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Neue Technik: Sonys Comeback auf dem Fotomarkt

Der japanische Konzern steht seit Jahrzehnten für erstklassige Unterhaltungselektronik für daheim. Aber wer denkt bei der Marke Sony schon an Kameras? So gut wie niemand. Sieht so aus, dass sich das bald ändert.

Von Martin Kölling, Tokio

Neue Technik verspricht Sony im lukrativen Markt für Spiegelreflexkameras den lang vermissten Erfolg zu bringen. Ziel der Japaner ist es, den Kamera-Absatz in diesem Jahr um 15 Prozent zu erhöhen. Richten sollen es Sonys NEX-Modelle. Diese Kameras haben kein Spiegelsystem, aber wechselbare Objektive, die bei geringerer Größe die gleiche Bildqualität wie Spiegelreflexkameras liefern sollen.

"Sony war in den letzten Jahren nicht so innovativ wie gewohnt, aber nun haben sie sehr innovative Produkte herausgebracht", sagte Christopher Chute, Kameraexperte bei dem US-Marktforschungsunternehmen IDC.

Kameras sind mit einem Anteil von rund zehn Prozent am Konzernumsatz nach Flachbildfernsehern Sonys zweitwichtigste Produktgruppe. Der japanische Konzern litt jedoch daran, seine jahrelange Weltmarktführerschaft als größter Lieferant von Bildsensoren nur bei den margenschwachen Kompaktkameras in hohe Marktanteile umsetzen zu können, nicht jedoch bei lukrativen Spiegelreflexkameras. Hier fiel Sonys Absatz im Jahr 2009 nach Zahlen von IDC um 19,7 Prozent auf knapp über eine Million Stück. 2006 war der Konzern mit der Übernahme von Konica Minoltas Spiegelreflexsparte in das Segment eingestiegen. Zwar legten die Verkäufe zu, allerdings verpasste Sony den Boom der Videofunktion.

Bessere Abstimmung

Wie der Rest des Konzerns litt die Sparte an der schlechten Absprache der Bereiche untereinander. Ein Industrieinsider sagte, Sonys Teams für Bildsensoren und Kameras hätten sich früher wenig untereinander abgestimmt. Die neuesten Sensoren tauchten lange Zeit zuerst in Kameras von Wettbewerbern auf. Das änderte sich erst ab 2008, als Sonys Spiegelreflexkamera A900 mit einer Auflösung von 24 Millionen Pixeln sogar Canons Profikameras überflügelte.

Auch im Bereich der spiegellosen Systemkameras zählt Sony nicht zu den Vorreitern. Der Konzern stieg erst 18 Monate nach den Konkurrenten Panasonic und Olympus in das boomende Segment ein. Dafür zeigte Sony als erster Hersteller, wie klein die neuen Kameras werden können.

Möglich werden die neuen Abmessungen durch das fehlende Spiegelsystem. In Japan eroberten die Sony-Modelle im Juni, ihrem ersten Verkaufsmonat, einen Marktanteil von fast 20 Prozent. "Im Ausland ist das Volumen noch nicht ganz so hoch, aber wir erhalten ein sehr positives Feedback von unseren Händlern", sagte eine Sony-Sprecherin.

Die Modelle A33 und A55 bieten als weltweit erste Kameras das schnelle und akkurate Autofokussystem von Spiegelreflexkameras auch im Videomodus. Statt eines beweglichen Spiegels wurde ein fester, lichtdurchlässiger Spiegel eingebaut, der rund zwei Drittel des Lichts auf den Bildsensor fallen lässt und den Rest zum Scharfstellen des Bildes nutzt.

Noch ist die Wende nicht geschafft. Zwar liefere der Konzern meist gutes Design bei seinen Produkten, gestehen Kritiker zu. Allerdings mangele es bislang an einer entscheidenden Stelle: Die Bedienung einiger Fotokameras sei derzeit teilweise noch nicht auf Höhe der Konkurrenz.

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FTD