VG-Wort Pixel

Veraltete Technik Japan: Digitalminister will endlich Disketten aus Behörden verbannen

Japan: Ein Frau schiebt eine Diskette in einen alten Computer
Japanische Behörden benutzen auch heute noch Disketten. Doch damit soll nun Schluss sein. (Symbolbild)
© Oleksandr Rupeta / Picture Alliance
So fortschrittlich und digital der Alltag in Japan ist, so eingestaubt sind die Behörden des Landes. Noch immer nutzen sie Disketten für Anträge – doch damit soll nun Schluss sein. 

Häufig muss man sich in Deutschland über die verschlafene Digitalisierung von Ämtern und Behörden ärgern. Einen Antrag über das Fax-Gerät einreichen – mittlerweile eine Treppenwitz, der immer noch einen wahren Kern in sich trägt. Sehnsüchtig blickt man da in Länder, bei denen es vermeintlich so viel einfacher und digitaler zugeht – besonders nach Südkorea oder Japan. Doch zumindest für Letzteres ist das Vorurteil der High-Tech-Gesellschaft nicht ganz richtig.

Japan: Behörden arbeiten noch immer mit Disketten – Digitalminister verzweifelt

Denn die Behörden in Japan arbeiten zu großen Teilen noch immer mit einem Speichermedium, das Kindern und Jugendlichen höchstens vom "Speichern"-Button bekannt sein dürfte: der Diskette (engl. Floppy-Disk). 

Während das Land eine der größten Tech-Industrien der Welt beheimatet und die Digitalisierung im Alltag vollkommen selbstverständlich geworden ist, wirkt der quadratische Plastik-Datenträger vollkommen aus der Zeit gefallen.

Das sieht offenbar auch Digitalminister Taro Kono so und hat den Kampf gegen die Diskette jetzt zur Chefsache erklärt. Auf einer Pressekonferenz erklärt er, etwa 1900 behördliche Verfahren in Japan verlangten noch immer veraltete Datenträger wie Disketten, CDs oder Mini-Discs. Wer also einen Bau- oder Sozialhilfeantrag stellen möchte, muss diese bis heute auf einem physischen Datenträger bei dem zuständigen Amt einreichen. Emails sind in solchen Fälle häufig nicht erlaubt. Damit soll nun Schluss sein. Kono hat veralteter Technik den Kampf angesagt. "Wo kann man heutzutage überhaupt noch eine Diskette kaufen?", fragte er.

Für einen 32 GB-USB-Stick bräuchte man mehr als 20.000 Disketten

Doch sein Vorhaben, die Behörden in Japan in der Gegenwart ankommen zu lassen, wird vermutlich gar nicht so einfach. Bis Ende des Jahres soll zunächst erst einmal herausgefunden werden, für welche Vorgänge physische Datenträger benötigt werden. Anschließend sollen die staatlichen Ämter nach und nach auf Cloud-basierte Systeme zugreifen können – ganze ohne CDs oder Disketten. 

Und die Zeit drängt. Denn viele neue Disketten dürften mittlerweile nicht mehr in Umlauf sein. Sony hat als letztes japanisches Unternehmen die Produktion der Datenträger 2011 eingestellt. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Speicherkapazität liegt bei den Floppy Disks bei 1,4 Megabyte. Für die Daten, die auf einem USB-Stick mit 32 GB liegen, bräuchte man also mehr als 20.000 Disketten. 

Warum das sonst so fortschrittliche Land so lange an der alten Technik festgehalten hat, sei wissenschaftlich nicht zu erklären, so Reporter Andreas Noll gegenüber "Deutschlandfunk Nova". Es sei vielmehr ein Bauchgefühl, geprägt von Vertrautheit und Sicherheit. 2018 hätte noch knapp die Hälfte der Japaner ein Fax-Gerät zuhause gehabt. Das könnte sich bald ändern. Denn auch diese Geräte würde Kono am liebsten loswerden.

Schon bald könnte also die letzte Diskette in einen Computer geschoben werden. Das Letzte, was dann noch an sie erinnern würde, wäre das allgegenwärtige "Speichern"-Symbol.

Quellen: BBC, Der Spiegel, Deutschlankfunk Nova

pgo

Mehr zum Thema

Newsticker