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Das WWW wird 20 - mal wieder: Hereinspaziert in dieses "World Wide Web"!

Offiziell ist das WWW vor zwei Jahren 20 geworden, doch seitdem gibt es immer wieder wichtige Entwicklungsschritte des Web, die es zu feiern lohnt. Jetzt jährt sich zum 20. Mal der Moment, als sein Schöpfer Tim Berners-Lee erstmals Nutzer in sein Netz einlud.

Alt.hypertext nannte sich die Diskussionsgruppe, auf der Tim Berners-Lee am 6. August 1991 im Internet eine Beschreibung seines Projekts veröffentlichte. Mit den Worten "Probiert es aus" lud der britische Physiker die Mitglieder der immer #link;news:alt.hypertext;noch existierenden, aber verwaisten Newsgroup# in sein "World Wide Web" ein. Es war kein revolutionäres Ereignis vor großem Publikum, und anfangs tauschten lediglich Computer-Experten aus Forschungseinrichtungen Neuigkeiten über die digitale Nachrichtenbörse aus. Und doch war Berner-Lees Einladung in das "www" an jenem Tag vor 20 Jahren ein wichtiger Schritt bei der Entwicklung des Internets zu einem Kommunikationsmedium, das heute das Leben von Milliarden Menschen prägt.

Mit seiner digitalen Nachricht warb Berners-Lee erstmals öffentlich um Mitstreiter für seine Idee, an der er seit zwei Jahren gearbeitet hatte. Am europäischen Kernforschungszentrum Cern bei Genf suchte der britische Physiker nach Möglichkeiten, das in den 1970er Jahren von Militärs entwickelte Internet für einen größeren Kreis für die Kommunikation nutzbar zu machen. Erst sein World Wide Web verschmolz die im Internet vernetzten Rechner zu einer Einheit, in der man bequem von Homepage zu Homepage surfen kann - auf der Suche nach Videos oder Freunden in sozialen Netzwerken.

Jubliäum: So entstand das Internet

Einfacher finden, was man sucht

Das Problem, das Berners-Lee löste, war der automatische Zugriff auf die im Internet digital gespeicherten Informationen. Wer wusste, welches Dokument er lesen wollte und wo es genau zu finden war, konnte schon vorher einen Rechner im Internet anwählen und Dateien herunterladen - sofern er über die richtigen Programme verfügte. Das aber war höchstens etwas für Computerprofis.

Erst Berners-Lees World Wide Web brachte entscheidende Vereinfachungen: Internetfähige Rechner kommunizierten dort in einer gemeinsamen "Sprache", die ihnen automatische Kommunikation und Datenaustausch ermöglichte. Diese Sprache - das Hypertext Transfer Protocol (http) - ist bis heute in Gebrauch. Webbrowser - bis dato unbekannte Werkzeuge - übersetzten Suchbefehle in http-Anfragen, die von Servern im Netz verstanden werden. Der Browser übernahm es auch, die von dort zurückgeschickten Text-, Grafik- und Bilddokumente auf dem heimischen Bildschirm darzustellen. Dieses keine Fachkenntnisse verlangende System revolutionierte das Internet und machte es zu dem Massenmedium, das es heute ist.

Das "Surfen" war geboren

Die zweite Innovation war der Einbau von sogenannten Hypertext-Links in die Dokumente, die auf Internet-Servern lagen - digitale Querverweise auf weitere Dokumente. Auf diese Weise konnten Nutzer leicht von einem Dokument zu einem anderen weitergeleitet werden. Es genügte, per Mausklick den Link auf der ersten Seite anklickten, die der Browser anzeigte, und sie kamen zu einer anderen, die sie vielleicht noch gar nicht kannten. Das "Surfen" war geboren.

"Das Internet gab es schon, aber die Verknüpfung von Dokumenten ist es, die das 'www' ausmacht", erklärt Professor Phuoc Tran-Gia, Sprecher des Zentrums für Internet-Forschung an der Universität Würzburg. Noch heute funktioniere das Web nach den Mechanismen, die Berners-Lee entwickelte. Allein in Deutschland gehen laut Branchenverband Bitkom inzwischen 51 Millionen Menschen online, rund Dreiviertel der Deutschen. Weltweit bilden Millionen Server das Rückgrat des World Wide Web.

Fast bescheiden klingen demgegenüber die Ambitionen, die Berners-Lee vor 20 Jahren formulierte: "Ein einfaches, aber machtvolles Informationssystem" stelle er sich vor, schrieb der Brite in seiner Einladung vom 6. August 1991. Einige Monate später, im Dezember 1991, ging in den USA der erste Webserver außerhalb Europas ans Netz. Der Siegeszug des WWW begann.

Sebastian Bronst, AFP / AFP