100 ausgesuchte Programme aus dem Internet. Würden wir nicht aktiv auf die Suche nach neuer Shareware gehen, hätten wir nichts mehr parat, was wir vorstellen könnten. Im Schnitt erreichen uns nämlich nur drei, vier Briefe in der Woche, die eine neue Shareware auf CD-ROM oder Diskette zusammen mit einem Anschreiben enthalten. Und was sind das für Briefe? Handschriftliche Notizen bestenfalls mit einer Bitte um Aufnahme der Programme in unseren Verteiler und einer unbeschrifteten Diskette im Gepäck. Das ist kein Witz: Die unbeschriftete Diskette mit dem Drei-Zeilen-Anschreiben ist selbst nach Jahren der Kritik noch immer durchaus üblich, und zwingt uns Redakteure, viel zu viel Zeit in das Ausprobieren einer uns völlig unbekannten Shareware zu investieren, weil wir erst einmal herausfinden müssen, wozu das Programm überhaupt dient.

Viel zu selten sind hingegen die Fälle, in denen wir eine ordentliche A-4-Präsentationsmappe erhalten, die neben einem Anschreiben auch eine Funktionsübersicht der Shareware, eine Seite mit Screenshots sowie eine unterschriebene Vertriebsgenehmigung enthält. Und natürlich die Shareware selbst. Da haben wir sofort alle Informationen auf einen Blick und können unserer Aufgabe viel gezielter angehen. Aber es muss ja gar nicht alles per Post abgewickelt werden, das kostet ja auch Geld. Eine simple E-Mail an typemania@compuserve.com würde in unserem Fall bereits genügen. »Du, wir haben eine neue Shareware, die heißt so und so, macht das und das, ist in folgender Weise eingeschränkt, kostet X Mark und kann unter dieser Adresse bestellt werden. Screenshot und Testversion findest du im Internet unter der URL X«. Schon wüssten wir, ob uns die Shareware interessiert oder nicht. Im positiven Fall fischen wir sie aus dem Netz und haben trotzdem alle Informationen gleich parat. Sogar Updates könnten auf diese Weise leicht gemeldet werden. Ein Blick ins E-Mail-Postfach zeigt: Fehlanzeige. Vier, fünf Autoren beliefern uns auf diese Weise mit Meldungen über Updates und Neuheiten. Und landen deswegen prompt immer wieder neu in den Medien.

Warum die Shareware-Autoren so rein gar kein Händchen für gute Public Relation haben? Nun, nicht jeder, der programmieren kann, ist zugleich auch zum Medienexperten berufen. Aber versuchen könnte man es ja doch einmal. Es lohnt sich.

Carsten Scheibe

Typemania@compuserve.com


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