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Kryptogeld Ende für Geldwäsche und anonyme Zahlungen: Was sich für Bitcoin-Anleger in der EU bald ändert

Bitcoin in Flammen
Der Bitcoin brennt: Nach dem dramatischen Kursrutsch der vergangenen Wochen werden die Nachrichten einfach nicht besser.
© Michael Bihlmayer / Picture Alliance
In der EU wird es enger für Anonymität und kriminelle Machenschaften in Verbindung mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen. Neue Gesetze verpflichten Handelsplätze, Kunden eindeutig zu identifizieren.

Sofern das EU-Parlament und die Länder es formell abnicken, müssen sich Bitcoin-Anleger auf neue Regeln beim Zahlungsverkehr mit dem virtuellen Geld einstellen. Kürzlich einigten sich EU-Kommission und -Parlament darauf, dass überall dort, wo die Coins in echtes Geld getauscht werden können, Informationen über Sender und Empfänger abgefragt werden müssen – unabhängig von der Höhe des Betrags.

Behörden können Daten abfragen

Ferner besagt das neue Gesetz, dass Anbieter die Daten im Falle einer Ermittlung wegen Geldwäsche oder Terrorismus an die zuständigen Behörden weiterleiten müssen.

Transfers zwischen Privatpersonen oder zwischen Handelsplätzen unterliegen diesen Regeln nicht – denn in beiden Fällen ist kein Umtausch in eine sogenannte Fiat-Währung, also Euro, US-Dollar etc. Teil der Transaktion.

Einen Sonderfall bilden Ein- oder Auszahlungen von unabhängigen Wallets, im Gesetz "Unhosted Wallets" genannt. Das sind virtuelle Geldbörsen, deren Inhaber Transaktionen frei von finanziellen Institutionen durchführen können, tendenziell also anonym handeln und nicht beispielsweise bei Handelsplätzen wie Coinbase oder Kraken angeschlossen sind. Ab einem Handelsvolumen von mehr als 1000 Euro mit einem Service-Provider, müssen die Kryptodienstleister prüfen, ob Inhaber der unabhängigen Wallets mit dem Nutzer der Plattform übereinstimmen.

Umwelt wichtig, aber eigentlich doch egal

An die Umwelt hat man bei den Verhandlungen zum neuen Gesetz ebenfalls gedacht, wenn auch nur am Rande.

Dr. Stefan Berger, Mitglied im EU-Parlament, schreibt: "Durchbruch! Europa ist der erste Kontinent mit einer Krypto-Asset Regulierung. Parlament, Kommission & Rat haben sich auf ausgewogene "MiCA" geeinigt. Für mich als Berichterstatter war wichtig, dass es hier keine Verbannung von Technologien wie Proof-of-Work gibt."

Zu Erklärung: "MiCA" ist die Bezeichnung für das Regelpaket der EU. Die Abkürzung steht für "Regulation on Markets in Crypto-assets", also "die Regulierung des Vertriebs, der Ausgabe und des Handels mit Crypto-Assets.". Mit "Proof-of-Work" ist die Art und Weise gemeint, wie man zum Beispiel Kryptogeld wie Bitcoin oder Ether generiert. Beide Währungen sind so aufgebaut, dass spezielle Hardware komplexe Berechnungen durchführen muss, um Transaktionen zu validieren. Als Belohnung kann man einen gewissen Betrag der jeweiligen Coins erhalten.

Das Problem: "Proof of Work" ist unglaublich energieintensiv, verbraucht also massiv Strom. In einem ersten Entwurf der Verordnung sollte das verboten werden, da Kritiker in dieser Art der Coin-Beschaffung eine große Verschwendung teils nicht regenerativer Ressourcen sehen.

Aber: "Krypto-Asset-Anbieter sollen künftig den Energieverbrauch und die Auswirkungen von Assets auf die Umwelt offenlegen. Grundlage dafür werden Regulatory Technical Standards (RTS) sein", schreibt Berger. Am Stromverbrauch der Industrie wird sich also zunächst nichts ändern.

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Für Bitcoin-Gangster wird es komplizierter

Tatsächlich könnte das neue Regelwerk dafür sorgen, dass es für Kriminelle in Europa schwieriger wird, erbeutete Coins in gängige Landeswährungen zu tauschen. Denn künftig steht die schier endlose Möglichkeit der Nachverfolgung jeder einzelnen Transaktion mit validen Daten in Verbindung. Damit sollte es bei einer Auszahlung für Behörden deutlich einfacher sein, Geld aus illegalen Quellen der richtigen Person zuzuordnen – zumindest dann, wenn es umgetauscht wird.

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Sollte jemand seine Coins einfach festhalten, kann die EU auch künftig nur schwer herausfinden, wer sich dahinter versteckt. Das birgt aber für die Gegenseite Gefahren, denn wie die vergangenen Wochen und Monate gezeigt haben, unterliegen Kurse der Coins deutlichen Schwankungen – und eine Beute, die heute 30.000 Euro wert wäre, kann nächste Woche nur noch 10.000 Euro einbringen.

Quellen: EU--Rat, EU-Parlament, Twitter

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