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50 Prozent Wertzuwachs in sechs Wochen: Das unerwartete Comeback des Bitcoin

Totgeglaubte leben länger: Der Bitcoin galt nach seinem raketenhaften Augstieg und dem ebenso spektakulären Absturz als erledigt. Doch nun nimmt die Cyber-Währung wieder Fahrt auf, der Kurs kletterte mehrfach über 10.000 US-Dollar. Und ein wichtiger Schritt steht erst im Mai bevor.

Der Bitcoin legte in den vergangenen Wochen zu

Der Bitcoin legte in den vergangenen Wochen zu

Jeder kennt ihn, aber kaum jemand kann ihn erklären: den Bitcoin. Die Digital-Währung ist ein Kind der Bankenkrise, erschaffen im November 2008, und trat an, die Finanzwelt für immer verändern. Davon ist der Bitcoin jedoch meilenweit entfernt: Jahrelang fristete er ein Nischendasein, 2017 folgte plötzlich ein regelrechter Goldrausch - und viele Menschen investierten ihr Erspartes in die Währung, die kaum jemand verstand. Das war den meisten auch egal, solange der Kurs nur eine Richtung kannte: nach oben. "To the Moon", bis zum Mond sollte der emporschießen, so die Anhänger. In der Spitze war ein Bitcoin fast 20.000 US-Dollar wert. Dann folgte der Absturz ins Bodenlose - und viele Träume platzten.

Unerwartete Bitcoin-Rallye

Die Talsohle war bei rund 3000 Euro erreicht, im vergangenen Sommer rappelte sich der Bitcoin auf mehr als 10.000 Euro auf. Bis Ende des Jahres 2019 ging es jedoch wieder auf 6500 Euro herunter. Seitdem gewinnt der Bitcoin wieder an Fahrt - und das schneller als zuvor: Innerhalb der ersten Jahreswoche stieg der Kurs um 12 Prozent, auch in der Woche danach legte er weiter zu. Nach einer kurzen Korrektur kletterte der Preis auf 8500 Euro. Es ist der beste Januar für den Bitcoin seit sieben Jahren.

Insgesamt steigt der Kurs innerhalb von sechs Wochen um knapp 50 Prozent, von 6500 auf 9400 Euro. Das sind umgerechnet mehr als 10.000 US-Dollar, eine wichtige Meilenstein-Marke. Die Bitcoin-Rallye zieht auch alle anderen Kryptowährungen - die sogenannten Altcoins - mit, darunter Ethereum und Litecoin. Insgesamt waren am 12. Februar alle Kryptowährungen zusammen 300-Milliarden Dollar wert - so viel wie seit einem halben Jahr nicht mehr.

Das sind die Gründe für den Bitcoin-Hype

Um nachvollziehen zu können, warum der Bitcoin so zulegen konnte, muss man zunächst sein grundlegendes Prinzip verstehen. Die Menge an Bitcoin ist auf 21 Millionen Stück limitiert, derzeit existieren rund 18,2 Millionen. Die Rechenkraft, die zum "Entdecken" neuer Bitcoins eingesetzt werden muss, steigt mit der Zeit deutlich an, wodurch die Menge immer langsamer wächst.

Die Knappheit macht den Bitcoin attraktiv für all jene, die damit gar nicht bezahlen wollen, sondern lediglich eine Anlagemethode suchen. Das zeigte der Iran-Konflikt Anfang des Jahres: Gold und Bitcoin verhielten sich gleich in jenen Tagen und zogen beide an. Wie gewöhnlich, wenn die Welt in den Krisenmodus schaltet. "Assets wie Kryptowährungen beweisen sich abermals als der vermeintliche Schutz in stürmischen Zeiten", erklärt Marktbeobachter Timo Emden der "ARD". Und auch das Wirtschaftsmagazin "Bloomberg" attestierte, Kryptowährungen würden von der Unsicherheit bezüglich des Corona-Virus profitieren. Wenn die Aktienmärkte unruhig werden, suchen einige ihr Seelenheil in spekulativen, aber lukrativen Kryptowährungen.

Winklevoss Facebook Zuckerberg

Folgen des Bitcoin-Halving unklar

Was den Bitcoin-Kurs ebenfalls befeuert: Im Mai 2020 steht das dritte sogenannte Halving an. Dieser Prozess wurde vom legendären, bis heute unbekannten Erfinder Satoshi Nakamoto eingebaut. Dabei halbiert sich vereinfacht gesagt die Menge an ausgeschütteten Bitcoins. Wurden in den Anfangstagen alle zehn Minuten 50 neue Bitcoins generiert, waren es nach dem ersten Halving 2012 nur noch 25. Mitte 2016 sank die Menge auf 12,5, im Mai 2020 entstehen alle zehn Minuten nur noch 6,25 neue Bitcoins.

Das Angebot sinkt, die Nachfrage bleibt konstant, der Preis muss also steigen - so lautet zumindest die Theorie. Und ein Blick zurück zeigt: Nach jedem Halving ging der Kurs über 12 Monate stets nach oben. Gut möglich, dass diese Erwartungen in den aktuellen Kurs bereits eingepreist sind. Nun ist ein Blick in die Vergangenheit kein Beleg dafür, dass sich Dinge in der Zukunft wiederholen. Denn einige Kritiker merken an, dass die Produktionskosten für jeden Bitcoin steigen und der Preis so sogar gedrückt werden könnte.

Die Angst, etwas zu verpassen

Kommt nun also das große Comeback von Bitcoin, Ethereum und Co.? Gut möglich, zumindest, wenn bei den Anlegern die Angst, etwas zu verpassen überwiegt, wie es Ende 2017 bereits einmal der Fall war. Dieser Effekt verstärkt sich immer weiter und führt zu kurzfristig überzogenen Kurssteigerungen. Gier frisst bekanntlich Hirn, das zeigte sich in der Vergangenheit nicht nur einmal.

Einige Analysten kommen angesichts der jüngsten Entwicklungen und des bevorstehenden Halvings bereits ins Schwärmen und träumen von Kursen jenseits von 40.000, 100.000 oder gar 300.000 US-Dollar je Bitcoin. Es sind Zahlen, die vielversprechend klingen - aber jeglicher Grundlage entbehren.

Lesen Sie auch: Jordan Belfort war der echte "Wolf of Wall Street". Er zockte Millionen ab und wanderte dafür ins Gefängnis. Der Finanzexperte riet bereits 2017 von der Investition in Kryptowährungen ab.

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