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Crowdfunding-Plattform Kickstarter: Geldregen aus dem Netz

Julie Uhrman hat eine tolle Idee, doch ihr fehlt das Geld: Mit einer Android-Spielkonsole will sie den Videospielmarkt aufrütteln. Jetzt hilft ihr das Netz - und sammelt 2,8 Millionen Dollar in nur zwei Tagen.

Von Christoph Fröhlich

Julie Uhrman liebt Videospiele. Am liebsten daddelt sie auf einem großen Fernseher mit laut aufgedrehten Boxen. Doch zu ihrem Leidwesen verdrängen Smartphones und Tablets die klassischen Spielkonsolen immer mehr. Das könne so nicht weitergehen, dachte sich die US-amerikanische Gamerin - und entwickelte mit ihrer Firma eine eigene Konsole namens Ouya. Ausgestattet mit dem Google-Betriebssystem Android soll die Konsole die Handyspielchen auf den großen Bildschirm bringen - und das für lediglich 99 Dollar.

Einen funktionierenden Prototyp gibt es bereits. Aber: Die Entwicklung und massenhafte Produktion der Konsole kostet 950.000 Dollar, das Vermögen von Freunden und Bekannten ist bereits aufgebraucht. Um ihr Projekt zu realisieren, präsentierte sie Ouya auf der Finanzierungsplattform Kickstarter. Zwei Tage ist das her, mittlerweile hat sie 2,6 Millionen Dollar eingesammelt. Das Projekt läuft noch 28 Tage, und es hat gute Chancen, das bislang erfolgreichste Kickstarter-Projekt zu werden.

Seit 2008 gibt es Kickstarter, das Prinzip der Seite nennt sich Crowdfunding, auf Deutsch Schwarmfinanzierung. Statt Großinvestoren mühselig von der eigenen Geschäftsidee zu überzeugen, präsentieren die Kreativen ihre Projekte der Netzgemeinde. Der Einstieg ist simpel: Jeder Vorschlag muss lediglich erklärt und die für die Umsetzung erforderliche Summe festgelegt werden.

Gefällt den potentiellen Kunden das Projekt, können sie eine selbstgewählte Summe investieren. Erst wenn die zuvor festgelegte Zielmarke erreicht wird, wechselt das Geld den Besitzer, ansonsten gehen der Projektersteller und die Interessenten leer aus. Jetzt zahlen, später etwas bekommen - das ist das Prinzip von Kickstarter.

Vorgestellt werden darf alles, wenn es die Richtlinien des Anbieters erfüllt. Kickstarter sieht sich als Plattform für Kreative, ausgenommen sind deshalb "Finanziert mein Leben"-Projekte, Wohltätigkeitsspenden und verbotene Produkte wie Alkohol oder Waffen.

Vom Comiczeichner zum Millionär

Große Aufmerksamkeit erreichte die Plattform im Frühjahr 2012 durch einige größere Projekte: Im Januar entschied sich der Comic-Autor Rich Burlew, seine Buchreihe "The Order Of The Stick" nachdrucken zu lassen, die sich vor allem bei Nerds großer Beliebtheit erfreut. Knapp 60.000 Dollar brauchte er, am Ende sammelte er 1,25 Millionen Dollar von fast 15.000 Spendern.

Auch Joshua Harker aus Chicago profitierte von Kickstarter: Der Künstler fertigt aus verschiedenen Materialien aufwendig verzierte Totenköpfe und wollte mit lediglich 500 Dollar seine Kosten refinanzieren. Nach 30 Tagen drückten mehr als 7500 Menschen den Like-Button seines Projekts, fast 1000 spendeten mehr als 77.000 Dollar. Jetzt muss er noch einige Schädel mehr basteln, darf sich dafür aber über eine fünfstellige Summe freuen. Die beiden Fälle zeigen: Alles was man braucht, ist eine gute Idee.

Wer gibt, bekommt

Genauso wichtig ist es aber auch, die potentiellen Investoren von der Idee zu überzeugen: Um freiwillig Geld ausgehändigt zu bekommen, appelieren viele Projektentwickler an die Emotionen ihrer zukünftigen Käufer und zeigen Gemeinsamkeiten auf. "Wir lieben Videospiele" heißt es in der Erklärung zur Android-Konsole Ouya. Und nur gemeinsam mit dem Schwarm könne das Gerät Wirklichkeit werden, versprechen die Macher: "Alles was wir brauchen, bist du." Das Motto ist klar: von Fans, für Fans. Jeder könne dabei helfen, etwas Großes zu realisieren, egal wie klein die Spende auch ist.

Doch das Geld gibt es nicht nur für puren Idealismus. Selbstverständlich wollen die meisten Kleininvestoren nach der Zahlung auch etwas in den Händen halten: 90 Prozent der Interessenten haben bei Ouya 100 Dollar oder mehr gespendet, denn erst dann gibt es die begehrte Konsole nach Fertigstellung. Auch andere Entwickler versuchen, die Spendenbereitschaft mit Zugaben anzukurbeln: Comicautor Burlew schenkt jedem Kleininvestor, der mehr als zehn Dollar spendet, einen extra für Kickstarter designten Kühlschrankmagneten. Für mehr als 50 Dollar gibt es ein Poster, bei 300 alle sieben Bücher mit Widmung, Magneten und diversen anderen Goodies. Ein Fan überwies mehr als 5000 Dollar und wurde zum Dank als Comicfigur in einer Geschichte verewigt. Auf diese Weise profitieren beide Seiten: Der Fan erfüllt sich einen Lebenstraum und der Zeichner verdient seinen Lebensunterhalt.

Bislang gibt es Kickstarter nur in den USA. Für die Geldabwicklung ist ein US-Konto nötig, weshalb Kreative außerhalb der Staaten auf Freunde oder Bekannte in dem Land angewiesen sind. Der selbstständige Grafik-Designer Axel Pfaender aus Berlin, der sich mit der Boombox einen Namen machte, musste sein Kickstarter-Projekt deshalb über eine gute Freundin in den USA abwickeln. Es hat sich gelohnt: Der extravagante iPhone-Lautsprecher aus Pappe spülte 20.000 Dollar in die Kasse, benötigt waren nur 14.000.

Hauptgewinn oder Niete?

Ab Herbst wird Kickstarter auch nach Europa expandieren, allerdings zunächst nur nach Großbritannien. Ob der Dienst auch nach Deutschland kommen wird, ist bislang nicht bekannt. Zu lange warten sollte der Anbieter aber nicht, denn hierzulande gibt es bereits erste Nachahmer. Einer der größten ist das Dresdner Unternehmen Startnext. Im Vergleich zum US-Vorbild wirkt das aber noch schmächtig: Seit Herbst 2010 realisierte die Ideenschmiede aus Sachsen 281 Projekte und vermittelte knapp eine Million Euro. Mehr als das Zehnfache sammelte Kickstarter allein bei einem Projekt namens Pebble, einer Uhr, die Daten vom Smartphone empfangen kann. Sie zeigt beispielsweise die gelaufenen Kilometer oder den aktuellen Song und begeisterte fast 70.000 Geldgeber.

Die Plattform profitiert von jedem erfolgreichen Deal: Fünf Prozent des Endbetrags gehe auf das Konto der Kickstartergründer. Und auch Amazon verdient kräftig mit: Drei bis fünf Prozent der jeweiligen Investition gehen an den Online-Shop, da die Plattform das Kreditkarten-Bezahlsystem von Amazon nutzt.

Doch was passiert, wenn ein Projekt erfolgreich finanziert wird, es aber nie umgesetzt wird? Kickstarter bittet die Projektentwickler, die Kunden immer auf dem neuesten Stand zu halten, beispielsweise bei unvorhergesehenen Verzögerungen. Dennoch übernimmt das Unternehmen bei Betrug keine Verantwortung. Stattdessen mahnen die Betreiber zur Vorsicht: "Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist es das vielleicht auch nicht." Wie auch im echten Leben können sich Investitionen als Niete herausstellen.

Die Entwickler und Fans der Ouyo-Konsole sind bislang optimistisch: Bereits im März 2013 sollen die ersten Geräte an Kunden verschickt werden. Doch bis dahin kann noch viel passieren.

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.