Ebay-Läden Die Internet-Trödler


Überall in Deutschland öffnen Verkaufsagenturen für Ebay. Kunden bringen Ware vorbei und lassen sie versteigern. Das ist bequem - aber nicht unbedingt billig.

Eigentlich guckt der Teddybär ganz knuffig. Und er ist ein romantisches Nikolausgeschenk ihres Mannes. Trotzdem will Charlotte Witten, 52, das einen Meter große Stofftier loswerden. Jetzt sitzt das Viech im Clever & Easy-Auction-Shop in Hannover auf der Theke. Und der Ladenangestellte Marcus Nachtigall, 27, überlegt, wie viel der Teddy beim Online-Auktionshaus Ebay wohl bringt.

Einen Computer besitzt sie nicht, den Staubfänger möchte Charlotte Witten trotzdem über das Internet versteigern. Ebay ohne PC: Clever & Easy fotografiert den Artikel, schreibt eine griffige Beschreibung und stellt das Angebot ins Internet.

Ebay – auch offline

Der "Ebay im Laden"-Service ist die neueste Geschäftsidee im Sog des immer noch wachsenden Internet-Marktplatzes. Mehr als 14 Millionen Besucher zählte Ebay.de etwa im vergangenen September. Über zwei Millionen Artikel und Dienstleistungen sind ständig im Angebot. Wer zu bequem ist oder zu wenig Zeit hat, kann den Marktplatz dank der Annahmestellen jetzt auch offline nutzen.

Fast jede Woche eröffnet irgendwo in Deutschland ein hoffnungsvoller Jungunternehmer eine Ebay-Verkaufsagentur. Das Prinzip ist einfach: Verkaufsinteressenten bringen die Ware vorbei. Der Verkaufsagent nimmt sie bei Gefallen an und versteigert sie bei Ebay unter eigenem Namen. Dafür kassieren Läden wie BestEnd in Berlin oder Dropshop in München eine Provision. Sie sind moderne Trödler mit Internetanschluss.

Die Idee stammt aus den USA

Die Idee ist genial einfach und stammt aus den USA. Der Pionier Auction Drop betreibt bereits vier Filialen südlich von San Francisco, nahe dem Ebay-Hauptquartier im Silicon Valley. Oliver Blume aus Hannover hat die Amis überrundet und schon fünf Clever & EasyLäden eröffnet. Bis Ende 2004 sollen 100 Filialen deutschlandweit Ebay-Artikel annehmen. In ein paar Wochen sogar die erste im Ausland, in London.

14 Tage Gnadenfrist

Im Lager von Clever & Easy stehen wertvolle Antiquitäten aus einem Schloss, eine Tüte mit Zinnsoldaten, Skistöcke und kiloschwere Märklin-Loks im Spur-I-Format - das kunterbunte Ebay-Sortiment im kleinen Maßstab. Zweimal sieben Tage werden die Artikel bei Ebay angeboten. Was dann nicht weggeht, muss der Kunde abholen, oder es wird für einen guten Zweck gespendet.

Der Teddybär findet schließlich einen Liebhaber, der 15,50 Euro zahlt. Clever & Easy kassiert 3,50 Euro Grundgebühr und nimmt eine 15-prozentige Provision. Ebay erhebt fünf Prozent Gebühren. Für Charlotte Witten bleiben 8,56 Euro übrig.

Die Provisionen der Läden sind happig, aber sie haben ja auch die ganze Arbeit. Dropshop in München behält bei Erlösen bis 200 Euro pauschal 45 Prozent vom erzielten Verkaufspreis. "Die Kunden nehmen das an", sagt Geschäftsführer Gerry Haag.

Im Gegensatz zu den reinen Ebay-Verkaufsagenturen bietet Dropshop Bücher, CDs oder Computerspiele zusätzlich auch beim Amazon.de-Marketplace an. Das erhöht die Verkaufschancen.

Ebay-Annahmestellen wird es vermutlich mehr und mehr geben. Bei Gerry Haag wie auch bei Oliver Blume rufen immer wieder Menschen an, die ihren eigenen Laden aufmachen wollen und Rat suchen. Ein buntes Logo im Schaufenster ist allerdings kein Prüfsiegel für einen zuverlässigen Verkäufer. "Die Ladenbetreiber machen das in eigener Verantwortung", erklärt Ebay. Ob ein Verkaufsagent vertrauenswürdig ist und seine Arbeit ordentlich macht, muss jeder Kunde selbst erfahren und entscheiden - genauso wie im Internet.

Dirk Liedtke print

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