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"Tourist Remover": Entmenschte Urlaubsfotos

Sie nerven, (meistens) ohne es zu wollen: unbekannte Personen auf Fotos. Eine Software mit dem knackigen Titel "Tourist Remover" entfernt automatisch ungebetene Gäste von Bildern. Das ist praktisch - und hat einen Haken.

Von Ralf Sander

Davon träumen Urlaubsfotografen nachts: die Pyramiden von Gizeh - ohne zwei- und vierbeinige Kamele davor. Der Eiffelturm - ohne den Franzosen auf dem Moped, der mit einem Baguette unter dem Arm durchs Bild rast. Und das Bild vom Buffet im Hotel auf Mallorca wäre auch schöner, wenn Tante Frieda im Moment des Auslösens nicht von der Seite noch einmal nach den Würstchen gegriffen hätte... Störfaktor Mensch - ein nicht netter, aber regelmäßig auftauchender Gedanke im Kopf eines jeden Kamerabenutzers.

Doch Hilfe naht aus der Schweiz: der "Tourist Remover" (Touristen-Entferner). Klingt wie der Titel eines Schwarzenegger-Films, ist aber eine Software, die das automatische Wegretuschieren beweglicher Objekte verspricht - wie Autos, Touristen oder eben Tante Frieda.

Nur Online verfügbar

Der "Tourist Remover" ist nicht im Laden erhältlich, sondern ein Bestandteil der Online-Fotoverwaltung www.snapmania.com. Die Registrierung ist kostenlos, neben 100 MB Speicherplatz und verschiedenen Organisationsfunktionen steht dann auch der Touristen-Entferner zur Verfügung. Gegen eine Monatsgebühr zwischen vier und sechs Euro bieten die Schweizer weitere Funktionen und mehr Speicherplatz.

Doch es ist noch zu früh aufzuspringen, um die CDs mit den Urlaubsfotos der letzten Jahre aus dem Keller zu holen. Zunächst gilt es zu verstehen, wie die Retusche-Software der Schweizer Firma futureLAB arbeitet. Dann werden die meisten Fotografen vermutlich feststellen, dass ihnen das Tool zurzeit nichts nützt.

Die Menge macht's

Der "Tourist Entferner" arbeitet nach einem einfachen Prinzip: Er vergleicht Bilder desselben Motivs, um festzustellen, welche Elemente feststehen und welche beweglich sind. Für die Arbeit benötigt der zugrunde liegende Algorithmus drei bis zehn nacheinander erstellte Aufnahmen, am besten fotografiert mit Stativ, aber zumindest mit einer ruhigen Hand. Im Rahmen der Serie sollte außerdem jeder Bildausschnitt einmal ohne störende Elemente sichtbar sein. Sonst weiß das Programm nicht, wie es hinter dem dicken Mann vorne rechts eigentlich aussieht.

Die Idee ist clever, es stellt sich nur die Frage, wie viele Urlaubsfotografen tatsächlich dasselbe Motiv mehr als ein-, zweimal fotografieren. Ein Griff ins Archiv wird häufig vergeblich sein. Und Profis greifen bei der Retusche direkt zu Photoshop. Nützlich wird das Tool wohl erst, wenn man bereits beim Fotografieren den Einsatz des "Tourist Removers" einplant und die entsprechenden Bilderserien macht.

futureLAB arbeitet bestimmt schon an Verbesserungen. Oder vielleicht an neuen Funktionen? Einige Vorschläge: "Eingeborenen-Einfüger", "Sonnenuntergang-Integrator", "Schwiegermütter-Schnurrbartanmaler".