Scheibes Kolumne Der neue Rechner staubt ein!


stern.de-Kolumnist Scheibe hat einen neuen Computer. Aber kann er ihn auch einsetzen? Unerwartete Probleme sorgen dafür, dass die neue Hardware erst einmal ungenutzt im Regal stehen bleiben muss. Ein Jammer!

Beharrlichkeit zahlt sich aus. Das sollte vor allem der Computer-Hersteller Dell wissen. Seit Jahren bekomme ich etwa einmal in der Woche einen neuen Newsletter per Mail zugeschickt, der mir mitteilt, dass ich JETZT einen neuen Rechner kaufen soll. Nun, vor knapp vier Wochen habe ich den Newsletter einmal nicht gelöscht, sondern stattdessen einem Neukauf bei kostenloser Speicherverdopplung und Gratis-Versand zugestimmt. Mensch, was es heute schon wieder alles Neues gibt. Zwei Prozessoren an Bord, riesige Festplatte, saugeile Grafikkarte und dazu noch jede Menge Schnickschnack wie einen Kartenleser im Gehäuse. Konstant bleibt nur der Preis. Alle zwei Jahre bezahle ich für meine PCs in etwa das gleiche, obwohl sich das Innere wieder einmal von einem VW Käfer zum Ferrari gemausert hat.

Lange Wartezeit

Überraschend lange musste ich dieses Mal warten, bis die fleißigen Bienchen bei Dell mein neues Baby zusammengeschraubt haben. Irgendwann stand es dann aber doch in meinem Büro, um möglichst schnell seinen Platz in der Maschinerie des Wahnsinns einzunehmen. Doch, oh großes Pech, für die Inbetriebnahme war erst einmal keine Zeit vorhanden. Um einen neuen PC in Betrieb zu nehmen, müssen zwei Dinge passieren. Zunächst müssen alle wichtigen Dateien und Programme vom alten Rechner auf eine externe Festplatte gesichert werden. Anschließend ist es notwendig, den neuen Rechner einzurichten. Die Festplatte muss sinnvoll partitioniert werden, anschließend gilt es, Programme wie das Microsoft Office zu installieren. Dann erst lassen sich die Daten übernehmen.

Ich schätze, dass es einen ganzen Tag dauert, bis diese Einrichtung endlich über die Bühne gegangen ist. Damit an diesem Tag dann auch gleich alles einsatzbereit ist, überprüfe ich noch rasch die Anschlüsse des Gerätes. Und siehe da, einen regulären Mausanschluss gibt es gar nicht mehr. Nur noch USB. Und aus meiner neuen Grafikkarte schauen hinten zwei DCI-Digitalanschlüsse heraus. VGA ist bereits out in der modernen Zeit der Computer. Das ist gut, weil ich ja wieder zwei Bildschirme an die Karte anschließen möchte. Und das ist schlecht, weil nur mein einer Bildschirm DCI unterstützt. Der andere hat nur einen VGA-Eingang. Also bestelle ich rasch im Internet einen VGA-zu-DCI-Adapter für ein paar Euro. Der ist dann auch prompt zwei Tage später da. Allerdings ist er genau "verkehrt" herum. Statt "Pieker" hat er "Löcher", wie die Ausgänge der Grafikkarte auch. Mist. Vielleicht hätte ich aber auch einfach vorher in das Zubehör des Dell-Rechners schauen sollen. Da ist der benötigte Adapter nämlich schon von Hause aus dabei.

Es geht voran

In den Weihnachtsferien ist dann endlich die Zeit da, um den Rechner aufzubauen und "frisch" zu machen. Alles gelingt wie am Schnürchen. Alle Geräte passen bestens zusammen. Ich schließe den Drucker an, die PDAs und die digitale Kamera, installiere die Treiber und übernehme parallel dazu die gesicherten Dateien von der externen Festplatte. Am Ende geht es dann nur noch um das Internet. Wir verwenden im Büro eine uralte drahtlose Hard- und Software von Siemens. Das ist kein Wlan, sondern irgendetwas anderes, das in der Nähe von Stahlbetondecken für mehr Reichweite sorgen soll. Bislang hat alles bestens funktioniert, auch wenn der Standard nicht besonders kompatibel ist und anscheinend auch nicht mehr länger weiterentwickelt wird.

Also schließe ich das kleine Data-Modul via USB an den neuen Rechner an. Es soll mit blinkendem grünen Lämpchen die Daten an die Basisstation funken und sie dann von hier aus ins Internet weitergeben. Ich packe die CD mit der Software ins Laufwerk und möchte gerade mit der Installation beginnen, als mir eine Desktop-Meldung verrät, dass die Siemens-Software nicht kompatibel mit meinem Dual-Core-Prozessor ist. Nix geht mehr. So ein Mist. Soll die Inbetriebnahme meines neuen Rechners am nicht vorhandenen Internet scheitern? Das brauche ich natürlich permanent zum Arbeiten. Ich suche auf der Siemens-Homepage nach einem neuen Software-Update, aber das gibt es natürlich nicht. Entnervt geben ich auf und kehre zu meinem alten Rechner zurück.

Im neuen Jahr, so schwöre ich mir, fliegt der Siemens-Krempel raus und ich richte ein richtiges W-LAN ein. Und dann kann ich vielleicht endlich an meinem neuen Rechner arbeiten, bevor die ganze Technik schon wieder veraltert ist.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania


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