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Gespeichert für die Ewigkeit: Mit dieser Glasplatte will Microsoft das größte Problem von Festplatte und CD lösen

Festplatte, Blu-ray und Co. fassen zwar immer mehr Daten, sterben aber nach einigen Jahren einen natürlichen Tod. Microsoft will das ändern: Die neue Lösung aus Glas soll auch in 1000 Jahren noch lesbar sein.

Microsofts Projekt Silica brannte einen Film auf eine Glas-Festplatte

Microsofts Glasplatte enthält den kompletten "Superman"-Film von 1978

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Ob Hieroglyphen aus dem antiken Ägypten, Maya-Schriften oder die Mona Lisa: Das meiste, was wir heute über die Geschichte der Menschheit wissen, haben wir aus Aufzeichnungen und Bildnissen erfahren. Die moderne Gesellschaft droht dagegen ein Loch in der Geschichte zu hinterlassen. Obwohl wir heute in Bildern, Videos und Schriften so viele Daten schaffen wie nie zuvor, könnten die meisten von ihnen bald verschwinden - weil unsere Datenträger nur eine begrenzte Lebensdauer haben. Schon jetzt sind etwa viele Filme aus dem 20. Jahrhundert unwiederbringlich verloren. Eine neue Speicher-Technologie soll dieses Dilemma lösen.

Die University of Southampton hatte bereits 2016 eine Möglichkeit entwickelt, mit Lasern Daten in Glasscheiben zu brennen. Unter dem Namen "Project Silica" verfeinerte Microsoft die Erkenntnisse der Forscher. Nun ist dem Tech-Gigant ein Durchbruch gelungen: Erstmals wurde ein kompletter Film auf einer Glasplatte gespeichert.

Superman für die Ewigkeit

Eine der wichtigsten Beiträge Microsofts ist die künstliche Intelligenz zum Auslesen der Daten. Die werden mit Hilfe eines Lasers in winzigen dreidimensionalen Facetten in den Glasträger gebrannt. Dadurch entsteht eine einmalige Textur, die den Zerklüftungen von Gebirgen ähnelt. Mittels der Künstlichen Intelligenz von Microsofts Cloud-Dienst Azure konnten sie im Experiment wieder verlustfrei ausgelesen werden.

Gemeinsam mit dem Filmstudio Warner Bros ist es den Microsoft-Forschern gelungen, den gesamten "Superman"-Film von 1978 in eine 7,5 mal 7,5 Zentimeter große und etwa zwei Millimeter dicke Glasplatte zu brennen - und ihn dann auch vollständig korrekt wieder daraus zu extrahieren. "Das ist ein riesiger Meilenstein", erklärt Microsoft-Manager Mark Russinovich in einem Blog-Post. "Wir haben längst nicht alle Probleme gelöst. Aber nun arbeiten wir an der Feinjustierung und experimentieren, statt zu fragen: Geht das überhaupt?"

Die Zusammenarbeit mit Warner Bros ist kein Zufall: Die Filmindustrie steht schon länger vor der schwierigen Frage, wie man die alten Klassiker erhalten kann. Während die alten Schwarz-Weiß-Filme sich recht verlustfrei lange lagern lassen, ist das bei Farbfilmen und Digitalaufnahmen nicht der Fall. Alle drei Jahre muss Warner Bros etwa seinen gesamten Katalog auf neue Datenträger umfrachten. Farbfilme werden etwa auf drei Schwarzweiß-Rollen aufgeteilt, die jeweils die Intensität der Farbspuren Cyan, Gelb und Magenta enthalten. Selbst digitale Aufnahmen werden zurück auf Film gebracht, um sie sicher lagern zu können.

Die Suche nach Haltbarkeit

Auch Microsoft hat ein Interesse an den länger haltbaren Speichern. Der Windows-Konzern ist längst einer der größten Anbieter der Welt für Cloud-Speicher. Während die Kunden den Online-Speicher nutzen, um die Geräte von unnötigem Ballast zu befreien, stehen die Cloud-Dienste vor der schwierigen Frage, wie sie die immer weiter wachsenden Mengen an Daten fassen und dauerhaft aufbewahren können. Mit dem Problem ist die Tech-Branche nicht alleine: Auch Gesundheitsdaten oder die Steuerunterlagen von Unternehmen müssen lange aufbewahrt werden, die Kosten zum Erhalt der Daten sind auf Dauer enorm.

Sollte sich der Glas-Speicher als kosteneffizient und sicher herausstellen, hätte er das Potenzial, die immer wieder nötigen Umzüge der Daten auf neue Träger wegfallen zu lassen. "Wir wollen etwas, das man ins Regal stellen und in 50, 100 oder 1000 Jahren wieder herausnehmen kann, wenn man es braucht", erklärt ein Microsoft-Forscher. Im Labor waren die ins Glas gefrästen Informationen enorm gut gegen Datenverlust geschützt: Die Glasplatten wurden auf 500 Grad Celsius erhitzt, mit Mikrowellen beschossen und mit Stahlwolle abgeschrubbt - und waren weiter fehlerfrei auslesbar.