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Promis und Politiker unter den Opfern: "Bald kommt das Adventskalender-Event!": Wie die Daten-Veröffentlichung orchestriert wurde

24 Datensätze in 24 Tagen. Der oder die Urheber des Datenlecks inszenierten ihre Veröffentlichungen wie einen Adventskalender. Auch ein bekannter Youtuber spielt offenbar eine unfreiwillige Rolle bei der Verbreitung der Dokumente.

Fotos von Kindern Prominenter, Privatadressen von Musikern, Personalausweiskopien von Bundestagsabgeordneten – Tausende Daten haben Unbekannte über Wochen hinweg im Internet veröffentlicht. Wer hinter der Attacke auf die Privatsphären Hunderter Politiker und Prominenter steckt, ist nicht bekannt. Die zuständigen Behörden haben jetzt die Ermittlungen aufgenommen, darunter auch das Cyber-Abwehrzentrum, das Bundeskriminalamt und der Verfassungsschutz. Unklar ist auch, ob die Daten tatsächlich gehackt worden sind oder anderweitig an den oder die Kriminellen gelangt sind.

Klar ist aber: Die Datenleaks wurden sorgfältig orchestriert ausgespielt: Zu finden waren die Dokumente über einen inzwischen gesperrten Twitter-Account, der bereits im Februar 2015 eingerichtet wurde.

Am 24. November des vergangenen Jahres kündigten der oder die Betreiber an: "Bald kommt das Adventskalender-Event! Seid gespannt, könnte für manche zu heftig werden".

Der Twitter-Account, auf dem die Datensätze verlinkt wurden

Die Links zu den Datensätzen verbreitete ein Twitter-Account über mehrere Wochen hinweg

Vom 1. bis zum 24. Dezember wurde jeden Tag ein "Türchen" in Form eines Links zu den Datensätzen geöffnet. Begonnen wurde mit der Veröffentlichung privater Informationen aus dem Leben eines Fernsehmoderators, bis zum Heiligabend folgten täglich Veröffentlichungen über weitere Prominente: Schauspieler, Musiker, Youtuber, Journalisten. Am 20. Dezember erreichten die Leaks auch das politische Berlin: Zunächst wurden Daten von FDP-Politikern veröffentlicht, es folgten Linkspartei, Grüne, SPD und am 24. Dezember dann CDU und CSU.

Daten riefen zunächst wenig Reaktionen hervor

Verschiedene Analysetools zeigen, dass der veröffentlichende Account auch schon vor dem "Adventskalender" über 16.000 Follower (zuletzt waren es gut 17.000) hatte, an die die Tweets theoretisch hätten ausgespielt werden können. Dennoch schlugen die Veröffentlichungen keine großen Wellen. Eine Stichprobe unter den Followern des Accounts zeigte jedoch auch, dass diese oftmals keinerlei Aktivitäten in dem sozialen Netzwerk zeigten und daher die brisanten Enthüllungen möglicherweise nicht weiterverbreitet haben. Retweet-, Antwort- und Favoritenzahlen im zum Teil einstelligen Bereich unter den Tweets sprechen ebenfalls für eine passive Followerschar.

Am Donnerstag wurden die Links zu den privaten Daten offenbar über den Twitter-Account des Youtubers "ungespielt" verbreitet. Der Vlogger Simon Unge wandte sich in einem Video an seine Fans, in dem er berichtete, dass sein Twitter-Account gehackt worden sei. Es seien "irgendwelche Infos über irgendwelche Prominenten oder Politiker in Deutschland" verbreitet worden, erklärte der 28-Jährige, in Unkenntnis darüber, dass es sich womöglich um das größte Datenleck dieser Art in Deutschland handelt. Mit der Verbreitung über den Twitter-Account Unges wurden die Links zu den Politiker- und Promidokumenten theoretisch Zehntausenden Followern ausgespielt.

Betroffene Politiker haben dann auch offenbar erst am Donnerstagabend von dem Leak erfahren. "Wir sind seit gestern Abend mit dem Thema befasst und kümmern uns darum, unsere Leute zu informieren", sagte ein Sprecher der SPD am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Auch der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), der zuerst über die Datensammlung berichtete, schreibt: "Am späten (Donnerstag, d. Red.) Abend erreichte das Problem die Fraktionsführungen im Bundestag, die seitdem damit beschäftigt sind, den entstandenen Schaden zu bewerten." Das Bundesinnenministerium will ebenfalls erst "seit kurzem" von dem Leak wissen, wie ein Sprecher in Berlin sagte.

Am Freitagmorgen berichtete der RBB dann erstmals über den beispiellosen Vorfall. Seitdem ist er in aller Munde – und ein Fall für die Sicherheitsbehörden.

Quellen: RBB bei Tagesschau.de

wue