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Großes Amazon-Event Amazon stellt neue Echos vor - und überrascht mit einem Angriff auf Spielkonsolen

Großes Amazon-Event: Der neue Echo Show kann sich bewegen - folgt dem Sprecher so durch den Raum
Der neue Echo Show kann sich bewegen - folgt dem Sprecher so durch den Raum
© Amazon / PR
Im jährlichen Alexa-Event hat Amazon zahlreiche neue Geräte gezeigt. Die größte Neuerung ist der überarbeitete Echo Show 10: Er kann Sie nun mit Blicken verfolgen. Doch auch Alexa selbst hat einige neue Tricks auf Lager. Der große Star war aber etwas anderes.

In seiner Heimat Seattle hat Amazon zum großen Alexa-Event geladen. In einer prall gefüllten Dreiviertelstunde zeigte der Konzern nicht nur die neuesten Echos – sondern hatte auch einen Großangriff auf die Konkurrenten Google, Sony und Microsoft im Gepäck. Der Preis für die gruseligste Neuerung geht aber an den neuen Echo Show 10.

Folgende Augen

Als Modell mit Bildschirm hatte der Show bisher eine Sonderrolle. Ein großes Thema Alexas ist für Amazon immer das sogenannte Ambient Computing: Der Computer hinter Alexa soll quasi im Raum verschwinden, man soll ihn aus jedem Winkel des Raumes benutzen können. Doch während das bei den anderen Echos problemlos geht, war man beim Echo Show immer darauf angewiesen, im richtigen Winkel darauf zu schauen – oder die Inhalte des Bildschirms nicht im Auge zu haben. Um das Dilemma zu beheben, hat sich Amazon eine – zugegebenermaßen etwas gruselig anmutende – Lösung ausgedacht: Sobald man mit Alexa interagiert, findet der Echo Show 10 nun genau heraus, wo sich der Sprechende im Raum befindet - und wendet sein Display dann geräuschlos immer zu der Person hin.

Die gut gemeinte Funktion wirkt zunächst befremdlich: Um dem Nutzer zu folgen, erkennt der Echo, wo eine Person spricht. Bewegt sich diese Person,  folgt ihr der Bildschirm und dreht sich lautlos mit ihr durch den Raum, schwenkt sich auch nach oben und unten. So sollen die Kochrezepte oder das Videogespräch immer im Blick des Nutzers bleiben. Wer die Kameras im Haus vorher schon gruselig fand, dürfte das kaum harmloser finden. Amazon verspricht allerdings, dass dahinter nicht Gesichtserkennung steckt, sondern nur "ein allgemeines Verständnis, wie eine Person im Raum wirkt", erklärte Echo-Chef Dave Limp während der Präsentation.

Alles abschaltbar

Um das Unwohlsein zu lindern, gibt es auch neue Privatsphäre-Funktionen. Die Kamera lässt sich physisch abschalten, das Verfolgen durch den Raum kann ebenfalls abgestellt werden. Und: Mit einem neuen Sprachbefehl kann man unkompliziert die Privatsphäre-Einstellungen ändern. Letzteres steht nun für alle Echos zur Verfügung. 

Um den Echo Show noch weiter aufzuwerten, hat Amazon ihn noch mit allerlei Tricks vollgestopft. So kann er neben den Serien von Amazon Prime Video nun auch Konkurrent Netflix per Sprache anzeigen. Zudem lässt er sich als Sicherheits-Kamera einsetzen, per Alexa-App oder andere Echo Shows kann man stets einen Blick in den Raum werfen. Über die Integration des Standards ZigBee ist er noch besser für die Steuerung des Smarthomes geeignet. Der neue Echo Show 10 kostet 250 Euro, durch die temporäre Mehrwertsteuersenkung sind es bis Ende des Jahres 243,69 Euro.

Die schicke Kugel-Form gibt dem neuen Amazon Echo auch mehr Raum für Klang
Die schicke Kugel-Form gibt dem neuen Amazon Echo auch mehr Raum für Klang
© Amazon / PR

Aus der Scheibe wird eine Kugel

Auch die klassischen Echos wurden überarbeitet. Der große Amazon Echo hat nun ein schickes, Kugel-Design mit Stoffüberzug. Der Signalring leuchtet nicht mehr am oberen Rand, sondern strahlt indirekt über seine Standoberfläche ab. Dabei soll er Dank eines 76-Milimeter-Woofers noch besser klingen verspricht Amazon. Zudem erhält er Features, die bisher teureren Modellen vorbehalten waren. Wie die Edel-Variante Echo Studio erkennt nun auch der einfache Echo die Akustik des Raumes und passt den Klang entsprechend an. Zudem erhält er eine native Unterstützung vieler Smarthome-Geräte über ZigBee, die vorher dem Echo Plus vorbehalten war. Der Preis ändert sich nicht: Er kostet wie sein Vorgänger 99 Euro, durch die Mehrwertsteuersenkung sind es aktuell 97,47 Euro.

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Auch der kleine Echo Dot bekommt ein neues Gewand. Aus dem kleinen Puck wird nun ebenfalls eine Kugel, aber eben eine etwas kompaktere. Durch seinen 41-Milimeter-Speaker soll er trotz des geringen Volumens auch beim Klang überzeugen und sogar etwas Bass bieten. Auch das laut Amazon sehr beliebte Modell mit einer durch den Stoff eingeblendeten Uhr ist zurück. Es ist sonst identisch mit dem einfachen Dot. Der Preis liegt bei 58,48 Euro für den Echo Dot und 68,22 Euro für den Echo Dot mit Uhr. Beide erscheinen auch als Spezialmodelle mit Panda- und Tigergesichtern, die Kinder besonders ansprechen sollen. Sie sollen zunächst aber nur in den USA erscheinen.

Der günstige Fire TV Stick bekommt ein Sparmodell

Der beliebte Streaming-Stick Fire TV Stick wird ebenfalls neu aufgelegt. Der neue 1,7-Ghz-Vierkernprozessor soll 50 Prozent mehr Leistung bei halbem Energieverbrauch bieten, verspricht Amazon. Der Stick unterstützt nun Wlan-Netze im 5-GHz-Betrieb. Die Auflösung liegt bei FullHD mit 60 Bildern die Sekunde. UHD-Auflösung unterstützt das Modell weiter nicht, dazu benötigt man immer noch das 4K-Modell. Auch der raumfüllende Klang von Dolby Atmos ist an Bord. Der Preis liegt wie beim Vorgänger bei 38,98 Euro. 

Noch günstiger ist der FireTV Stick Lite: Für nur 29,23 Euro bekommen Sparfüchse ein leicht abgespecktes Modell. Es ist technisch weitgehend identisch, laut Amazon fehlt nur die Unterstützung für Dolby Atmos, auch die Fernbedienung ist etwas einfacher gestaltet. Für viele Nutzer dürfte er trotzdem völlig ausreichen.

Wer schon einen FireTV besitzt, darf sich auf ein Update auf die neue Benutzeroberfläche freuen. Sie bietet nun Profile für jeden Nutzer, bei denen jeder von ihnen seine eigenen Lieblingsserien und sogar eigene Apps angezeigt bekommt. Das dürfte vor allem in vielen Familien für Erleichterung sorgen. Bisher waren die Horrorfilme der Eltern direkt neben den Kindersendungen gezeigt worden. Eine weitere Neuerung ist Picture-in-Picture. Hier kann man sich etwa das Bild seiner Sicherheitskamera der Amazon-Tochter Ring anzeigen lassen, ohne dafür die Serie oder den Film ausmachen zu müssen. Und auch Alexa-Fragen über die Fernbedienung nehmen nun nicht mehr den ganzen Bildschirm ein. Welche Fire-TV-Modelle genau das Update bekommen, will Amazon später verraten.

Angriff auf Google, Sony und Microsoft

Die größte Überraschung des Abends war die Vorstellung eines neuen Dienstes: Mit der Spielestreaming-Plattform Luna steigt Amazon in den Gaming-Markt ein. Das Konzept ist quasi dasselbe wie bei Google Stadia: Die Spiele werden nicht auf dem Wiedergabe-Gerät berechnet, sondern aus der Cloud darauf gestreamt. Der Kontroller verbindet sich direkt mit den Servern. So soll er sogar eine geringere Eingabeverzögerung bieten als über Bluetooth. Für die Wiedergabe können ein Fernseher mit Fire TV, aber auch ein Computer, ein Tablet oder ein Smartphone genutzt werden.

Der heimliche Höhepunkt der Präsentation: Testzocker spielten die Games offenbar auf einem iPhone. Das wäre deutlich spektatkulärer, als es zunächst wirkt: Apple hatte sich gegen ähnliche Angebote verweigert, Google Stadia oder Microsofts Gamepass laufen nur auf Android-Smartphones. Sollte Amazon tatsächlich ein Deal mit Apple gelungen sein, könnte Luna den Markt gehörig umkrempeln. Und das zum günstigen Preis: Während die gerade angekündigten Playstation 5 oder die neuen Xbox-Modelle ab 300 Euro erhältlich sind, kostet der Luna-Kontroller gerade mal 50 Dollar. Gemeinsam mit der tiefen Integration von Amazons Streaming-Plattform Twitch hat der Service so großes Potential. Der monatliche Preis von 6 Dollar ist interessant, wenn Amazon wollte, könnte es den Dienst zudem als Teil des Prime-Pakets anbieten.

Viele Produkte, wenig Zeit

Viele der neuen Produkte wurden in dem 45-Minuten-Marathon schnell abgehandelt. Amazons neue Routermodelle der Tochter Eero kamen nur am Rande vor, die Sicherheitskameras der Marke Ring richten sich vor allem an den US-Markt. Sie hatten allerdings eine spektakuläre Neuerung parat: Die Always Home genannte Kamera erlaubt es dem Nutzer, die Kamera als Drohne durch die Wohnung fliegen zu lassen, um nach dem Rechten zu sehen. Ob und wann die Geräte nach Deutschland kommen, muss sich zeigen.

Insgesamt fällt das Event aber deutlich spannender aus als in den letzten Jahren, als sich Amazon vor allem mit Spielereien wie einer Alexa-Wanduhr im Bahnhofslook oder schrägen Experimenten wie Sprachsteuerung in einer Brille oder einem Fingerring überraschte. Die neuen Echos wirken sehr schick, der zunächst merkwürdig wirkende Echo Show 10 tatsächlich durchdacht. Sie spannendste Ankündigung ist aber der Streamingdienst Luna. Hier hat Amazon eine offensichtliche Chance genutzt, die eigenen Dienste wie die Cloud-Plattform AWS, die eigenen Geräte und die Streaming-Plattform Twitch zu verbinden. Sollte der Dienst im Alltag überzeugen, könnte sich Amazon hier ein spannendes neues Standbein geschaffen haben.

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