HOME

Scheibes Kolumne: Frontalaufprall mit der Hotline

stern.de-Mitarbeiter Scheibe verdurstet in der Service-Wüste Deutschland. Kumpel Thomas kann ihm leider kein Wasser nachschenken, denn ihm geht es nicht anders. Ein klitzekleiner Umzug ließ ihn frontal mit dem Service der Firma Siemens zusammenprallen.

Kumpel Thomas ist wie ich Hundebesitzer, Nachteule und begeisterter E-Mailer. So bleiben wir immer in Kontakt, auch wenn wir gefühlte tausend Kilometer auseinander wohnen. Und so schreibt er mir immer, was er so in seinem Alltag erlebt. Zuletzt nur Schlechtes. Thomas zieht gerade um, aus einer Berliner Stadtwohnung in den ehemaligen Familiensitz außerhalb von Königs-Wusterhausen. Klar, dass ein solcher Umzug nicht ohne Kollateralschäden über die Bühne geht. Einer von vielen ist dieser:

In der alten Wohnung hatte Thomas ein Siemens Gigaset SX353 ISDN im Einsatz. Das 150 Euro teure ISDN-Telefon mit Bluetooth hatte die tollsten Sachen drauf. So hatte sich Thomas, der beruflich viel unterwegs ist, gleich eine komfortable Weiterleitung aufs Handy einprogrammiert.

Widerspenstige Rufumleitung

Umgezogen in die neue Wohnung, wollte Thomas nun die alte Rufumleitung gegen eine neue ersetzen. Das ging aber leider nicht, denn das Telefon verlangte, dass erst die alte Rufumleitung gelöscht wird, damit sich dann die neue anlegen lässt. Das Telefon registrierte auch, dass es an einem neuen Anschluss hing, die alte Rufumleitung aber nicht zu diesem Anschluss gehörte. Also: Totalverweigerung. Um das Problem zu lösen, hätte mein Kumpel nun in die alte Wohnung fahren und das Telefon dort neu anschließen müssen, um angekoppelt an den alten Anschluss die alte Rufumleitung zu löschen. Neues Problem: Die alte Wohnung war ja schon wieder neu vermietet. Sollte Thomas bei den neuen Mietern klingeln, um mit dem Telefon unterm Arm nach einer freien Buchse zu betteln?

Nein. Also rief Thomas bei der Siemens-Hotline an. Die 0900er-Nummer kostete knapp zwei Euro pro Minute. Nach zehn Euro Telefonkosten kam heraus, dass das Gerät wirklich nur an dem alten Anschluss umprogrammiert werden kann. Ansonsten könne man das Gerät komplett austauschen, das würde dann aber 130 Euro kosten. Immerhin: Noch 20 Euro gespart gegenüber einem kompletten Neukauf.

Mit wildem Fluchen, Herumgestampfe und wüsten Drohungen gegenüber der Hardware hüpfte Freund Thomas im märkischen Sand umher wie weiland Rumpelstilzchen um das Feuer. Mitten in der Nacht, einen Schnaps später, begann er, der Hotline-Auskunft zu misstrauen, und besuchte Foren im Internet. Über eine GSM-Handy-Notebook-Verbindung fischte er nachts noch rasch 120 MB Daten aus dem Netz, was etwa sieben Stunden dauerte. Nach den Anweisungen eines Foren-Besuchers installierte er eine neue Firmware, nachdem er das Telefon per USB an den Rechner angeschlossen hatte. Ein paar "geheime" Tastendrücke später war das Problem dann beseitigt und die alte Rufumleitung gelöscht.

Es gibt mehr als nur das Handbuch

Mein Kumpel Thomas: "Wenn ich eine teure Hotline anrufe, erwarte ich, dass mir die Fachleute am Telefon die benötigten Tipps auch tatsächlich geben können. Es kann doch nicht sein, dass die Spezis in den unabhängigen Foren mehr wissen als die gut bezahlten Profis der Firma. Ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass an den Hotlines Leute sitzen, die von nichts eine Ahnung haben und das offizielle Handbuch als allein selig machendes Lösungswerk erst dann zu lesen beginnen, wenn jemand ihnen eine Frage stellt. Gemeinsam ahnungslos zu sein, ist aber kein Gefühl, für das ich auch noch bezahlen möchte."

Thomas möchte sich jetzt - allein schon aus Prinzip - bei Siemens beschweren und die Telefonkosten wieder einfordern. Wunderbar. Auf die Geschichte freue ich mich schon!

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

Themen in diesem Artikel
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(