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Googles Datenbrille "Project Glass" Die Welt mit anderen Augen sehen


Seit Monaten brodelte die Gerüchteküche, jetzt ist es offiziell: Google arbeitet an einer neuartigen Datenbrille, die Informationen aus dem Netz direkt auf dem Brillenglas anzeigt.
Von Christoph Fröhlich

Erst das Internet, dann der Handymarkt - und jetzt die Realität? Suchmaschinenriese Google hat sein spektakuläres "Project Glass" vorgestellt, eine Brille mit Mini-Computer und Kamera. Bisher kannte man "Augmented Reality"-Brillen ("Erweiterte Realität") nur aus Science-Fiction-Filmen oder als klobige Helmapparaturen. Sie verknüpfen die reale Welt mit Informationen aus dem Internet, so werden beispielsweise Wetterdaten, Termine oder Nachrichten direkt im Display der Brille angezeigt. Klingt futuristisch? Ist es auch. Serienreif ist das Gerät noch nicht, doch Google gibt in einem Video einen Vorgeschmack darauf, wie die Zukunft aussehen könnte. Die Testphase mit funktionierenden Prototypen hat angeblich bereits begonnen.

Die "New York Times" hat mit anonymen Informanten gesprochen, die die Brille angeblich bereits ausprobiert haben. Demnach sind die Geräte derzeit noch sehr störend, der permanente Datenstrom würde die Träger zu sehr von der Realität ablenken. Doch prinzipiell sei es eine gute Idee. So meint eine Person: "Wenn ich ein Foto machen möchte, muss ich nicht mehr in meine Tasche greifen und mein Handy herausholen; ich drücke einfach einen Knopf oben auf der Brille und das war's." Die Bilder können anschließend in Google+ geteilt werden.

Das Internet auf der Nase

Doch wie funktioniert die High-Tech-Brille? Über dem rechten Auge befindet sich ein kleines Display, auf dem die verschiedenen Informationen dargestellt werden. Um permanent mit dem Internet verbunden zu sein, müsste Google einen UMTS- oder 4G-Empfänger einbauen, wie wir es bereits von modernen Smartphones kennen.

Gesteuert wird das Zukunfts-Gadget mit der Stimme des Nutzers, ähnlich wie Apples Sprachassistent Siri. Im Internet suchen, Freunde anrufen, die kürzeste Route berechnen oder Nachrichten diktieren - laut Google soll all das möglich sein. Doch was das Gerät am Ende unbedingt können muss und worauf Google lieber verzichten sollte, will das Unternehmen von den möglichen Kunden selbst erfahren. "Wir stellen das Projekt jetzt der Öffentlichkeit vor, weil wir eine Diskussion starten und aus euren Beiträgen lernen wollen", heißt es auf der offiziellen Google+-Seite des "Project Glass". Doch viel mehr verraten die drei Entwickler Babak Parviz, Steve Lee und Sebastian Thrun noch nicht. 500 Kommentare finden sich unter dem Beitrag, der mittlerweile fast 10.000-mal geteilt wurde.

Über das soziale Netzwerk kann auch unterwegs der Videochat "Hangout" gestartet werden, auf Wunsch kann der Angerufene dann sehen, was der Brillenträger sieht. Klappt das nur annähernd so gut wie im Video, ist es dann vielleicht möglich, die Welt aus anderen Augen zu sehen - im wahrsten Sinne des Wortes.

Christoph Fröhlich

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