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Streaming Netflix-Werbe-Abo: So viel Reklame kommt wirklich auf Sie zu – und diese weiteren Nachteile

Eine frustrierte Frau sitzt auf der Couch und hält eine Fernbedienung
"Schon wieder Werbung!" Ganz so schlimm wie im Privatfernsehen ist es im Netflix Probe-Abo bislang nicht – aber wenn man Pech hat, landet echt viel Werbung in einer einzigen Folge.
© RapidEye / Getty Images
Ab sofort steht das sogenannte "Basis-Abo mit Werbung" in Deutschland zur Verfügung und kostet als Einstiegstarif statt 7,99 Euro nur 4,99 Euro. Sollte Netflix aber den Preis des werbefreien Basis-Tarifs nicht schleunigst erhöhen, dürfte das neue Angebot krachend scheitern. Die Gründe.

Vorab – die Reklame des neuen Werbe-Abos bei Netflix ist besser eingebunden als bei anderen Diensten wie Youtube und nicht annähernd so aufdringlich. Aber: So richtig toll gelöst ist das offenbar junge System der regelmäßigen Unterbrechungen trotzdem nicht. Im diesem Test verrät der stern, warum sich das Abo eigentlich kaum lohnt.

Viele Einschnitte – für wirklich wenig Ersparnis

Der Hauptgrund dafür, dass der neue Tarif so unattraktiv ist, ist der Preis. Satte drei Euro lassen sich im Monat sparen, wenn man sich hin und wieder mit Werbung berieseln lässt. Eigentlich müsste das "Basis-Abo mit Werbung" kostenfrei sein – oder einen symbolischen Euro kosten – damit daraus für Zuschauer eine ernste Alternative wird. 

Hinzu kommen weitere Einschnitte, die das Angebot noch schlechter machen. Denn aufgrund unterschiedlicher Lizenzvereinbarungen für diverse Serien und Filme, sind im Werbe-Abo zahlreiche Inhalte nicht vorhanden. Das äußert sich in der Übersicht mit einem großen Schloss auf dem Vorschaubild und betrifft auch Highlights wie "Inglourious Basterds" oder "The Office", zum Teil sogar "Netflix Originals" wie "Uncoupled" oder "Arrested Development". Bei einem kostenfreien Werbe-Abo wäre das Verständnis für die unterschiedlichen Kataloge etwas größer.

Noch ein drastischer Unterschied: Wer einen Tarif mit Werbung bucht, darf keine Inhalte herunterladen. Das ist für häufig reisende Nutzer:innen ein so großer Nachteil, dass der neue Tarif auf keinen Fall in Frage kommt. Außerdem begrenzt Netflix die Auflösung im Basis-Abo mit oder ohne Werbung auf 720p, also 1280x720 Pixel. Erst im Standard-Tarif für 12,99 Euro erhöht der Anbieter auf Full-HD (1920 × 1080 Pixel), Ultra-HD (3840 x 2160 Pixel) gibt es nur für Premium-Kunden, die 17,99 Euro im Monat zahlen.

Integration von Werbespots ist okay

Was die Werbeinblendungen betrifft, ist Netflix vor allem eines: unvorhersehbar. Es scheint, als habe man als Zuschauer eine Art stündliches Kontingent an Reklame, die man konsumieren muss. Ist das getan, kommt erst einmal kein Spot mehr. Tatsächlich spricht Netflix offiziell von "rund vier Minuten" pro Stunde, im Test waren es maximal drei.

Allerdings nicht gleichmäßig verteilt. Mal ließ sich ein zweieinhalbstündiger Film wie "Im Westen nichts Neues" am Stück und ohne Störung schauen, dann folgte eine Folge "The Watcher" mit drei großen Werbeblöcken mit jeweils drei bis vier Spots und einer Gesamtlänge von je rund 70 Sekunden. Die meisten Einzelspots sind nicht länger als 15 Sekunden, selten ist es mehr.

Der Abstand zwischen der Werbung, sofern diese als "Mid-Roll", also im Laufe einer Folge oder eines Films, spielt, ist willkürlich. Mal sind es 20 Minuten, mal unter zehn. Immerhin: Die Unterbrechungen folgen – nicht wie bei Youtube – mitten im Satz, sondern scheinen einigermaßen angepasst zu sein und setzen die Pause meist nach einem abgeschlossenen Gespräch.

Bei der Vielfalt der Werbepartner ist Netflix kein Vorwurf zu machen. In insgesamt 25 Spots gab es zwei Wiederholungen. Gemessen an der Zeit, die dazwischen verstrichen ist, sind das weniger Dopplungen als im Privatfernsehen. Als Kunden hat Netflix offenbar die Klassiker an Bord geholt, es gibt neue Autos zu sehen, Parfum, Spielekonsolen und Kaffeevollautomaten. Das ist gut gelöst, wenn man bedenkt, dass bei der Konkurrenz Discovery+ gerne mal zwei oder gar drei Mal der gleiche Spot hintereinander läuft.

Die Werbung lässt sich im Browser übrigens nicht durch einen Adblocker oder sonstige Software unterbinden. Beim Test auf dem Fernseher fiel auf, dass es offenbar einen kleinen Fehler geben muss. Denn wenn man in einer "neuen Stunde" zunächst mit einer "Pre-Roll", also einem Spot vor Beginn der Serie, gesegnet ist, hilft es, drei bis vier Mal zurück ins Menü zu gehen und die Serie erneut zu starten. Irgendwann beginnt der gewünschte Inhalt – und die Werbung ist weg.

Zum Start gibt es ein weiteres Problem mit dem neuen Abo, das aber schon bald per Update behoben sein soll. Und zwar läuft das Werbe-Netflix derzeit nicht auf allen Empfangsgeräten, allen voran auf dem Apple TV. Will man Netflix dort starten, wird man gebeten, das Gerät oder den Tarif zu wechseln. Beides ist – wie schon gesagt – den Stress um drei Euro im Monat nicht wert.

Fazit: Wäre es kostenlos, spräche nichts dagegen. Aber so...

Ein Tag mit Werbung bei Netflix. Dem Dienst, der genau deshalb so groß wurde, weil es anfangs keine Werbung gab und man neue Serien nach Herzenslust auch an einem Stück schauen durfte. Ein Tag voller Unverständnis.

Der Werbe-Tarif ist weder sinnvoll, noch technisch einwandfrei gelöst. Preislich sind es die drei Euro wirklich nicht wert, die Nachteile in Kauf nehmen zu müssen, die sich neben den Unterbrechungen ergeben. 

Dabei ist die Werbung tatsächlich das kleinste Problem – denn (derzeit) ist sie relativ zurückhaltend und wiederholt sich immerhin nicht zu stark.

Viel größer sind anderen Einschnitte. Die zahlreichen fehlenden Inhalte und die deaktivierte Download-Funktion sind mit drei Euro Ersparnis schlicht nicht zu rechtfertigen. Wenn Billo-Netflix, dann also mindestens Basis ohne Werbung. 

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