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"From the Desk of Donald J. Trump" Donald Trump hat jetzt sein eigenes Twitter, doch die versprochene Revolution bleibt aus

"From the Desk of Donald J. Trump": Donald Trump hat jetzt sein eigenes Twitter, doch die versprochene Revolution bleibt aus
Sehen Sie im Video: Ex-US-Präsident Donald Trump macht sein eigenes Twitter.




Seit dem Sturm seiner Anhänger auf das Kapitol in Washington ist Ex-US-Präsident Donald Trump von Twitter, Facebook und der Videoplattform Youtube ausgesperrt worden. Seitdem ist es für Trump deutlich schwerer geworden, seine Botschaften unter das Volk zu bringen. Um das zu ändern, hat er jetzt ein neues Kommunikationsmittel ins Leben gerufen: eine Blog-Funktion auf seiner Website. Diese erinnert ein wenig an Twitter. Allerdings sind ausschließlich die Beiträge von Trump zu lesen. Seine Anhänger können einzelne Beiträge wie bei Twitter mit einem Like versehen und sich auch über neue Posts benachrichtigen lassen. Wer will, kann theoretisch jeden Trumpbeitrag mit wenigen Klicks als Zitat und Link bei den Onlineplattformen teilen. Wenn es denn Twitter und Co. auch zulassen. Am Mittwoch will Facebooks unabhängiges Aufsichtsgremium Oversight Board verkünden, ob der Ex-Präsident weiter von der Plattform ausgeschlossen bleibt oder zurückkehren darf. Twitter betonte dagegen bereits, dass es für ihn keinen Weg zurückgebe. YouTube will nach eigenen Angaben sein Profil entsperren, wenn das Risiko von Gewalt gesunken sei.
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"Bahnbrechend" sollte seine neue Plattform sein, ließ Donald Trump vor seiner Rückkehr in die sozialen Medien verkünden. Die US-Medienkonzerne wurden entsprechend unruhig. Jetzt ist die Plattform da. Und fällt eine Nummer kleiner aus.

Mit vielen großen Versprechungen hatte der Ex-Präsident Donald Trump für seine Rückkehr in die sozialen Medien getrommelt. "Das wird die heißeste Nummer in den sozialen Medien. Es wird bahnbrechend sein", kündigte sein Berater Steven Miller im März bei "Fox News" an. Doch die Angst der Medien vor dem potenziellen neuen Giganten dürfte sich schnell aufgelöst haben.

Obwohl der Ex-Präsident schon sehr lange mit der Gründung eines eigenen Medienkonzern liebäugeln soll, ist die neue Plattform weit davon entfernt. Das nun mit viel Trara enthüllte "From the Desk of Donald J. Trump" - Von Donald J. Trumps Schreibtisch - ist keine Revolution. Sondern nur ein an Twitter angelehnter Teil seiner Webseite.

"Leuchtfeuer der Hoffnung"

Natürlich wird das dort anders gesehen. In einem mit viel Pathos belegten Clip stellt sich Trump dort "einer Zeit der Stille und der Lügen" entgegen. Aus seinem Wohnsitz in Mar-a-Lago würde ein "Leuchtfeuer der Hoffnung" aufgehen, ein Hafen der Meinungsfreiheit, direkt vom Schreibtisch des ehemaligen Präsidenten. Mit einer klaren Mission: "Rettet Amerika", endet der Clip.

In der Praxis kann dort aber nur einer sprechen: Donald Trump selbst. Die Seite listet in gewohnt angreifender Manier formulierte Statements Trumps auf. Die Interaktion der Nutzer beschränkt sich auf das Liken der Post, das zur Zeit noch nicht zu funktionieren scheint, sowie auf das Teilen bei Facebook und Twitter. "Es geht nur in eine Richtung", bestätigte eine Person aus dem Umfeld des Ex-Präsidenten gegenüber "Fox News". "Es erlaubt Donald Trump, seine Anhänger anzusprechen." Eine weitere Interaktion mit dem ehemaligen Präsidenten könnte nach Angaben seines Beraters Jason Miller "zu einem späteren Zeitpunkt" folgen.

Trump twitterte nicht immer selbst

Wer die Posts vom Schreibtisch Trumps verfasst, ist noch nicht ganz klar. Die bisherigen Posts sind zwar klar im Duktus Trumps verfasst, sind angreifend und oft beleidigend. Im Vergleich zu zahlreichen Tweets wirken sie aber nach wie vor gesetzter, etwas zurückhaltender als die oft klar in Hast geschriebenen Tweets. Auch die Großstelltaste und bei Trump-Tweets typischen Einschub-Sätze wird weniger genutzt. 

Schon in der Vergangenheit hatte Trump oft twittern lassen. Tagsüber übernahm sein Social-Media-Manager Dan Scavino seinen offiziellen Account, ließ sich die Themen oder auch ganze Formulierungen diktieren. Der einfache Grund: Trump braucht eigentlich eine Brille, um das Smartphone-Display wirklich gut ablesen zu können. Der Ex-Präsident ließ sich aber nicht gerne mit Brille ablichten. Erst wenn er in den Abend- und Nachtstunden Ruhe von den Kameras hatte, übernahm Trump wieder selbst. Das war auch am Ton und im Stil der Tweets zu bemerken. Es wird sich zeigen, welcher Ton bei der neuen Plattform vorherrscht.

Keine Medien-Revolution

Für die Medienkonzerne dürfte die Enthüllung ein Aufatmen zur Folge haben. Vor allem die konservativen US-Medien hatten einen großen Aufschlag des ehemaligen Amtsinhabers als mögliche Konkurrenz befürchtet. Trump ist unter den republikanischen Wählern immer noch extrem beliebt, seine Auftritte bei TV-Sendern ziehen immer noch Aufmerksamkeit auf sich. Seit Joe Bidens Amtsantritt sind bei sämtlichen Netzwerken die Zuschauerzahlen gesunken, die konservativen Medien waren besonders betroffen. 

Jim Carrey und Donald Trump

Kein Wunder, dass seinen hochtrabenden Medien-Plänen großes Potenzial zugetraut wurden. "Diese 'Regierung im Exil' wäre eine clevere Marketing-Masche. Ein Präsident, der nie aufgibt, könnte viele Menschen in sein Medien-Business locken", war etwa der Medien-Forscher Gordon Stables im März überzeugt. Damals war aber auch noch eine deutlich größerer Aufschlag mit einem eigenen Video- und News-Bereich erwartet worden.

Twitter-Entzug

Die aktuelle Variante dürfte aber vor allem Trumps eigenem Bedürfnis zur Selbstdarstellung dienen. Schon lange vor seiner Präsidentschaft hatte er sich in TV-Auftritten gerne selbst dargestellt, jahrelang seine Follower bei Twitter unterhalten. Seine geschickte Nutzung des sozialen Netzwerks gilt als Grundlage dafür, dass er überhaupt die Präsidentschaft gewinnen konnte. Im Januar war dann auf einen Schlag Schluss: Nach dem Sturm auf das Kapitol sperrten ihn sämtliche großen Sozialen Medien innerhalb kürzester Zeit, weil er immer weiter Öl ins Feuer groß.

Seitdem soll Trump auf Entzug sein, berichteten Insider immer wieder. Dabei wurden seine Maßnahmen immer verzweifelter. Nachdem er zunächst einfach die Accounts aus seinem Umfeld gekapert hatte und auch dort gesperrt wurde, griff Trump zu immer skurrileren Mitteln, um sein Mitteilungsbedürfnis zu befriedigen. Besucher seiner Golf-Ressorts Mar-A-Lago berichteten, dass Trump ihnen während Gesprächen vorschlug, doch seine Aussagen zu twittern. Er habe sogar Zettel mit Beleidigungen verfasst, um sie anderen als mögliche Posts aufzudrängen, berichteten mehrere Zeugen.

Mit der neuen Plattform dürfte das nicht mehr nötig sein. Da sie auf der Seite des Ex-Präsidenten gehostet wird, wird ihm dort keine Sperre drohen. Die Reichweite von Twitter wird Trump aber so kaum erreichen. Zum einen waren ihm ein großer Teil seiner zum Ende 88 Millionen Follower auch deshalb gefolgt, weil er als Präsident bei Twitter direkt Politik gemacht hatte. Hinzukamen die treuen Fans, die jeden der Tweets weiter teilten und Medien, die über die Tweets berichteten. Auf diese Effekte wird der Ex-Präsident auf seiner eigenen Plattform kaum hoffen dürfen.

Quellen: From the Desk of Donald J. Trump, Fox News


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