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Betriebssystem Neues Windows vorgestellt: Mit der Nummer 11 versucht Microsoft den Neuanfang

Betriebssystem: Neues Windows vorgestellt: Mit der Nummer 11 versucht Microsoft den Neuanfang
Überraschend hat Microsoft den Nachfolger von Windows 10 vorgestellt. Doch bei genauem Hinsehen zeigt sich: Der Sprung ist eigentlich nicht besonders groß. Trotzdem hat der Konzern gute Gründe, das neue System nicht einfach als Update herauszubringen.

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne - das wusste schon Hermann Hesse. Und auch Microsoft scheint sich die Idee mit dem neuen Windows 11 zu Herzen genommen zu haben. Denn rein von den Features und Umbauten hätte Windows 11 auch als einfaches Update für Windows 10 erscheinen können. Doch Microsoft wollte wohl aus mehreren Gründen einen Neustart.

Dass es überhaupt mal ein Windows 11 geben würde, war durchaus nicht abzusehen. Die Vorstellung von Windows 10 war auch mit einem Versprechen verbunden: Wer sich das neue System kaufte, würde nie wieder ein neues Windows erwerben müssen, alle kommenden Systeme seien kostenlose Updates für das "letzte Windows", verkündete der Konzern damals. Doch die Idee vom ewigen Windows begann in den letzten Jahren auch seine Nachteile zu zeigen.

Altlasten

Einer der wichtigsten ist die Wahrnehmung des Systems. Obwohl das Windows 10, das nun auf Hunderten Millionen Rechnern installiert ist und denselben Namen trägt wie das System, das 2015 das letzte Windows sein sollte, in den Köpfen das gleiche System geblieben ist, hat sich seitdem extrem viel getan. Microsoft hat den Look umgekrempelt, immer wieder Features entfernt und neue hinzugefügt. Doch ohne den radikalen Bruch einer neuen Systemnummer reichen selbst die zahlreichen Änderungen nicht aus, damit sich das System anders anfühlt. Selbst mit radikalen Änderungen wie der Unterstützung von Android-Apps oder der Amazon-Assistentin Alexa direkt im System blieb Windows 10 eben immer noch Windows 10.

Und auch auf der technischen Seite zeigten sich langsam die Nachteile. Windows 10 unterstützte schon bei der Einführung 2015 selbst Jahre alte Rechner - und muss das immer noch leisten. Dabei sind selbst die damals aktuellen Systeme heute technisch nicht mehr auf Stand. Das hemmt die Entwicklung. Schließlich muss das System auch auf zehn Jahre alten Prozessoren noch weitgehend ruckelfrei funktionieren.

Noch mal von vorne

Mit dem Umstieg auf eine neue Systemversion kann sich Microsoft dieser Altlasten entledigen. Vor allem in einem wichtigen Punkt dürfte der psychologische Neustart für Microsoft enorm wichtig sein: bei seinem Windows Store. Der in Windows enthaltene Shop für Programme war lange die Achillesferse des Betriebssystems. Während die Nutzer es auf dem Smartphone selbstverständlich fanden, sich aus App Store und Play Store zu versorgen, blieb der Windows Store ein Trauerspiel.

Mit dem neuen System will Microsoft das nun ändern. Der neugestaltete Shop ist ein Signal für Nutzer und Entwickler gleichermaßen. Microsoft will aufräumen, den Store mit einem neuen Look, mehr unterstützten Programm-Arten und einem attraktiven Verdienstmodell zuerst für die Software-Entwickler und dann dadurch auch für die Nutzer erheblich attraktiver machen. 

Dazu ist man auch zu radikalen Schritten bereit. Zum ersten Mal dürfen etwa selbst Browser wie Google Chrome im Store angeboten werden. Bei den Einname-Möglichkeiten geht Microsoft gar einen radikalen Schritt: Anders als bei Apple und Google dürfen Unternehmen wie Netflix ihr eigenes Abrechnungssystem einbauen. Bezahlt man sein Abo über die App selbst statt über den Store, will Microsoft keinen Anteil dieser Gebühren kassieren, versprach der Konzern. Damit stellt man sich direkt gegen die Konkurrenz: Netflix hatte sich etwa immer wieder mit Apple über die Politik des iPhone-Konzerns gestritten, die Abo-Gebühren der über die App abgeschlossenen Abos teilen zu müssen.

"Es geht um Wettbewerb", machte auch Microsoft Satya Nadella in einem aktuellen Interview mit "The Verge" klar. "Man muss Menschen eine Möglichkeiten geben, auf den Plattformen aufzubauen", ist er überzeugt. "Ob es Adobe mit seiner Creative Cloud oder SAP, die ihre Business-Lösungen anbieten, oder Discord, die eine Gaming-Community auf Windows aufbauen." Erst durch die Möglichkeiten kämen die Entwickler letztlich zu einem System und würden es für die Nutzer attraktiv machen.

Ein frischer Start

Der für den Konzern so wichtige Cut kann für die Kunden aber durchaus Folgen haben. Dachte die Technikwelt nach der Vorstellung des Systems noch, alle Windows-10-Systeme würden auch Windows 11 unterstützen, wurde sie schnell eines besseren belehrt. In den Mindestanforderungen nennt Microsoft etwa einen Intel-Chip der achten Generation (Coffee Lake) als unterste Prozessor-Empfehlung. Alle Rechner, die einen langsameren als den 2017 eingeführten Chip besitzen, können das System zwar installieren, werden aber gewarnt, dass dadurch Probleme entstehen können. 

Dabei lernt Microsoft auch aus den Fehlern früherer Systeme. Viele Nutzer, bei denen ältere Versionen eigentlich laufen sollten, klagten über Probleme. Hätte man einfach ein Windows-10-Update herausgebracht, das einen Großteil der bisherigen Nutzer aussperrt, wäre der Ärger wohl groß gewesen. Gibt man dem System einen neuen Namen, wird diese Erwartungshaltung abgefedert. Der Nutzer wird nicht aus Updates für sein aktuelles System ausgesperrt, sondern muss selbst abwägen, ob er seinem PC das neue zutraut. Und das neue System kann die in den letzten Jahren gebotenen technischen Möglichkeiten nutzen, ohne Nutzer vor der Kopf zu stoßen.

Windows bleibt vertraut

Diesen Fehler will Microsoft diesmal ohnehin penibel vermeiden. "Windows muss sich wie Zuhause anfühlen", betonte Produkt-Chef Panos Panay bei der Vorstellung des Systems mehrfach. Radikale Umbrüche wie bei Windows 8 meidet der Konzern entsprechend. Obwohl das System im Detail etwas anders aussieht und es zahlreiche neue Optionen wie ein verbessertes Multitasking bietet, bleiben diese Neuerungen fast alle dezent oder sogar optional. Das System muss sich an die Nutzer anpassen, nicht umgekehrt, betonte auch Satya Nadella. Der Neustart muss schließlich auch mit den Nutzern gemeinsam passieren.

Quelle: Microsoft,The Verge


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