Microsoft vs. Yahoo Yang pocht auf Yahoo-Chefposten


Yahoo-Vorstandschef Jerry Yang insistiert auf den Führungsposten beim Suchmaschinenkonzern. Sein Blut sei Lila, er sei die "richtige Person", um bei dem kalifornischen Internetpionier den Turnaround und die nächste Wachstumswelle voranzutreiben.
Von Helene Laube

Jerry Yang versucht alles, um bei Yahoo um den Führungsposten bei Yahoo zu behalten. "Ich blute Lila, und ich blute Yahoo", sagte Yang in Anspielung auf Yahoos Unternehmensfarbe während eines Kongresses im kalifornischen Carlsbad.

Bei seiner Rede vor hochkarätigem CEO-Publikum - darunter Rupert Murdoch von News Corp., Howard Stringer von Sony, Jeff Bewkes von Time Warner und Jeff Bezos von Amazon.com - wirkte der 39-jährige Konzernlenker allerdings niedergeschlagen und wenig enthusiastisch.

Yang hatte vor knapp einem Jahr die Führung des 1995 von ihm mitgegründeten Unternehmens übernommen. Seitdem steht er in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, dass das Management keine einleuchtende Strategie für Yahoos Zukunft hat, was bereits seinem Vorgänger Terry Semel den Kopf gekostet hatte. Außerdem brachte ihm der Kampf gegen Microsofts Avancen heftige Kritik einiger Großaktionäre ein. Diese hätten Ballmers letzte Offerte, die einer Prämie von 72 Prozent entsprochen hätte, angenommen.

Zudem hatte der umtriebige Investoraktivist Carl Icahn angekündigt, das Yahoo-Board stürzen zu wollen. Yahoo sei aber kein "belagertes Unternehmen", egal welcher Eindruck in den vergangenen Wochen und Monaten entstanden sei, behauptete Yang.

Diskussionen dauern an

Bei dem bereits seit Januar andauernden Hin und Her zwischen Microsoft und Yahoo ist noch immer kein Ende in Sicht. Nach Microsofts gescheitertem Übernahmeversuch spricht der weltgrößte Softwarekonzern laut Jerry Yang weiterhin mit Yahoo über mögliche Abkommen. "Microsoft diskutiert verschiedene Partnerschaften und Ideen mit uns, und wir hören zu", sagte der Yahoo-Vorstandschef auf der Konferenz. Yang machte aber keine Angaben dazu, wie ein solcher Deal aussehen könnte.

Bei den Gesprächen zwischen Yahoo und Microsoft soll es um die Online-Werbebereiche der beiden Konzerne gehen. Microsoft hatte zuletzt 47,5 Millarden Dollar für Yahoo geboten in der Hoffnung, so im lukrativen Onlineanzeigenmarkt endlich besser mit Google konkurrieren zu können. Zu einem möglichen eigenen Abkommen mit Google machte Yang keine Angaben. Yahoo erwägt die Auslagerung der Onlinewerbung an den Suchmaschinenkonzern, der mit seinen Anzeigen deutlich mehr Geld verdient als alle anderen und immer mächtiger wird.

Microsoft-Chef Steve Ballmer zog die Offerte für Yahoo Anfang Mai abrupt zurück, bekundete ein paar Tage später aber wieder Interesse, zumindest eine Partnerschaft mit Yahoo eingehen zu wollen. Auch das weltgrößte Internetportal versucht seit Jahren, seine Position bei der Onlinewerbung zu verbessern und hat wie Microsoft Milliarden in Suchmaschinen und Anzeigenplattformen investiert, um Google beizukommen.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Ballmer zufolge scheiterten die Übernahmegespräche an den Preisvorstellungen Yahoos. Yang konterte am Mittwoch, dass der Preis nur einer von mehreren Gründen war. "Nicht wir haben uns von dem Vorschlag abgewandt, sondern Microsoft", verteidigte sich Yang. "Wir waren bereit, unter den richtigen Bedingungen einen Deal einzugehen." Andere Fragen wie das regulatorische Umfeld hätten aber auch diskutiert werden müssen. "Wir konnten die Preisfrage nie klären, weshalb die anderen Fragen erst gar nicht richtig angesprochen wurden", sagte Yahoo-Präsidentin Sue Decker, die mit Yang auf der Bühne saß.

Um Microsoft zu entgehen, führte Yahoo auch Gespräche mit möglichen Partnern wie dem New Yorker Medienkonzern Time Warner. Diskutiert wurde dabei eine Fusion mit dessen Onlinetochter AOL. Time-Warner-Chef Bewkes wich in Carlsbad aber Fragen aus, ob diese Option noch bestehe. Sollte jemand ein Angebot für AOL unterbreiten, das den Wert des Unternehmens steigere, sei es seine Pflicht, sich einen Verkauf zu überlegen. "Aber wir sehen uns nicht nach einem Käufer um", sagte er.

FTD

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