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Scheibes Kolumne: Zeit am Rechner vertrödeln

stern.de-Mitarbeiter Scheibe ist immer im Stress. Das liegt natürlich daran, dass er als Autor und Ideenfinder so eine unvergleichliche Wucht ist. Es könnte allerdings auch in dem Fakt begründet sein, dass er ein echter Weltmeister darin ist, seine wertvolle Zeit am Rechner sinnlos zu vertrödeln.

Manchmal fällt es schwer, sich für die tägliche Arbeit am Rechner zu motivieren. In diesem Fall starre ich oft viel zu lange abwechselnd auf ein weißes Blatt in Word und auf die gelb hinterlegte ToDo-Liste in meinem Stickies-Schmierzettel. Die Aufgabenliste ist lang und steckt voller Jobs, auf die ich gerade jetzt im Moment überhaupt gar keine Lust habe.

Und so beginne ich den Tag erst einmal mit meinem morgendlichen Ritual, das ich nun schon seit vielen Jahren beibehalte. Während das frisch gestartete E-Mail-Programm die Nachrichten der Nacht (meist Spam) aus dem Internet fischt, starte ich meinen Web-Browser, um die täglichen Online-Comics zu lesen. Ich nutze den kostenlosen Comic Reader von Evan Reynolds, um mir jeden Morgen die neuesten Funstrips von Garfield, Adam@Home, For Better or for Worse, Pickles und Stonesoup in den Browser zu lesen. Ich gebe zu, dass ich süchtig bin und ohne die Comics keine zwei Tage mehr überstehen könnte.

Erst mal auf den neuesten Stand bringen

Anschließend lade ich in Firefox dann meistens meine gesammelten News-Seiten - zur ausgiebigen Morgenlektüre. Von Bild.de über Seiten wie Viply.de, Phantastik-News.de, DWDL.de und natürlich stern.de hole ich mir mein ganz persönliches Nachrichten-Update, das es mir immerhin erspart, gedruckte Zeitungen zu lesen oder abends Nachrichten im Fernsehen zu gucken. So ein Querfeldein-Lesemarathon hält einen sehr gut auf dem Laufenden. Meistens schaue ich zumindest bei Bild.de und stern.de mehrmals am Tag nach neuen Schlagzeilen.

Meistens arbeite ich dann so lange produktiv, bis meine kreativen Batterien wieder leer sind. Ich merke das inzwischen richtig, wie der Kopf hohl wird und kein einziger klarer Gedanke mehr zu finden ist, der es wert wäre, zu Papier gebracht zu werden. Wenn ich mich an diesem Punkt zwinge, doch noch weiterzuarbeiten, rächt sich das oft genug, und es geht gar nichts mehr. Gegen die Leere im Kopf hilft ein 5-Minuten-Powernapping oder eine Partie Rommé gegen den Computer. Über 300 Partien habe ich im letzten halben Jahr bereits absolviert, seitdem ich Rommé XXL installiert habe. Zurzeit führt der Computergegner mit 5788 Punkten gegenüber meinen 4241. Ich gewinne zwar häufiger, mache bei meinen Siegen aber viel zu wenige Punkte. Im Gegensatz zu meinem Gegner, der mich bei einem Sieg punktemäßig richtig ins offene Messer laufen lässt.

Zum Entspannen Online-Banking

Drei, vier Partien Rommé entspannen mich immerhin so weit, dass ich wieder weiterarbeiten kann. Bei der nächsten geistigen Komplettdrainage starte ich dann mein StarMoney. Ich muss unbedingt nachschauen, ob Auftraggeber vielleicht offene Rechnungen bezahlt haben. Das ist allerdings eine Tätigkeit, die sich ebenso positiv wie negativ auf mein nachfolgendes Arbeitstempo auswirken kann. Motivierend ist es, wenn viele Buchungen eingegangen sind. Extrem frustrierend ist es, wenn der Kontostand unverhofft in die Miesen sinkt oder das Finanzamt gerade wieder so viele Steuern abgebucht hat, dass es Wochen dauern wird, diese Abzüge neu zu verdienen.

Zwischendurch ertappe ich mich immer wieder dabei, wie sich die Gedanken beim Arbeiten verselbstständigen und sich hartnäckig mit Dingen beschäftigen, die gar nichts mit dem aktuellen Job zu tun haben. Dann erwische ich mich schon einmal dabei, plötzlich zur Wikipedia-Seite zu springen, um hier die Detailseiten zum Maikäfer, zum Schauspieler James Caan oder zur Nordsee-Insel Amrum zu besuchen. Denn ich möchte wissen, ob der Maikäfer nur auf Eichen zu finden ist, in welchen Filmen Caan vor der TV-Serie "Vegas" mitgespielt hat und wie groß Amrum ist.

Plötzlich ist der Tag auch schon wieder um und ich muss wieder die Nacht mit dazunehmen, um doch noch alle Jobs abarbeiten zu können. So ein Mist. Vielleicht sollte ich doch lieber etwas strukturierter arbeiten und mich beim Schreiben nicht immer wieder ablenken lassen.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

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