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"Angry Birds"-Freizeitpark Vögelchen, flieg!


Für das weltweit erfolgreichste Handyspiel "Angry Birds" ist China der zweitwichtigste Markt. Der finnische Entwickler Rovio drängt daher mit Macht in das asiatische Land und plant dort sogar einen "Angry Birds"-Vergnügungspark.
Von Claudia Wanner, Hongkong

Rund eine Milliarde mal ist "Angry Birds" bisher via Smartphones oder Tablets weltweit heruntergeladen worden, davon 150 Millionen mal in China. Damit ist das Land der zweitwichtigste Markt für die Finnen, die das Spiel seit Herbst 2009 im Angebot haben.

Unter Leitung von Vorstandschef Mikael Hed und seinem Cousin Niklas Hed, der das operative Geschäft führt, hat Rovio im vergangenen Jahr aus 75 Millionen Euro Umsatz 48 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet, eine Marge von 64 Prozent. Rund ein Drittel der Erlöse stammen aus Merchandising- und Lizenz-Verträgen.

Dieses Geschäft treiben sie nun auch in China voran: Kommende Woche eröffnet ein "Angry-Birds"-Shop in Shanghai, eine Woche später ist Peking an der Reihe. Das, so China-Chef Chen, sei der Startschuss für Hunderte Läden, die bis Ende 2013 die ganze Volksrepublik mit den Original-Vögeln versorgen sollen.

Am chinesischen Nationalfeiertag, dem 1. Oktober, eröffnet ein Vergnügungspark in Shanghai, diesmal in Kooperation mit Rovio. Geplant sind jede Menge Fahrvergnügen und ein interaktiver "Spielplatz" für junge Erwachsene. Auch der Park ist der Startschuss für eine ganze Reihe vergleichbarer Attraktionen.

Gerüchte über Börsengang in Hongkong

Zusätzlich hat Rovio Spielversionen entwickelt, die chinesische Kulturelemente enthalten. "Der chinesische Markt ist anders als viele andere und er könnte uns auch als Testmarkt für die Entwicklung in anderen Ländern dienen", sagt Chen. In keinem Land setzt Rovio so aggressiv auf Merchandising.

Sogar ein möglicher Börsengang in Hongkong wurde in der Vergangenheit kolportiert. Auch wenn das Listing und der bevorzugte Börsenplatz angesichts der schwierigen Situation an den Märkten derzeit unsicher sind: Die Eigentümer haben immer wieder betont, dass sie auf den Gang aufs Parkett hinarbeiten.

Beobachter räumen Rovios Strategie, die erfolgreichen Videospiele mit jeder Menge Drumherum zu unterfüttern, gute Chancen ein. Denn die spielbegeisterten Chinesen gelten als eigenwillige Kunden.

Trotz der Erfolge von "Angry Birds" oder "World of Warcraft" in der Volksrepublik: Viele Spieler bevorzugen einheimische Angebote. Gut zwei Drittel des im vergangenen Jahr nach offiziellen Angaben 43 Milliarden Yuan (5,4 Milliarden Euro) schweren Marktes entfielen auf nationale Entwicklungen. Das einheimische Geschäft wuchs 2011 um mehr als 40 Prozent und damit noch schneller als der Gesamtmarkt mit 32 Prozent. Der Markt für mobile Spiele ist mit 1,7 Milliarden Yuan noch deutlich kleiner, legte 2011 aber dank der schnell wachsenden Verbreitung von Smartphones um fast 90 Prozent zu.

Rovio liebäugelt auch mit Zukäufen. Der chinesische Onlinespiele-Markt sei extrem interessant, sagte Chen. "Wir schauen uns nach Gelegenheiten um und würden auch einen Zukauf in Erwägung ziehen, wenn das Unternehmen gut passt." Eine größere Konsolidierung steht bisher noch aus, das schnelle Wachstum bietet vielen Anbietern Platz.

Chinesische Spielgewohnheiten

Mit Abstand größter Anbieter ist der Internetkonzern Tencent, der auch den weit verbreiteten Kurznachrichtendienst QQ und eine Art chinesisches Facebook unterhält. 34 Prozent aller Onlinespiele stammten laut dem Branchendienst Analysys im vergangenen Jahr von Tencent. Zu den beliebtesten gehören "Cross Fire" und "Dungeon & Fighter".

Ausländische Anbieter haben dagegen häufig Probleme mit der Übertragung ins Chinesische oder scheitern an den Aufsichtsbehörden. Wie die Presse unterliegt auch Chinas Internet der Zensur. Sensible Themen sind tabu.

Auch die Vorlieben unterscheiden sich. Chinesen gelten als sehr entspannte, softe Spieler. Und noch etwas macht die Volksrepublik besonders: Die meisten Spiele lassen sich kostenlos herunterladen. Laut Schätzungen bezahlen bis zu 80 Prozent der Spieler nie für ihr Vergnügen. Geld wird innerhalb der Spiele gemacht, mit Figuren oder Werkzeugen, die im Spielverlauf zu erwerben sind. Dafür zahlen die Nutzer kräftig.

Um sie immer wieder zu den Spielen zurück zu locken und zum Zahlen zu animieren, lassen sich die Anbieter ständig Neues einfallen. Genau den Effekt könnte Rovios Netzwerk von Shops und Vergnügungsparks im ganzen Land bald haben.

FTD

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