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Zwei Milliarden Dollar Schaden BitConnect: Hinter dem Krypto-Hype steckte ein "Schneeballsystem wie es im Buche steht"

Hacker haben bei einem Angriff in den USA offenbar Kryptowährungen im Wert von bis zu 600 Millionen Dollar gestohlen
Kryptowährungen wie Bitcoin basieren auf der Blockchain-Technologie. Diese ermöglicht es, auf Banken zu verzichten, da die Transaktionen direkt von Nutzer zu Nutzer erfolgen.
© Ina Fassbender / DPA
Mit Krypto-Investments lässt sich viel Geld verdienen. Das wissen auch Geschäftemacher. Einen besonders dreisten Typen suchen nun die US-Behörden. Er hatte mit einem Krypto-Pyramidenschema mehr als zwei Milliarden Dollar Schaden angerichtet.

Ein Wachstum um das Vierfache allein in diesem Jahr - wer rechtzeitig in Währungen wie Bitcoin oder Ether investierte, durfte sich über einen rasanten Wertanstieg freuen. Kein Wunder, dass Kryptowährungen bei vielen die Sehnsucht nach dem schnellen Reichtum wecken. Dass die komplexe Materie auch Betrügern das Spiel leicht macht, zeigt ein aktueller Fall in den USA.

Sagenhafte 40 Prozent Rendite hatte das Unternehmen Bitconnect seinen Kunden versprochen - pro Monat. Und das weitgehend ohne Risiko. Dazu mussten die Investoren die eigene Kryptowährung Bitconnect Coin kaufen und ihnen überlassen, so die Betreiber. Mit spezieller Software könne man in einem "Kreditprogramm" die hohe Volatilität des Bitcoins ausnutzen, indem man bei niedrigen Ständen kaufe und bei hohen verkaufe, behaupteten sie laut US-Behörden. Tatsächlich steckte etwas ganz anderes dahinter.

Klassisches Schema

Denn das Geld, dass die Investoren ausgezahlt bekamen, stammte schlicht aus den Taschen von ihnen geworbener neuer Investoren. "Ein Pyramidenschema wie es im Buche steht", erklärte einer der Staatsanwälte gegenüber der Agentur "Reuters". Die vermeintliche Supercoin erlangte wegen aggressiver Werbung bei Youtube und anderen sozialen Medien schnell große Bekanntheit, gehörte eine kurze Zeit zu den Kryptowährungen mit dem höchsten Gesamtwert (Marketcap). Der überenthusiastische Auftritt eines Promoters, bei dem er immer wieder den Namen des Coin ins Mikrofon brüllte, wurde sogar für eine kurze Zeit zum Internet-Meme. Am Ende kam dann das böse Erwachen: Die Bitconnect Coin krachte im Januar 2018 um 92 Prozent ein, fast zwei Milliarden Dollar (aktuell knapp 1,7 Milliarden Euro) waren futsch.

Kein Wunder, dass sich nun die Gerichte mit dem Betrug befassen. Den Beteiligten wird vorgeworfen, ein nicht registriertes Banknetzwerk aufgebaut und dabei die Kunden betrogen zu haben. Ganz einfach ist die Strafverfolgung nicht: Der Aufenthaltsort des vermutlichen Unternehmensgründer Satish K. ist unbekannt, er wird in seiner Heimat Indien vermutet. Dem Promoter Glenn A. wird in einem anhänglichen Verfahren vorgeworfen, 24 Millionen Dollar an Vermittlungsgebühren aus dem betrügerischen Geschäft kassiert zu haben. Er hat sich am Mittwoch des Überweisungsbetrugs und der kriminellen Verschwörung schuldig bekannt.

Bitcoins

Aggressive Werbestrategie

A. war mit seiner Firma Future Money einer der erfolgreichsten Rekrutierer für das Schneeballsystem. In den sozialen Medien, aber auch auf Fachmessen warben sie aggressiv um weitere Investoren. Fünf der Verkäufer wurden bereits im Mai angeklagt. Neben der Anklage der Täter versuchen die Behörden auch die wohl in die Tausende gehende Zahl der Betrugsopfer zu entschädigen. Das gesamte Investment werden die aber wohl nie wiedersehen. Bislang wurden Rückzahlungen im Wert von knapp 14 Millionen Dollar angeordnet.

Dass mit Bitconnect irgendetwas nicht stimmen kann, war schon während der Hochphase vielen Beobachtern aufgefallen. "Wenn jemand 1 Prozent Rendite am Tag verspricht, ist das ein Schneeballsystem", bemerkte etwa der Ethereum-Entwickler Vitalik Buterin schon 2017. Auch den Behörden um den Globus war das vorgebliche Geschäftsmodell nicht geheuer. Kurz vor dem Absturz hatte etwa die Regierung von Großbritannien eine Frist gesetzt: Bitconnect hatte zwei Monate Zeit nachzuweisen, dass hinter dem Geschäft kein Betrugssystem steckte. Das Fristende erlebte das Projekt nicht mehr.

Quellen: Reuters, The Next Web


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