US-russische Spionageaffäre Geheimagenten sind kein auslaufendes Modell


Der russische Auslandsgeheimdienst SWR steht im Zentrum eines Agenten-Krimis in den USA. Dort haben die Behörden nach eigenen Angaben einen mutmaßlichen Spionage-Ring zerschlagen, der seit Anfang der 90er Jahre Informationen für den SWR gesammelt haben soll.

Unsichtbare Tinte, falsche Identitäten und Geheimcodes: Auch 20 Jahre nach dem Ende des Kalten Kriegs gehören solche Utensilien noch immer zur Ausstattung von Spionen. Und die aus den USA gemeldete Zerschlagung eines russischen Agentenrings belegt für Experten, dass die Spionageabwehr auch nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Berliner Mauer weiterhin gut zu tun hat.

"In Moskau werden sie sich ärgern", beschreibt der zu den Briten übergelaufene frühere KGB-Oberst Oleg Gordievsky die Reaktion der russischen Geheimdienstler auf die Enttarnung ihrer mutmaßlichen Langzeitagenten in den USA. Die russischen Schlapphüte würden vor allem darüber rätseln, wie viele und welche der in den USA gesammelten Informationen von der Bundespolizei FBI stammten und damit für die Auswerter wertlos seien, ergänzt der frühere amerikanische Geheimdienstler Robert Ayers.

Den elf in den USA und auf Zypern festgenommenen mutmaßlichen Spionen wird der Versuch vorgeworfen, politische Entscheidungsträger als Informanten zu gewinnen und so Erkenntnisse über die Vereinigten Staaten zu sammeln. Laut Dokumenten des amerikanischen Justizministeriums haben die Beschuldigten für den russischen Geheimdienst SWR gearbeitet. Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat die Vorwürfe indes als unbegründet zurückgewiesen und verärgert darauf reagiert.

Gordievsky zufolge hat Russland Dutzende von Agenten in den USA platziert. Über die Jahre sei die Geheimdienstführung in Moskau zu dem Schluss gekommen, dass ihre Spione im Westen nicht aufzuspüren seien. Entsprechend sei die Zahl der Agenten nicht nur in den USA, sondern auch in Großbritannien, Frankreich und Deutschland erhöht worden. "Das ist jetzt ein Fall, in dem die Amerikaner den Russen sagen, '20 Jahre lang haben wir euer Treiben in unserem Land geduldet und nun lassen wir euch wissen, dass wir euch beobachten und handeln werden, wenn ihr nicht aufhört'", beschreibt der frühere sowjetische Geheimdienstoberst das jüngste Vorgehen der Amerikaner.

Ins Visier der Fahnder geraten Ayers zufolge jetzt die von den mutmaßlichen Agenten als Quellen angezapften gefassten Amerikaner. Viele von ihnen seien ehemalige Regierungsmitarbeiter, und es sei unklar, ob das FBI sie darüber informiert habe, dass ihre Gesprächspartner unter Beobachtung gestanden hätten. Der Sache müsse man nachgehen, "denn solchen Leute lassen sich gerne über ihre Dienstzeit aus".

William MacLean, Reuters/AFP Reuters

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