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Google-Produktchef im stern: "Wir entwickeln unsere Produkte nicht auf Kosten anderer"

Sundar Pichai verantwortet bei Google alle Produkte, der starke Mann hinter Larry Page und Sergey Brin. Im stern-Interview spricht er über Europas Probleme und selbst fahrende Autos.

Google-Manager Sundar Pichai

Google-Manager Sundar Pichai

Auf der Hausmesse Google I/O präsentiert der Suchmaschinenriese alljährlich seine neuesten Entwicklungen. Besonders die Eröffnungs-Keynote strotzt vor Ankündigungen - in diesem Jahr zeigte Google-Produktchef Sundar Pichai unter anderem die nächste Android-Version, ein Betriebssystem für die nächste Generation an smarten Haushaltsgeräten und einen neuartigen Fotodienst. Der stern hat vor wenigen Tagen mit Sundar Pichai ein ausführliches Gespräch über die Google-Philosophie und neue Produkte geführt.

Herr Pichai, in Europa herrscht eine kritische Stimmung gegenüber Google. Das Europäische Parlament bringt die Aufspaltung ihres Konzerns ins Spiel, die EU-Kommission droht Ihnen mit einer Strafe von über sechs Milliarden Euro. Was verstehen die Europäer nicht?


Auch in den USA haben wir vergleichbare Debatten. Die digitale Wirtschaft steht für Veränderung, und diese Veränderung ist sehr schnell gekommen. Wir haben Verständnis dafür, dass die Größe eines Unternehmens politische Kontrolle nach sich zieht. Das ist in anderen Ländern ähnlich. So lange das ein gesunder Prozess ist, ist das gut für die Welt. Das ist die Aufgabe unserer Regierungen und unserer Demokratien.

Verprellt das Nutzer?


Ich sehe das gelassen, denn Tatsache ist, dass auch in Europa die meisten Nutzer unsere Produkte lieben. Dafür arbeiten wir hart. Ich wünschte, die Europäer könnten unsere Mitarbeiter und die Teams treffen. Die Menschen hier arbeiten mit einer optimistischen Grundhaltung, mit dem Ziel, Dinge zu verbessern.

Ist das in Europa anders?


Ich bin davon überzeugt, dass das auch auf Europa zutrifft. Die Europäer haben jedoch einen anderen historischen Hintergrund als die Amerikaner. Fragen des Datenschutzes haben dort - völlig zurecht - eine andere, größere Bedeutung. Datenschutz ist wichtig bei der Entwicklung neuer Technologien.

Das klingt sehr harmonisch, dabei stehen Sie in der Kritik.
In bestimmten Fällen ist die Charakterisierung dessen, was wir tun, ungenau.

Was meinen Sie damit?


Wir versuchen nicht, unser Geschäft auf Kosten von anderen zu entwickeln.

Das ist es, was die Kommission Ihnen vorwirft: Ihre Marktmacht bei der Suche gegenüber Wettbewerbern zu missbrauchen.


Wir entwickeln unsere Produkte nicht auf Kosten anderer. Wir versuchen, den Bedürfnissen der Nutzer zu entsprechen – und das versuchen wir für eine große Menge Nutzer zu tun. Natürlich sind nicht alle Partner immer glücklich. Das ist wie in der Demokratie. Es gibt viele Meinungen, und da muss man eine Linie finden – und das probieren wir. Und manchmal wird uns dann – zu unrecht - unterstellt, wir führten etwas im Schilde.

Die EU-Kommission möchte jetzt auch untersuchen, ob Sie Partner beim Umgang mit dem Betriebssystem Android wettbewerbswidrig behandelt haben.


Es gab ähnliche Untersuchungen in Südkorea und in den USA – und nirgends sind Belege für Missbrauch gefunden worden. Android ist sehr stark pro-Wettbewerb ausgerichtet, zum Nutzen der Verbraucher.

Sie sehen also keine Schwierigkeiten in Europa?


Es geht in erster Linie um gute Produkte. Aber für uns ist es auch wichtig zu verstehen, was für die Menschen in Europa wichtig ist – und unsere Prioritäten entsprechend zu setzen. Wir haben genau das zwar immer versucht, aber vielleicht müssen wir etwas ändern. Und dafür sind Partnerschaften wichtig. Wir streben nach tieferen Partnerschaften.

Das sind neue Töne.


Wir arbeiten schon jetzt viel mit Partnern zusammen. Bei groß angelegten Projekten machen wir als Google keine Alleingänge. Ich glaube nicht, dass irgendeine Firma damit erfolgreich sein könnte. Ein Produkt wie Android Auto etwa kann unter keinen Umständen erfolgreich sein, wenn die größten und besten Autohersteller der Welt es nicht integrieren.

Google steckt Milliardensummen in Zukunftsprojekte, etwa in Wifi-Ballons oder in selbstfahrende Autos, aber auch in medizinische Forschung und die Erforschung Künstlicher Intelligenz. Was sind Kriterien für ein Google-Projekt?
Nehmen wir uns ein Problem vor, dessen Lösung das Leben der Nutzer dramatisch ändern würde? Macht die Lösung einen Unterschied im Alltag? Und verändert diese Lösung das Leben von jedem Menschen auf der Welt, nicht nur von ein paar hundert Millionen. Das "für jeden Menschen" ist uns sehr wichtig. Darüber hinaus wollen wir weiter an unserer Mission arbeiten, das Wissen der Welt zu organisieren und dafür mehr und bessere Anwendungsmöglichkeiten für Menschen zu finden.

Verzetteln Sie sich mit den vielen Projekten nicht?


Wenn wir das Gefühl haben, dass wir mit der Hilfe einer neuen Technologie tatsächlich etwas maßgeblich zum Besseren verändern können, dann gibt es bei Google ein tief sitzendes Bewusstsein von Pflicht und Verantwortung, uns zu engagieren. So denken unsere Ingenieure. Und das wird auch nicht von oben orchestriert.

Das Geschäftsmodell ist weniger wichtig?


Wenn wir es schaffen, ein Problem der Nutzer auf eine besondere Weise zu lösen, dann hat das auch einen wirtschaftlichen Wert. Wenn man Werte schafft, kann man auch Werte abschöpfen. Für uns ist es in Ordnung, frühzeitig zu investieren, ohne ganz genau zu wissen, wie das Geschäftsmodell am Ende aussehen wird. Das war auch bei der Entwicklung von Android so.

Einige Investoren sind da skeptisch.


Dass wir mutig sind und langfristig investieren, heißt ja keineswegs, dass wir nicht auf die Disziplin achten. Wir wissen sehr genau, was wir etwa für die selbst fahrenden Autos ausgeben.

Sie haben mehrere Firmen gekauft, die sich mit Künstlicher Intelligenz beschäftigen. Gerade dieser Bereich weckt Ängste. Wie gefährlich sind Maschinen für uns Menschen?


Jede Technologie muss mit Bedacht entwickelt werden. Künstliche Intelligenz, Genforschung, der Umgang mit Gesundheitsdaten. Furchterregende Szenarien sind hier überall vorstellbar. Und natürlich gibt es Risiken, das war bei jedem technischen Fortschritt so, seit der Industriellen Revolution. Aber der Nutzen ist größer. Wir als Gesellschaft müssen einen konstruktiven Dialog führen. Was wäre, wenn jemand vor 20 Jahren das Internet mit einem Untergangsszenario beschrieben und wir es deshalb nicht vorangetrieben hätten. Ich glaube nicht, dass die Welt ein besserer Ort wäre.

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Interview: Florian Güßgen
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.