Elektronik-Importe Erst rechnen, dann kaufen


Der schwache Dollar macht aus den USA importiere Elektronik billig wie nie. Doch Zoll, Steuer, Garantie-Bestimmungen und nicht kompatible Technik schmälern die Freude am Warenimport. stern.de sagt, worauf Käufer achten sollten.
Von Peter Kusenberg

280 Euro kostet eine Playstation - in den USA. Das ist verlockend günstig, immerhin pappt an Sonys schmuckem Zehn-Pfünder in deutschen Märkten ein 399-Euro-Preis-Schild. Apples schicken iPod Touch gibt es zwischen Los Angeles und New York für den gleichen Preis in Dollar wie hierzulande in Euro. Der Dollar ist schwach - ein fast 400 Euro teurer iPod Touch wird in der US-Abteilung des Online-Händlers Amazon deshalb für umgerechnet 280 Euro angeboten. Wer eh einen Trip nach New York plant oder geschäftlich in Übersee unterwegs ist, lässt sich gern von den niedrigen Preisen verlocken. Doch auch in Lübeck und Ulm klicken die Menschen auf Amazon.com, geeks.com, Circuitcity.com oder andere US-Händler-Seiten und erwägen, ihr Weihnachtsgeld in die Schnäppchen zu investieren. Doch sollte man sich nicht nur von den Preisen blenden lassen: Steuen und Zoll machen die vermeintlichen Sonderangebote schnell teuer.

Doppel-Steuer

Doch wer bei einem US-Händler einen MP3-Player, ein mobiles DVD-Abspielgerät oder einen Laptop bestellt, der muss Steuern zahlen. Zusätzlich zu den amerikanischen, meist einstelligen Prozent-Steuerbeträgen kommen die Deutschen hinzu - im Extremfall bis zu 19 Prozent Einfuhrsteuer als Ausgleich für die hiesige Umsatzsteuer. Dazu kommen Zollgebühren für Geräte der Unterhaltungselektronik, Computer und Computer-Zubehör darf zollfrei importiert werden. So kostet eine Digitalkamera den Einkaufspreis in Dollar plus Zollgebühr plus Einfuhrsteuer: also beispielsweise eine Lumix DMC TZ3K von Panasonic 235 Dollar (etwa 164,50 Euro) plus 24 Prozent - das macht insgesamt 204 Euro. Dazu kommen Versand- und Verpackungsgebühren, die im Falle einer Express-Sendung via Luftfracht einen zusätzlichen zweistelligen Euro-Betrag ausmachen. Dennoch lässt sich so Geld sparen - falls das Gerät nicht beim Transport kaputt geht.

Garantiert umständlich

Die meisten Hersteller digitaler Geräte leisten unentgeltlich nötige Reparatur-Arbeiten und beheben Produktionsfehler. Allerdings gilt die Garantieleistung meist nur für ein bestimmtes Territorium: "Garantieansprüche auf in den USA gekaufte Playstations können Sie in Deutschland leider nicht geltend machen, Sie müssten die Konsole im Fall der Fälle in die USA zurückschicken", erklärte ein Sprecher von Sony Computer Entertainment auf Anfrage. Apple macht Ausnahmen bei einigen Geräte-Klassen, so dass ein US-iPod, der in Europa registriert ist, im Garantie-Fall an eine deutsche Adresse geschickt werden kann. Das spart nicht nur Porto, das spart auch Zeit. Denn Amazon gibt normale Lieferzeiten von bis zu 35 Tagen an, bei Service-Werkstätten kann das entsprechend länger dauern.

US-Technik gegen Euro-Technik

Doch selbst, wenn das Gerät problemlos seinen Dienst verrichtet: Das Menü des MP3-Players ist englisch, die Lautstärke ist Innenohr-schädigend hoch, da es in den USA keine vergleichbaren Verordnungen zum Schutz des Gehörs gibt. Wer einen US-Laptop bestellt, muss mit einer amerikanisch belegten Tastatur leben. Und er braucht einen Adapter für das Stromkabel, denn erstens sind amerikanische Steckdosen anders geformt als deutsche, zweitens beträgt die Spannung in den USA 110 Volt, in Deutschland hingegen 220 Volt. Die meisten Geräte funktionieren auch hier, doch es ist sinnvoll, sich vorher zu erkundigen, ob das Gerät beim 220-Volt-Betrieb keinen Schaden nimmt.

Besonders abzuraten ist vom Kauf eines Fernsehers oder eines sonstigen TV-Produkts. Abgesehen vom hohen Gewicht und den damit verbundenen Transportkosten: In den USA gilt die Fernsehnorm NTSC, in Europa ist PAL verbreitet. Manche Geräte beherrschen beide Normen, und HD-Geräte, also Fernseher für hoch auflösende Bilder, lassen sich universell einsetzen. Doch europäische Film-DVDs lassen sich nicht auf US-Geräten abspielen, weil dort der Ländercode 1 gilt, was den Kauf von US-DVDs verlangt.

Zoll und Schadensersatz

Die Playstation 3 mag hierzulande 120 Euro teurer sein, doch wer sie in Deutschland kauft, erspart sich eine Menge Ärger. Bei kleineren Geräten wie einem MP3-Player von Cowon, Sandisk oder Apple ist eine US-Bestellung erwägenswert, tatsächlich spart der Käufer nach Addition von Steuern, Zoll und Versandkosten nur wenige Euro. Der Zoll informiert unter www.zoll.de über die genauen Bedingungen der Einfuhr von Waren aus Nicht-EU-Ländern; große Anbieter wie Amazon erledigen die Zollformalitäten, indem sie die Gebühren vorab kassieren und an den deutschen Zoll abführen.

An Zoll-Hinterziehung sollten Privat-Importeure nicht denken: Die deutschen Beamten kassieren in dem Fall saftige Strafgebühren - und selten kommt die Kontrolle nicht vor: Um Produkt-Fälschungen zu konfiszieren, kontrolliert der Zoll intensiv sowohl Fluggäste bei der Einreise am Flughafen als auch Pakete aus Nicht-EU-Ländern. Und wer einem Schwindler aus Übersee auf den Leim gegangen ist, der wird den Schadensersatz vor einem US-Gericht einfordern müssen, was vielleicht so lange dauern wird, dass bereits die Playstation 4 im Laden steht, wenn die Sache ausgestanden ist.


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