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Videospiel "Lego: Der Hobbit" im Test: Ein Klötzchen, sie alle zu knechten

Das Lego-Videospiel zu den zwei "Hobbit"-Filmen mischt bewährte Spielemechanismen mit behutsamen Neuerungen – und unterhält mit zauberhafter Präsentation und reichlich Humor blendend.

Von Olaf Bleich und Benedikt Plass-Fleßenkämper

Peter Jackson, Regisseur der legendären "Der Herr der Ringe"-Trilogie, machte sich mit seiner Verfilmung von J.R.R. Tolkiens Kinderbuch "Der Hobbit" nicht nur Freunde. Viele fragten sich: Wieso muss man ein Buch in gleich drei Filme aufsplitten? Ist es pure Liebe zur Vorlage oder doch nur nackte Gier nach noch höheren Einnahmen durch eine inzwischen weltweit bekannte Mega-Marke? Pünktlich zur DVD- und Bluray-Veröffentlichung von "Der Hobbit: Smaugs Einöde" am 11. April bringt Warner Bros. Interactive nun das Videospiel "Lego: Der Hobbit" für nahezu alle Spiele-Plattformen heraus.

Und wieder fragt man sich: Was soll das eigentlich? Die Trilogie ist noch nicht beendet, weswegen sich das Klötzchen-Abenteuer lediglich an den Geschehnissen der ersten beiden Filme entlanghangelt. Die Geschichte des Filmfinales "Der Hobbit: Hin und Zurück", das im kommenden Winter anläuft, wird daher als Download-Content nachgeliefert. Trotz dieser zweifelhaften Vermarktungsmethoden kann man "Lego: Der Hobbit" aber nicht lange böse sein. Denn wie schon in Erfolgstiteln wie "Lego: Marvel Super Heroes" und "Lego: Pirates of the Carribean" liefert der britische Entwickler TT Games eine so bezaubernde wie liebevolle Hommage an das Blockbuster-Vorbild ab.

Lachen ist erlaubt

Die unerwartete Reise beginnt wie im Kino im malerischen Auenland, genauer gesagt: in Bilbo Beutlins Haus in Beutelsend. Der Hobbit berichtet seinem Neffen Frodo von seinen früheren Abenteuern. Sofort fällt auf, dass "Lego: Der Hobbit" meisterlich Gebrauch von der wertvollen Filmlizenz macht. Nicht nur die Geschichte wird hier übernommen, auch der Soundtrack und die Sprachausgabe stammen direkt aus Peter Jacksons Fantasy-Epos. So kreiert TT Games eine nahezu perfekte Symbiose aus Hollywood und der dänischen Steinchenwelt.

Die Entwickler garnieren prägende Szenen aus den Kinofilmen mit dem ganz typischen Lego-Humor. Liebenswerte Momente wie das Fressgelage der Zwerge in Beutelsend ergänzt das Spiel um Tanzeinlagen und Reaktionstests. Da stolpern die Trolle im Kampf mit den Zwergen schon mal tolpatschig über ihre eigenen Füße. Und Gandalfs Zauberstab versagt zwischendurch als Taschenlampe, sodass er ihn schütteln muss, ehe er wieder funktioniert. Das sieht herrlich witzig aus und versprüht eine Menge Charme.

Das Spiel hinter den Steinen

Trotz allem Humor verbirgt sich unter der bunten Klötzchengrafik und den tausenden umher wuselnden Steinen eine offene Spielwelt, die nicht nur die wichtigsten Szenen der Filme beinhaltet, sondern auch viele Nebenaufgaben und spielerischen Mehrwert liefert. Neue Spielelemente in "Lego: Der Hobbit" sind beispielsweise das Abbauen von Ressourcen und das Herstellen von Gegenständen. In Minispielen schwingen die Zwerge rund um Thorin Eichenschild die Spitzhacke und fertigen anschließend an Ambossen und Werkbänken neue Waffen oder wichtige Objekte für die nächste Mission. Dazu gibt es nostalgische Bausequenzen, in denen man wie in Kindertagen Lego-Steine einem Modell zuordnen muss. Bevor die Truppe um Bilbo und Thorin etwa den Wald der Trolle betreten darf, muss man eine Brücke bauen, die die wasserscheuen Halblinge über den Fluss führt. Das macht ungemein Spaß und weckt auch in älteren Semestern den alten Bautrieb.

Im Team durch Mittelerde

Grundsätzlich ist man in "Lego: Der Hobbit" nie allein unterwegs. Die Gruppe besteht meist aus drei oder mehr Figuren, deren spezielle Eigenschaften zum Lösen von Rätseln eingesetzt werden. Mal muss einer der Zwerge mit seiner Schaufel Objekte ausbuddeln, mal darf Hobbit Bilbo die Angel schwingen. Da ist es nur logisch, dass das Lego-Game zwar auch solo spielbar ist, aber erst im Mehrspieler-Modus so richtig zündet. Vorbildlich: Auf Knopfdruck steigt ein weiterer Spieler sofort ins Geschehen ein und kann ohne lästige Menüfummelei mitspielen. Genau diese Art der Zusammenarbeit ist in den Kämpfen gefordert. Hier führen die Zwerge sogenannte Kumpel-Moves aus: Sie springen aufeinander oder kämpfen ineinander eingehakt gegen deutlich größere Feinde. Besondere Schlachten wie die mit dem bleichen Ork Azog werden sogar mit schnittigen Zeitlupensequenzen in Szene gesetzt.

Generell ist "Lego: Der Hobbit" - trotz aller freischaltbaren Extras und Aufgaben - kein sonderlich schweres Spiel. Benutzbare Objekte sind leicht zu finden, sie leuchten oder hüpfen munter auf und ab. Ein klassisches "Game Over" gibt es nicht. Gehen den Helden einmal die Lebenspunkte aus, wird man lediglich mit einem kleinen Punktabzug bestraft. Eine Hardcore-Herausforderung à la "Dark Souls 2" darf hier niemand erwarten - dafür das ideale Spiel, um den Feierabend unterhaltsam ausklingen zu lassen.

Fazit: Herr der Steinchen

"Lego: Der Hobbit" fühlt sich vertraut und dennoch frisch an. Fans früherer Titel von TT Games werden über den gewohnt gehaltvollen Mehrspieler-Anteil und die neuen Team-Aktionen jubeln. Gelegenheitsspieler erfreuen sich am Humor und der charmanten Umsetzung der Kinovorlage. Und echte Zocker? Die dürften zumindest an den Nebenaufgaben und den nostalgischen Bausätzen ihren Spaß haben. Einzig das Gefühl, dass man am Ende nicht die ganze Portion "Der Hobbit" bekommt, trübt den Spielspaß ein wenig. Denn auf das große Finale müssen Kinogänger wie Gamer noch bis Ende des Jahres warten.

Lego: Der HobbitHersteller/Vertrieb:TT Games / Warner Bros. Interactive
Genre: Action-Adventure
Plattform:PC, Playstation 3, Playstation 4, Xbox 360, Xbox One, Wii U, Playstation Vita, Nintendo 3DS
Preis:50 Euro (PS4/Xbox One/Wii U), 45 Euro (PS3/Xbox 360), 30 Euro (PC/Nintendo 3DS)
Altersfreigabe: