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Datenskandal Facebooks peinliches Geständnis: "Wir haben die Nutzungsbedingungen nicht gelesen"

Mark Zuckerberg Facebook Cambridge Analytica
Nach dem Daten-Skandal um Cambridge Analytica ist Facebook-Chef Mark Zuckerberg stark unter Druck
© Jaap Arriens/ / Picture Alliance
Wegen des Datenskandals um Cambridge Analytica wurde Facebook gestern vor dem britischen Parlament regelrecht gegrillt - und musste dabei ein ausgesprochen peinliches Geständnis ablegen.

Der Datenskandal um Cambridge Analytica bereitet Facebook weiter mächtig Ärger. Nachdem Mark Zuckerberg gleich zweimal vor dem US-Parlament antanzen musste, war gestern ein britisches Parlaments-Komitee dran. Facebook-Manager Mike Schroepfer wurde dort mächtig unter Druck gebracht. Und zu einer bemerkenswerten Aussage getrieben.

Die Frage war eigentlich sehr einfach. Hatte Facebook die Benutzungsbedingungen der App ThisIsYourDigitalLife geprüft, die im Auftrag von Cambridge Analytica Daten von mindestens 87 Millionen Nutzern aus dem Netzwerk absaugte? Die Antwort macht schlicht fassungslos. "Wir haben nicht alle Nutzungsbedingungen gelesen", musste Schroepfer eingestehen, der bei Facebook als Chief Technological Officer für die technische Umsetzung verantwortlich ist.

Keiner liest die Nutzungsbedingungen

Und das ist scheinbar normal. "Wir verlangen, dass die Leute Nutzungsbedingungen nachlesen können. Dafür haben wir eine automatische Abfrage", erklärte er. Und fügte hinzu: "Wir lasen und wir lesen aber nicht alle diese Nutzungsbedingungen."

"Also haben sie nie die Nutzungsbedingungen gelesen?", fragte das Parlamentsmitglied laut "CBS News" ungläubig nach. Die Antwort: "Nein." Auch über andere Apps konnte Schroepfer das nicht sagen. "Ich kann nicht behaupten, dass wir sie nie gelesen haben. Ich glaube, es gab keine Notwendigkeit, dass wir sie lesen."

Datenstaubsauger bei Facebook

Die App hatte ein Feature genutzt, das es Dritten erlaubte, nicht nur die Daten von Facebook-Nutzern sondern auch die ihrer Freunde abzugreifen. Facebook verbot das 2014, scheint jedoch nie geprüft zu haben, ob die Apps die Regeländerung auch übernahmen. Wie effektiv die Praxis ist, zeigt laut der "Washington Post" eine weitere Aussage Schroepfers: Obwohl nur 1040 britische Bürger die App installiert hatten, sammelte sie darüber Daten von über einer Million Personen aus dem Königreich.

Ob das allerdings in den Nutzungsbedingungen stand, ist indes unklar. Facebook hatte die App bereits 2015 gelöscht - und damit auch die mysteriösen Nutzungsbedingungen.

mma

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