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Neue Tracking-Technologie So werden Sie im Internet durchleuchtet

Die Tracking-Technologie "Canvas Fingerprinting" verfolgt Nutzer quer durchs Web
Die Tracking-Technologie "Canvas Fingerprinting" verfolgt Nutzer quer durchs Web
© Colourbox.de
Eine neue Tracking-Technologie namens "Canvas Fingerprinting" erlaubt es Werbekunden, die Nutzer quer durchs Netz zu verfolgen. Schützen kann man sich davor kaum.
Von Christoph Fröhlich

Wie genau wir alle im Internet beobachtet werden, nicht nur von Geheimdiensten, sondern auch und vor allem von der Werbeindustrie, zeigt der Fall von Janet Vertesi. Sie ist Soziologin und lehrt an der US-Universität Princeton. Im Mai machte sie ihren Selbstversuch öffentlich, in dem sie versuchte, ihre eigene Schwangerschaft vor den Datensammlern der Werbeindustrie geheim zu halten. Es war kein leichtes Unterfangen.

Vertesi wollte herausfinden, "worauf es ankommt, wenn man verhindern will, verfolgt und in Datenbanken gesteckt zu werden", erklärte sie auf der Internetkonferenz "Theorizing the Web". Ob in sozialen Netzwerken, Online-Shops oder E-Mails - überall lauerten Werbetreibende, die versuchten, an ihre Daten zu gelangen, um ihr in riesigen Anzeigen Strampler und Babyöl anzudrehen. Am Ende surfte sie mit dem Verschlüsselungstool TOR im Netz, ließ nur noch an Packstationen liefern und kaufte mit Amazon-Geschenkkarten aus der Drogerie ein, um keine Rückschlüsse auf Kreditkartendaten zu ermöglichen. Man kann auch sagen: Um ihre Privatsphäre zu schützen, musste Vertesi vorgehen wie eine Kriminelle.

Verfolgt und ausgespäht

Doch womöglich ist in Zukunft nicht einmal mehr das möglich, zumindest nicht mehr online. Mit einer Technologie namens "Canvas Fingerprinting" können Werbetreibende die Spur eines Nutzers quer durchs Netz verfolgen, genauer als es ein Cookie je könnte. Ein Team von US-amerikanischen und belgischen Wissenschaftlern hat festgestellt, dass die Technik bereits auf fünf Prozent der 100.000 beliebtesten Webseiten der Welt eingesetzt wird - darunter das Erotik-Portal Youporn, die Webseite des Weißen Hauses oder "t-online.de".

Doch wie entsteht der digitale Fingerabdruck? Die angesteuerte Webseite, auf der die Technologie zum Einsatz kommt, bringt den Browser dazu, im Hintergrund heimlich ein unsichtbares Bild ("Canvas", auf deutsch "Gemälde") zu erstellen. Je nach Rechner und Browserversion unterscheiden sich die Bilder minimal voneinander, womit die Kombination aus Browser und Computer eindeutig identifizierbar wird. Das Bild wird vom Rechner in Sekundenbruchteilen erstellt und analysiert und erlaubt den Firmen, den Browser, Computer und meist auch den Nutzer eindeutig zu erkennen.

Im Gegensatz zu Cookies könne man sich vor der Technik nicht schützen, sowohl Browser-Schutzeinstellungen als auch Werbeblocker seien nutzlos, erklärt der russische Entwickler Valentin Wasilyew von "Pro Publica". Laut dem US-Portal "The Verge" kann das Tool in 90 Prozent der Fälle die richtige Zuordnung erkennen. Nur auf Mobilgeräten wie Tablets und Smartphones sei die Software noch sehr fehleranfällig.


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