Scheibes Kolumne In der Tinte sitzen


Das papierlose Büro ist eine Utopie. Das weiß stern.de-Mitarbeiter Scheibe und bezahlt jede Woche den Abtransport einer kompletten Papier-Mülltonne. Unangenehm an den vielen Ausdrucken sind vor allem die Toner- und Tintenkosten. Scheibe sucht nach Alternativen zum Neukauf.

Bei uns im Büro stehen ein Farblaser, ein Schwarzweißlaser und ein Farb-Tintenstrahldrucker. Sie alle müssen mit Toner-Kartuschen und Tintenpatronen gefüttert werden, die anscheinend schneller ihren Inhalt verlieren als ein nasser Schwamm Wasser in der Wüstensonne. Die täglichen Kontrollausdrucke, die Serienbriefe und auch die 200 Exemplare für die Schülerzeitung meiner Kinder sorgen dafür, dass die Drucker einen Toner nach dem anderen schlucken und ständig nach mehr schreien. Summiert man die Summe am Ende des Monats, treibt es einem glatt die rosige Farbe aus dem Gesicht. Da war ja nicht einmal das Rauchen teurer, das ich bereits vor Jahren aufgegeben habe. Drucken - das neue Laster für die wenigen, die es sich leisten können?

Qualvolles Nachfüllen

Um die monatlichen Fixkosten aus dem Bereich der Farbgebung zu reduzieren, habe ich schon viel ausprobiert. Zunächst habe ich mir ein Spritzenbesteck für den Tintenstrahler besorgt, das jedem Drogensüchtigen zur Ehre gereicht hätte. Mit zittrigen Fingern habe ich Farbe in Geschmacksnoten wie Cyan oder Magenta in Einwegspritzen aufgezogen, um dann einige Milliliter in die Farbpatronen des Druckers zu geben. Aber was war das für eine Qual! Plötzlich auslaufende Patronen waren nur ein Übel. Ein anderes rührt von den Computerchips her, die inzwischen in alle Toner und Kartuschen eingebaut werden. Sie müssen mit Klebestreifen und anderen Tricks manipuliert werden, damit sie dem Computer nicht mehr unisono melden, dass die Farbpatrone leer ist - obwohl sie doch in Wirklichkeit gerade erst nachgefüllt wurde.

Ebay - zwiespältige Rettung

Dann kam ich auf den Ebay-Trip. Einmal in der Woche setzte ich mich an den Bildschirm, um im Online-Auktionshaus nach original oder nachgefüllten Tonern oder Farbpatronen zu suchen. Angebote gibt es reichlich. Der Bieterkampf ums Schnäppchen kostet allerdings Zeit und Nerven. Der am Ende verlangte Aufschlag für Porto und Verpackung macht auch das eine oder andere Mal jede herausgesteigerte Ersparnis gleich wieder zunichte.

Die Lösung ist um die Ecke

Inzwischen habe ich die perfekte Lösung gefunden. Bei uns im Ort gibt es mehrere frisch eröffnete Läden wie etwa die Cartridge World, die eine leere Patrone oder einen ausgewrungenen Toner entgegennehmen und dann ganz flink für neue Farbe sorgen. Oft dauert es nur ein paar Minuten, bis ich die nachgefüllten Toner-Behälter wieder mitnehmen kann. Plötzlich bezahle ich nur noch knapp die Hälfte für mein Druckvergnügen - und kann eine Verschlechterung der Druckleistung nicht feststellen. Murren tut nur die Schule meiner Kinder. Die hat bislang immer alle leeren Toner und Patronen geerbt - und konnte sie im Rahmen eines speziellen Programms gegen kostenloses Computerzubehör eintauschen. Tja, tut mir Leid, jetzt muss ein anderer dafür sorgen, dass das PC-Kabinett weiter ausgebaut werden kann.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania


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