Musik im Internet Charts ohne Sperre


Lange Zeit war Musik kaufen im Internet teuer und vor allem nervig. Inzwischen wird das Angebot immer besser. Sogar der Kopierschutz DRM wird jetzt abgeschafft.
Von Ulf Schönert

So etwas gab es früher nur illegal. Fünf Millionen MP3-Dateien stehen zur Auswahl, darunter alle aktuellen Hits, sortiert, in guter Qualität, zu einem günstigen Einheitspreis von 99 Cent und vor allem: ohne Kopierschutz.

Was die Handelskette Saturn da seit vergangenem Freitag in ihrem Download-Shop anbietet, ist neu für die leidgeplagten Kunden. Denn bisher war das Musik- Shopping im Internet nervig und kompliziert. Grund dafür war der Kopierschutz DRM, den die Konzerne einst aus Angst eingeführt hatten, die Internetnutzer würden ihre frisch erworbene Musik illegal weiterverbreiten.

Doch von Beginn an zeigte DRM unerwünschte Nebenwirkungen, die dazu führten, dass sich der Sperrmechanismus oft auch gegen den rechtmäßigen Eigentümer wandte. So konnten bei iTunes gekaufte Titel nicht auf einem Sony-Walkman abgespielt werden; Dateien, bei Musicload gekauft, liefen nicht auf dem iPod. Und wer seine Sammlung auf einen neu erworbenen PC kopieren wollte, bekam erst mal eine Fehlermeldung auf den Bildschirm.

Das Aus für den Kopierschutz

Die Kunden reagierten verärgert, Verbraucherverbände klagten, in den Callcentern häuften sich die Beschwerden. So sehr, dass die Branche jetzt die Notbremse gezogen hat: Der Kopierschutz wird abgeschafft. Wie Saturn haben auch alle anderen großen Internetmusikhändler inzwischen angekündigt, ihr Angebot von DRM zu befreien - einige haben diesen Schritt sogar schon umgesetzt (siehe Tabelle). Auch die Angebote einiger Shops, ungeschützte Musik zu höheren Preisen zu verkaufen ("iTunes Plus"), sind damit passé.

Wo man seine Dateien kauft, hängt nun nicht mehr davon ab, welches Abspielgerät man besitzt, sondern davon, welcher Shop das beste Angebot hat. MP3-Dateien laufen nämlich auf jedem Abspielgerät, egal ob PC, Handy, Navi oder MP3-Player. Sie können beliebig oft gehört, gebrannt oder verschickt werden.

Was natürlich nicht heisst, dass man das auch unbegrenzt darf. Auch ohne DRM setzt das Urheberrecht dem Kopieren Grenzen. Wer Musikdateien ohne Erlaubnis zum Beispiel im Internet anbietet, kann richtig Ärger kriegen. Um schwarze Schafe zu finden, die das trotzdem machen, sind viele Dateien deshalb mit einem "digitalen Wasserzeichen" versehen. Dabei handelt es sich um einen unhörbaren Datencode, der den ursprünglichen Käufer einer Datei identifizieren hilft. Ein Sieg für die Kunden ist die Neuerung in jedem Fall. Denn ausgerechnet diejenigen, die überhaupt noch Geld für Musik ausgaben, hatten unter dem Misstrauen der Konzerne am meisten zu leiden. Raubkopierer hingegen bekamen ihre Songs nicht nur gratis, sie mussten sich auch nicht mit dem ärgerlichen Kopierschutz herumschlagen. Kein Wunder, dass bis heute etwa 95 Prozent aller Musik illegal heruntergeladen wurde.

Warten auf den Durchbruch

Obwohl die Internetumsätze der Plattenfirmen im vergangenen Jahr um 34 Prozent auf 80 Millionen Euro gestiegen sind, reicht das noch lange nicht, um die Verluste aus den schwächelnden CD-Verkäufen zu kompensieren.

Die Branche erhofft sich nun den Durchbruch im Netz, denn in der Tat hat der Online-Musikkauf viele Vorteile, zum Beispiel, dass es keinen Ladenschluss gibt und das Sortiment viel größer ist als in den Geschäften. Und auch die Preise stimmen: Zwar schafft iTunes gerade seinen Einheitspreis von 99 Cent pro Song ab, wodurch Tophits bis zu 1,29 Euro kosten. Aber - und das ist neu - man kann sich ja jetzt auch woanders umschauen: Vielleicht gibt es die gesuchte MP3-Datei bei der Konkurrenz billiger.

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