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Kolumne: Neulich im Netz: Dosenpfand und 999er-PCs

Wunder gibt es immer wieder - auch und gerade in der Informationstechnologie. Zum Beispiel die eleganteste aller Euro-Umstellungen, das fälschungssichere Dosenpfand und die unsichere Nanotechnologie. Also alles wie immer - auf ein Neues in 2003!

Wunder gibt es immer wieder - auch und gerade in der Informationstechnologie. Zum Beispiel die eleganteste aller Euro-Umstellungen, das fälschungssichere Dosenpfand und die unsichere Nanotechnologie. Also alles wie immer - auf ein Neues in 2003!

Nachbars Weisheit

Die Älteren werden sich noch erinnern: Als noch jedes Land eine eigene Währung hatte und es irgendwie allen gut zu gehen schien, gab es PCs für jeden. Eine ungeheure Entwicklung fegte von den Vereinigten Staaten auf den alten Kontinent und machte hier zu Lande Furore als "999-Marks-PC". Da war alles dran und drin, was zu jener Zeit angesagt war, immer der vorletzte Schrei, aber immer ausreichend für die allermeisten aller Anwendungen. Dann kam der Euro und mit ihm die Chance, noch einmal ganz von vorne anzufangen. Wieder schreit uns von allen Plakatwänden die 999 entgegen. Allein das mit dem Umtauschkurs scheint da vergessen worden zu sein. Oder die PC-Händler haben es mit der Logik meines Nachbarn probiert, der einst posaunte: "Ich rechne überhaupt nicht um. Ich muss einfach nur doppelt so viel verdienen!"

So geil ist Geiz nun auch nicht

Mal schnell im Web nachgesehen: Bei Vobis gibt es einen Tower für 499 Euro, immerhin. Allerdings mit dem legendären Betriebssystem IBM-PC-DOS 7... Für schlappe 100 Euro (der Einfachheit halber: 200 Mark) Aufpreis gibt es Windows XP und das legendäre Office-Paket Lotus Smart Suite 9.7. Irgendwie nicht das Gleiche... Beim Media-Markt geht’s bei 699 Euro los, XP ist an Bord, außerdem StarOffice und ein Mehr an Hard- und Software. Und auch der Geiz ist so geil nicht, wenn man für 999 Euro zwar ein ziemlich dickes Schiff haben kann, aber, hier sei Nostalgie erlaubt, dafür fast 2.000 Mark auf den Tisch legen müsste - so es sie denn noch gebe.

Und dann war da noch das Dosenpfand

Deutlich billiger zu haben sind Getränkedosen dieser Tage - obwohl viele Läden sie aus dem Sortiment geworfen haben und "Zwangspfand" (Plakat im Plus-Markt) kassiert wird. Und noch einmal die Älteren, nein, die ganz Alten bemüht, damit es nicht vergessen wird: Das ganze Kuddelmuddel geht zurück auf zwei Umweltminister namens Klaus Töpfer und Angela Merkel, während derer Amtszeit 1991 die Verpackungsverordnung verabschiedet und dann 1998 überarbeitet wurde. Über den politischen Verbleib der Ehemaligen ist nichts bekannt, aber viel wichtiger ist ja, dass sich der Einzelhändler an der Ecke sorgt. Um Betrügereien nämlich. Was, wenn einer eine Dose aus dem pfandlosen Jahr 2002 zurück bringt, oder gar welche importiert aus dem freien Ausland, sie gar fälscht oder klaut?

Vom Jahreswechsel überrascht

Nun hat der Handel blöderweise bis kurz vor Jahresende noch seine Zeit erfolglos in Gerichtssälen verbracht, anstatt sich um funktionierende Systeme zu kümmern. Doch nachdem sie vom Jahreswechsel überrascht wurden, haben sie sich eines Besseren besonnen und handeln: Bis zum Herbst soll eine bundeseinheitliche Lösung her und - es kommt die fälschungssichere Pfand-Codierung auf Getränkedosen und Plastikflaschen. Maschinenlesbar, verbrechersicher und wichtig.

Guido Augustin